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23.02.2019

Warum wir Nachhaltigkeit neu denken müssen

Vom Lärm des Geldes zur Symphonie des Lebens "Schneller, höher, weiter!" Das ist das Mantra unseres Fortschritts. Wir gehorchen dem Steigerungsprinzip. In "Die Resonanzstrategie. Warum wir Nachhaltigkeit neu denken müssen" (ET 18. März 2019) stellt Fritz Reheis die Frage nach dem "Wohin?" und zeigt, dass ein gutes Leben und Zusammenleben vor allem eines braucht: Resonanz.

Was braucht der Mensch für ein dauerhaft gutes Leben? Resonanz! Wenn wir uns anderen Menschen mitteilen, wollen wir verstanden werden; wenn wir die Natur pfleglich behandeln, hoffen wir, dass sie sich als fruchtbar erweist; und wenn wir eine Entscheidung getroffen haben, soll sie sich stimmig anfühlen.

Was wir als Belohnung wahrnehmen, wird aktuell unter dem Schlagwort Resonanz diskutiert: Es ist das Mitschwingen der sozialen Mitwelt, der natürlichen Umwelt und der personalen Innenwelt, die für ein gutes Leben unverzichtbar ist – und die Nachhaltigkeit erst möglich macht.

Reheis stellt die Frage nach der Zeitdimension im Leben, nach Kreisläufen und Schwingungen, nach Rhythmen und deren Synchronisation – und nach der Resonanz, die sich ereignen kann, wenn alles passt. Er weist nach, dass die Eigendynamik des Geldes ein In-Resonanz-gehen systematisch blockiert – und liefert eine Strategie, um Sachzwänge und Alternativlosigkeiten zu überwinden.

Wenn wir uns mitteilen, erwarten wir Verständnis, wenn wir uns anstrengen Anerkennung, wenn wir lieben Gegenliebe. Immer geht es darum, dass etwas zurückkommt. Das gilt auch für den Umgang mit uns selbst: Wenn wir eine Entscheidung treffen, soll sie sich stimmig anfühlen.

Und für den Umgang mit der Natur: Wenn wir sie pfleglich behandeln, soll sie uns Früchte und Lebensraum bieten. Kurz: Der Mensch ist zutiefst auf Resonanz angewiesen. Sie ist auch der Schlüssel zur Nachhaltigkeit: Soziale Mitwelt, natürliche Umwelt und personale Innenwelt müssen als Resonanzräume erfahrbar sein, damit Leben und Zusammenleben auf Dauer gelingen können.

Die Anziehungskraft des Geldes lässt Resonanzen immer mehr verstummen. Der Homo oeconomicus opfert die Rücksichtnahme auf Umwelt, Mitwelt und Innenwelt dem Steigerungsprinzip. Die seit wenigen Generationen geltende Formel "Zeit ist Geld" führt uns in die Irre.

"Nachhaltigkeit scheitert vor allem deswegen, weil wir die tiefere Bedeutung der ihr impliziten Zeit vergessen haben. Das Resonanzkonzept hilft uns, diese wiederzuentdecken", sagt Fritz Reheis.

In seinem neuen Buch untersucht Reheis, unter welchen Voraussetzungen sich Resonanz ereignen kann. Er weist nach, dass die herrschende Wirtschaftsordnung Resonanzen systematisch blockiert. Und er entwirft eine Strategie, wie wir die zerstörerische Maßlosigkeit der Gelddynamik überwinden und die Eigenzeiten und Rhythmen von Mensch, Gesellschaft und Natur wieder besser respektieren können – eine zugleich konservative und revolutionäre Alternative zur allseits beklagten Herrschaft der "Sach"zwänge.

 

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Quelle   oekom verlag 2019

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