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27.12.2016

Giftige Abgase zur kalten Jahreszeit

Wenn es kalt wird in Deutschland, sinkt die Luftqualität in unseren Städten. Jetzt hat die DUH herausgefunden, was unsere Luft im Winter so schmutzig macht.

Liegt es nur an ungünstigen Wetterlagen und erhöhten Emissionen aus Heizungen, dass die Luft in vielen Städten in den kalten Monaten besonders stark mit Schadstoffen belastet ist? Seit Frühjahr hat die Deutsche Umwelthilfe eigene Abgasmessungen bei Pkw durchgeführt und herausgefunden: Praktisch alle Hersteller koppeln die Funktion der Abgasreinigung in ihren Diesel-Fahrzeugen an die Außentemperatur. Fiat und Renault machen das, aber auch deutsche Hersteller wie Porsche und Mercedes und die General Motors-Tochter Opel. Sie reduzieren die Abgasnachbehandlung unterhalb bestimmter Temperaturen, die im Herbst, Winter und Frühjahr durchaus üblich sind. Renault beispielsweise unterhalb von plus 17 Grad Celsius, ebenso Opel und Porsche. Fiat schaltet unter plus 19 Grad die Abgasnachbehandlung faktisch aus, Mercedes bei einem Teil der Motoren bei plus 17 Grad, bei anderen unter plus 10 Grad.

Grenzwerte sind klar geregelt

Die Autobauer argumentieren, dies sei nötig, um den Motor vor Verschleiß zu schützen. Die DUH hält es für Betrug. Denn eine leistungsfähige Abgasreinigung ist technisch machbar. „Dass Hersteller wie Mercedes Euro-6 Diesel-Pkw verkaufen, deren Abgasreinigung bei Außentemperaturen unter zehn Grad Celsius faktisch abgeschaltet wird, ist vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge in vielen tausend Fällen“, sagt DUHBundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Die Städte werden gerade im Winterhalbjahr mit dem giftigen Diesel-Abgas Stickstoffdioxid regelrecht geflutet.

Dabei schreiben die Zulassungsvorschriften eindeutig vor, dass die Abgasreinigung auch bei niedrigen Außentemperaturen funktionieren muss. Ende November 2016 hat die DUH bekannt gemacht, dass die Fahrzeuge Fiat 500X und Renault Captur die geltenden Stickoxid-Grenzwerte im Realbetrieb drastisch überschreiten. Der Mercedes B 180 d stößt sogar bei Labormessungen in kalter Umgebung bis zu 1.039 Milligramm pro Kilometer aus; erlaubt sind 80.

Stickstoffdioxid schädigt die Gesundheit

Besonders dramatisch wirkt die schadstoffbelastete Luft im Winterhalbjahr, weil sich die Atemwege bei Kälte verengen. Kommt nun noch eine Entzündung durch Stickstoffdioxid hinzu, sind Asthmaanfälle, akute Atemnot und Schäden am Herz-Kreislauf-System vermehrt die Folge. Stickstoffdioxid hat die fatale Eigenschaft, bis tief in die Lunge einzudringen.

Nach einer im November veröffentlichten neuen Studie der Europäischen Umweltagentur sterben jedes Jahr allein in Deutschland fast 11.000 Menschen vorzeitig an der Stickstoffdioxidbelastung. Und viele hunderttausend Menschen erkranken allein in Deutschland jedes Jahr an Asthma, COPD und akuten Atemproblemen. Aktuell werden an 60 Prozent der verkehrsnahen Messstellen in Deutschland die Luftreinhaltewerte für Stickstoffdioxid überschritten. Die Deutsche Umwelthilfe setzt sich deshalb mit Klagen für saubere Luft in sechzehn deutschen Städten für die Einhaltung der geltenden Gesetze ein und wird ihre Abgasmessungen fortführen.

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Quelle   Deutsche Umwelthilfe 2016

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