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08.10.2018

Folgen extremer Wetterereignisse in Entwicklungsländern

Kenntnisse darüber, welche Folgen extreme Wetterereignisse für Menschen in Entwicklungsländern haben, gibt es bisher kaum.

Die extreme Hitze und Trockenheit in Deutschland in diesem Sommer: Sie waren ein sogenanntes extremes Wetterereignis, unter dem viele Menschen körperlich litten und teilweise sogar – man denke an die Dürreschäden in der Landwirtschaft – in ihrer Existenz bedroht wurden. Nicht jeder außergewöhnlich heiße Sommer, nicht jeder Orkan und nicht jede Überschwemmung geht auf den Klimawandel zurück. Starkregen einerseits und Dürren andererseits gab es auch in früheren Jahrzehnten schon. Doch extreme Wetterereignisse und der Klimawandel stehen in direktem Zusammenhang. Klimaprognosen sagen vorher, dass extreme Wettereignisse in Zukunft noch häufiger und mit einer höheren Intensität auftreten.

Wohlhabende Länder wie Deutschland können wetterbedingte Schäden vergleichsweise gut verkraften. Viele Menschen und Haushalte sind versichert, im Fall der Dürreschäden in der Landwirtschaft kamen staatliche Hilfen für besonders betroffene landwirtschaftliche Betriebe hinzu. Ganz anders sieht es in vielen Entwicklungsländern aus: Sie werden aufgrund ihrer geografischen Lage oftmals ohnehin häufiger von extremen Wettereignissen heimgesucht als entwickelte Länder, gleichzeitig fallen die Schäden größer aus. Dies liegt zum einen daran, dass in Entwicklungsländern viele Menschen nah am Existenzminimum leben. Kommt zusätzlich ein Schock hinzu, kann dies dazu führen, dass Menschen ihre Grundbedürfnisse nicht mehr erfüllen können. Zum anderen sind die Infrastruktur und die staatlichen sozialen Sicherungssysteme in den meisten Entwicklungsländern kaum tragfähig. Haushalte sind daher häufig auf sich selbst gestellt, wenn es darum geht, negative Ereignisse beziehungsweise Schocks zu bewältigen.

Kenntnisse darüber, welche Folgen extreme Wetterereignisse für Menschen in Entwicklungsländern haben, gibt es bisher kaum. Dabei wären sie immens wichtig, um sinnvolle Maßnahmen der Politik sowohl vor Ort als auch in der Entwicklungshilfe planen zu können. Die Ursache sind meist fehlende Mikrodaten, also Daten auf Haushalts- beziehungsweise Personenebene, die für gezielte und individuelle Lösungsansätze unverzichtbar sind. Entsprechende Paneldatensätze sind entweder nicht vorhanden, qualitativ zu schlecht für fundierte Analysen oder für wissenschaftliche Zwecke erst gar nicht zugänglich.

An dieser Stelle setzt diese Ausgabe des DIW Wochenberichts an: Sie besteht aus drei Berichten, die auf einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt („Coping with Shocks in Mongolia“) basieren. Im Rahmen des Projekts haben ForscherInnen des DIW Berlin Haushaltspaneldaten in der Mongolei erhoben und die Daten anhand ökonometrischer Methoden ausgewertet. Dabei standen drei Fragen im Vordergrund: Wie wirken sich extreme Wetterereignisse – im Fall der Mongolei extrem kalte und schneereiche Winter – auf das Vermögen von Haushalten aus? Beeinflussen Extremwinter den Erwerb von Schulbildung? Und sind sogenannte indexbasierte Wetterversicherungen ein Instrument, das Haushalte wirksam vor den Folgen extremer Wetterereignisse schützen kann?

Die Mongolei steht dabei exemplarisch für Entwicklungsländer, die aufgrund ihrer geografischen Lage anfällig sind für extreme Wetterereignisse und aufgrund ihrer unterentwickelten Infrastruktur- und Sozialsysteme die Folgen bisher kaum bewältigen können. Die extremen Winter mit Temperaturen, die durchaus unter minus 40 Grad sinken können, machen viele ländliche Gegenden unbewohnbar, vor allem weil die Landwirtschaft als Lebensgrundlage unter diesen Bedingungen nicht mehr auskömmlich ist. Große Teile der mongolischen Landbevölkerung flüchten in die Städte, wo sie aufgrund ihrer mangelnden Qualifikationen für den städtischen Arbeitsmarkt jedoch oftmals dauerhaft in Armut leben.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts zeigen, dass es mit den indexbasierten Wetterversicherungen durchaus ein Instrument gibt, das Haushalte unterstützen kann – eine konkrete und wichtige Erkenntnis für die Entwicklungshilfe reicher Länder. Diese haben aufgrund ihrer seit Jahrzehnten hohen Treibhausgasemissionen eine moralische Verantwortung, ärmeren Ländern bei der Bewältigung des Klimawandels zu helfen.

Doch es reicht nicht aus, dass reiche Länder die Folgen extremer Wetterereignisse andernorts abmildern. Die entwickelten Länder müssen auch vor die eigene Tür schauen und Maßnahmen ergreifen, um den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen im eigenen Land zu vermindern. Dazu gehört neben einer Energiewende, die bei allen Fortschritten in manchen europäischen Ländern wie Deutschland noch lange nicht abgeschlossen ist, genauso eine konsequente Verkehrswende. Weg von Subventionen für umweltschädliche Antriebe wie Benzin- und Dieselmotoren, hin zu mehr Elektromobilität und mehr Verkehr auf der Schiene – um nur ein Handlungsfeld zu nennen. Auch im Gebäudesektor liegt noch viel Potential brach, energetische Sanierungen müssen hier schneller vorangetrieben werden, um den Energiebedarf zu senken. Gefragt ist also eine zweigleisige Strategie der Industrieländer: Aktiver Klimaschutz einerseits, Hilfe für von den Folgen der bisherigen Klimaschäden betroffenen Länder andererseits.

Studie "Extreme Wetterereignisse bedrohen die Lebensgrundlage der Viehhalter in der Mongolei" im DIW Wochenbericht 40/2018 | PDF, 238.76 KB

Studie "Folgen extremer Wetterereignisse hindern viele Kinder in der Mongolei am Schulbesuch" im DIW Wochenbericht 40/2018 | PDF, 252.24 KB

Studie "Indexbasierte Wetterversicherung hilft Haushalten, sich von extremen Wetterereignissen zu erholen" im DIW Wochenbericht 40/2018 | PDF, 177.85 KB

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Quelle   Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. | 2018

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