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31.03.2017

Die Welt neu bewerten

Warum arme Länder arm bleiben und wie wir das ändern können. Deutschland hat 2016 mehr Kredite aufgenommen, als alle Entwicklungsländer und die Weltbank zusammen.

Doch warum kann ein reiches, verschuldetes Land immer wieder Kredite aufnehmen – während diejenigen, die das Geld wirklich brauchen, nahezu leer ausgehen? In seinem neuen Buch »Die Welt neu bewerten. Warum arme Länder arm bleiben und wir wir das ändern können« > beschäftigt sich Alexander Dill unter anderem mit dieser Frage. Mit einem Ausflug in die gängigen Bewertungssysteme und deren Geschichte zeigt er, wie Länderbewertungen zur Begünstigung jener Länder missbraucht werden, aus denen auch die Bewerter stammen. Dills Botschaft: Nur durch eine Aufwertung und Berücksichtigung nicht-materieller sozialer Güter können die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele erreicht werden. 


© oekom.de

Sind Sie Deutscher, Skandinavier, Amerikaner oder Schweizer? Dann können Sie das am 20. März 2017 erscheinende Buch von Alexander Dill ohne Sorge lesen. Ihre Länder sind nämlich im UN-Index ganz weit oben. Sie sind sozusagen Klassenprimus. Weniger erbaulich sieht es für Afghanen, Russen, Syrer, Chinesen und die Bewohner von 140 weiteren Staaten aus. Diese leben, angeblich, in Ländern und Kulturen, denen von den Bewertern »geringer sozialer Fortschritt« bescheinigt wird. Die Bewerter stammen übrigens ausnahmslos aus den Siegerländern – USA, Kanada, Australien, Großbritannien, Deutschland und der Schweiz.

Doch wie und wodurch ist es möglich, dass die finanzstarken Länder in den gängigen Bewertungssystemen bevorzugt werden? Wie kann es sein, dass reiche Länder reich bleiben und immer mehr Schulden aufnehmen können – und den armen Ländern dadurch die Mittel nehmen, Armut, Umweltzerstörung und Krieg zu überwinden? Was läuft falsch im bisherigen Bewertungssystem?

Antworten – und Alternativen – liefert der Soziologe und führende Sozialkapital-Forscher Alexander Dill. Mit der Gründung des Basel Institute of Commons and Economics begann er, sogenanntes Sozialkapital zu messen, weltweit. Denn: Legte man nicht mehr das Bruttosozialprodukt als Indikator an, sondern Normen wie das soziale Klima, Solidarität, Gemeinsinn, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit oder Gastfreundschaft, sähen die Rankings ganz anders aus – und damit auch die Kreditwürdigkeit der Länder. Alexander Dill, der selbst ein UN-Partnerschaftsprojekt leitet, ist seit kurzem Mitglied der Expertengruppe zur Messung der UN-Ziele. 2016 wurde sein World Social Capital Monitor ein Projekt im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele. Mit diesem hat sich bereits Kambodscha als erstes Land in allen Provinzen neu bewertet.

Weitere Informationen:
World Social Capital Monitor
UN- Expertengruppe zur Messung der 17 Ziele

Alexander Dill gründete 2009 das Basel Institute of Commons und Economics zur Messung von Gemeingütern und Sozialkapital. Dill promovierte an der Freien Universität Berlin und wurde unter anderem durch seinen Vorschlag zur Schuldentilgung Deutschlands bekannt. Er setzt sich seit Jahren vehement für die Etablierung von Alternativen zur monetären Bewertung (BIP) von Gemeinschaften ein. Seit 2016 leitet Alexander Dill das UN-SDG Partnerschaftsprojekt »World Social Capital Monitor« (www.trustyourplace.com >). Mit seinem aktuellen Buch knüpft er an »Gemeinsam sind wir reich. Wie Gemeinschaften ohne Geld Werte schaffen« an, das 2012 im oekom verlag erschienen ist, und macht sich damit erneut auf den Weg, nach einem anderen Wohlstandsbegriff zu suchen. Eine ausführliche Vita zum Autor lesen Sie hier

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Quelle   oekom verlag 2017

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