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16.12.2017

Gülle-Notstand im Norden

In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern drohen die Gülle-Fässer überzulaufen. Die Überdüngung wegen der boomenden Massentierhaltung ist ein Haupt-Umweltproblem der Intensivlandwirtschaft – neben der stagnierenden Treibhausgas-Reduktion und der negativen Folgen für die Artenvielfalt. Aus Frankfurt am Main Joachim Wille

Die Sache stinkt zum Himmel – buchstäblich. In Schleswig-Holstein herrscht der Gülle-Notstand, weil auf vielen Bauerhöfen die Tanks überzulaufen drohen, in denen die Landwirte die Fäkalien aus der Viehzucht sammeln. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Lage ähnlich dramatisch.

Auslöser der Krise ist das nasse Wetter, denn der regenreiche Herbst hat Äcker und Wiesen vor allem im Norden der Republik in Morast verwandelt. Die Bauern konnten Gülle und Gärreste aus Biogas-Anlagen nicht wie sonst üblich auf den Böden abladen, die Traktoren wären steckengeblieben. Und inzwischen hat die Winter-Sperrfrist begonnen – nach dem Ende der Wachstumsperiode darf der Dünger nicht mehr ausgebracht werden.

Die Überdüngung wegen der boomenden Massentierhaltung ist neben der etwa seit dem Jahr 2000 stagnierenden Treibhausgas-Reduktion und der negativen Folgen für die Artenvielfalt eines der Haupt-Umweltprobleme der Intensivlandwirtschaft.

Güllebehälter könnten überlaufen

Der Kieler Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hat den Bauern nun erlaubt, provisorische Jauchegruben auszuheben, in denen die stinkende Brühe zwischengelagert werden kann – per "Notfallgenehmigung". Sie schreibt vor, dass die Gruben mit Spezialfolie abzudichten sind und später wieder rückgebaut werden müssen. Habeck attestiert den Bauern, in einer "Ausnahmesituation" zu sein. Er befürchtet, dass Oberflächengewässer und Grundwasser geschädigt werden, falls die Güllebehälter überlaufen.

Habecks Kollege im Nachbar-Bundesland Meck-Pomm, Till Backhaus (SPD), rechnet ebenfalls damit, dass die vorhandenen Lager nicht ausreichen. Er befürchtet sogar, dass die Fäkalienentsorgung auf den Äckern nach dem Ende der Sperrfrist Anfang Februar wegen mit Nässe gesättigter Böden noch nicht wieder normal anlaufen kann. Der Minister empfahl Bauern und Biogasanlagen-Betreibern, zusätzliche Behälter aufzustellen, und wies darauf hin, dass das Land den Neubau von Güllelagern fördere.

Nitrat-Grenzwert an jeder dritten Messstelle überschritten 

Der Grüne Habeck geht die Sache freilich grundsätzlicher an.

Hier können Sie den Hintergrund weiterlesen

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Quelle   Der Hintergrund wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (Joachim Wille) 2017 verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden!

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