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04.06.2017

Chinas Kohle für die Welt

China ist gar nicht auf einem so sauberen Weg, wie es das Land gern darstellt. Zuhause deutet sich zwar eine vorsichtige Abkehr von der schmutzigen Kohle an. Im Ausland aber investieren chinesische Unternehmen viel Geld in Beteiligungen an Kohlekraftwerken. Aus Peking Feng Hao

Zurzeit unternimmt China einen ehrgeizigen Versuch, sein ökonomisches Wachstum anzukurbeln. Das geschieht im Rahmen der Belt and Road Initiative (BRI) – auch "Neue Seidenstraße" genannt –, einer groß angelegten Infrastruktur-Initiative, die sich in einem breiten Gürtel von der chinesischen Südostküste bis nach Afrika erstreckt. 

Geografisch umfasst die Initiative zwei Teile: eine kontinentale Route im Raum der historischen Seidenstraße und einen Seeweg. Die Initiatve soll im großen Stil Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen mobilisieren, um die Regionen enger zu vernetzen und neue Märkte für chinesische Produkte und Dienstleistungen sowie chinesisches Kapital eröffnen.

Allerdings sorgt die Initiative innerhalb des Landes wie auch international für Besorgnis, weil chinesische Konzerne in den Teilnehmerstaaten große Summen in Kohlekraft investieren. Kritisiert wird, dass China Entwicklungsländer dabei unterstützt, eine Infrastruktur aufzubauen, die diese für Jahrzehnte auf Kohle als Energieträger festlegt – mit gravierenden Folgewirkungen für die Gesundheit der Menschen vor Ort und für das Klima.

250.000 Megawatt neue Kohlekapazität

Das Global Environmental Institute (GEI) hat kürzlich analysiert, in welchem Umfang sich China in den vergangenen Jahren in den 65 Teilnehmerstaaten der Belt and Road Initiative im Kohlesektor engagiert hat. Demnach war China von 2001 bis 2016 an 240 Kohlekraftwerken beteiligt. In der Summe beläuft sich deren Leistung auf 251.000 Megawatt.

Das meiste Geld floss dem Bericht zufolge nach Indien, Indonesien, in die Mongolei, nach Vietnam und in die Türkei. Die Zahlen belegen einen ansteigenden Zubau der Kohlekapazitäten mit chinesischer Unterstützung – auch wenn die Zubauwerte von Jahr zu Jahr stark schwanken.

Anfang der 2000er Jahre waren chinesische Unternehmen im Rahmen der "Going Out Strategy" ganz gezielt ermuntert worden, im Ausland Firmenanteile zu erwerben und auf diese Weise ihre Geschäftsaktivitäten auszuweiten. Das hatte auch eine Zunahme der chinesischen Beteiligungen an Kohleprojekten zur Folge.

2010 allerdings gab es einen scharfen Einschnitt, weil sich die politischen Rahmenbedingungen in einigen Staaten änderten. Vor allem betraf das Indien, das im Rahmen einer protektionistischen Politik Barrieren gegen ausländische Beteiligungen in heimischen Kohleprojekten errichtete. Erst mit dem Start der Belt and Road Initiative im Jahr 2013 nahmen die chinesischen Investitionen wieder zu, gefolgt von einem neuerlichen Einschnitt als Folge der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens im vergangenen Jahr.

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Quelle   Der Hintergrund wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (Aus Peking Feng Hao /  übersetzt: Eva Mahnke) 2017verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden!  | Die Autorin arbeitet in Peking bei chinadialogue.net. Das unabhängige Informationsportal mit Sitz in London berichtet in chinesischer und englischer Sprache über Umweltthemen in China. Der Beitrag ist dort im Mai erschienen. 

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