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14.08.2017

Wäscht das ZDF den Diesel sauber?

Gute Freunde haben die Autokonzerne nicht nur in der Politik und den Branchenverbänden, sondern scheinbar auch in den öffentlich-rechtlichen Medien, namentlich dem ZDF. Dort versuchte man offenbar, den Diesel sauberer erscheinen zu lassen als er ist. Von Jörg Staude

Es ist der 28. Juli 2017. Das Verwaltungsgericht Stuttgart entscheidet, dass die Luft in der Stadt mithilfe von Diesel-Fahrverboten endlich sauberer werden muss. Das Gericht bewertet den Schutz von Leben und Gesundheit der Bevölkerung höher als den der Rechtsgüter Eigentum und allgemeine Handlungsfreiheit.

Das Urteil erschreckt Millionen deutsche Dieselauto-Besitzer zutiefst – da müssen auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten reagieren. Sie heben, jeweils nach den Hauptnachrichten, eine Sondersendung ins Programm, die ARD einen "Brennpunkt" und das ZDF ein zwölfeinhalbminütiges Spezial "Ausgebremst! Fahrverbot für Diesel?"

Beim ZDF kommt ab Minute neuneinhalb, befragt von der Moderatorin und Rechtsexpertin Sarah Tacke, der ZDF-Umweltexperte Volker Angres zu Wort. Angres scheint entschlossen, dem allgemeinen Diesel-Bashing doch ein paar Dinge entgegenzuhalten. So weist er darauf hin, dass der deutsche Straßenverkehr "nur rund 30 Prozent der Gesamtstickoxidbelastung" liefere. Das dachte man eigentlich nicht nach dem ganzen Abgas-Skandal – aber stimmt es auch?

Das nachzuprüfen ist relativ einfach. Man schaut nach, was das Umweltbundesamt (UBA) über Luftschadstoff-Emissionen in Deutschland zusammengetragen hat, und findet dort eine Excel-Tabelle zur "Emissionsentwicklung 1990–2015 für klassische Luftschadstoffe" mit den Angaben: 1,186 Millionen Tonnen Stickoxide (NOx) wurden im Jahr 2015 bundesweit ausgestoßen, davon entfallen 403.500 Tonnen auf "Road Transportation".

Zahl kräftig abgerundet "zum besseren Verständnis"

Nach den Regeln der Mathematik hat der Straßenverkehr also einen Anteil von 34 Prozent an den Gesamt-Stickoxidemissionen. Volker Angres spricht von 30 Prozent – nur ein grober Rundungsfehler? Immerhin fallen mit den vier Prozentpunkten einige zehntausend Tonnen NOx mal so unter den Tisch.

Eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht sehe man darin nicht, da es sich um die Vergleichbarkeit der Emissionsquellen in Größenordnungen handele, erläutert Thomas Stange von der Programmkommunikation des ZDF gegenüber klimaretter.info. "In der kurzen Interviewsequenz wurde zur besseren Verständlichkeit eine Abrundung auf 30 Prozent benannt."

Hier können Sie den Hintergrund weiterlesen

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Quelle   Der Hintergrund wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (Jörg Staude) 2017 verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden!

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