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05.06.2018

Türken gegen türkischen Kohleausbau

Die Türkei ist eines der sonnenreichsten Länder, doch Präsident Erdoğan setzt massiv auf Kohle und Atomkraft. Drei Wochen vor den Wahlen zeigt eine Umfrage: Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt diesen Kurs ab.

Der weltweite Kohleboom neige sich seinem Ende zu, heißt es seit einigen Jahren immer wieder, die Nutzung des klimaschädlichsten fossilen Energieträgers gehe zurück. Das stimmt für eine ganze Reihe von Ländern. China und Indien etwa haben ihre Ausbaupläne für neue Kohlekraftwerke stark zusammengestrichen. Doch für andere Länder stimmt es nicht. Zu ihnen gehört auch die Türkei.

Schon heute ist das Schwellenland einer der großen Treibhausgas-Emittenten. Unter den 20 Ländern, die weltweit die meisten Klimagase ausstoßen, belegt die Türkei Platz 19. Mit den fossilen Ausbauplänen von Präsident Recep Tayyip Erdoğan wird das Land in dieser Rangliste nach oben rutschen.

25 Kohlekraftwerke gibt es bereits in der Türkei. Mehr als 70 neue Meiler sollen nach den Plänen der Regierung hinzukommen, darunter auch mehrere "Super-Kohlekraftwerke", die besonders groß dimensioniert sind.

Insgesamt würden so 43.000 Megawatt zusätzlich an Kohlekapazität installiert werden. Damit hat die Türkei die viertgrößten Kohleausbaupläne weltweit.

Dazu kommen umfangreiche Pläne für neue Atomkraftwerke. Bis 2023 soll das erste Atomkraftwerk des Landes ans Netz gehen. Neben dem AKW Akkuyu mit vier 1.200-Megawatt-Blöcken sind noch zwei weitere Atomkraftwerke geplant, die 2030 fertiggestellt sein sollen.

Klimapolitik wird wichtig

Drei Wochen vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 24. Juni zeigt nun eine Umfrage, dass die Mehrheit der türkischen Gesellschaft diesen energiepolitischen Kurs ablehnt. Demnach sind 68 Prozent gegen Atomkraftwerke, 53 Prozent sprechen sich gegen Kohlekraftwerke aus.

Saubere Energien wie Solar- und Windenergie finden hingegen sehr große Zustimmung. 83 Prozent der Befragten ziehen deren Nutzung der von Kohle vor und meinen, dass der fossile Brennstoff im Boden bleiben sollte. Nur fünf Prozent befürworten den Bau neuer Kohlekraftwerke.

Drei von vier Befragten sind überdies "sehr besorgt" oder "extrem besorgt" über den Klimawandel. Vertrauen in die Klimapolitik des Landes haben die Türken jedoch nicht. Nur acht Prozent der Befragten glauben, dass die türkische Regierung "mit großer Wahrscheinlichkeit" gegen den Klimawandel vorgehen wird. Selbst bei den Wählern der Regierungspartei AKP sind es nur 16 Prozent.

Diese Skepsis kommt nicht von ungefähr. Die Türkei gehört zu den wenigen Ländern, die das Pariser Klimaabkommen noch nicht ratifiziert haben.

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Vera Kern) 2018 verfasst - der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von "klimareporter.de" (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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