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12.02.2018

Saubere Schiffe im "Teufelsdilemma"

Schiffsabgase machen krank. Vor allem die Schwefeloxide, die beim Verbrennen der Schiffs-Schweröle entstehen, gelten als stark gesundheitsschädigend.

Forscher aus Finnland und den USA haben nun analysiert, für wie viele vorzeitige Todesfälle und Asthmafälle bei Kindern die globalen Schifffahrts-Emissionen pro Jahr verantwortlich sind. Zugleich errechneten die Wissenschaftler, was passiert, wenn ab 2020 der vor Kurzem beschlossene strengere Grenzwert für den Schwefelgehalt von Schiffskraftstoffen gilt. Die Ergebnisse, die gerade im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurden und dort frei zugänglich sind, haben zwei Seiten.

Kurz gesagt: Für die Gesundheit sehr vieler Menschen werden die strengeren Schwefelgrenzwerte ein Segen sein. Für das Klima werden sie jedoch zu einem Problem. Denn die Abgase der Dieselverbrennung wirken abkühlend. Wenn die Luft sauberer wird, geht ein Großteil dieser kühlenden Wirkung verloren.

Derzeit können Schiffs-Schweröle noch bis zu 3,5 Prozent Schwefel enthalten. Jährlich führt dies weltweit zu 400.000 vorzeitigen Todesfällen durch Lungenkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so die Berechnungen der Wissenschaftler. Dazu kommen rund 14 Millionen Asthmafälle bei Kindern.

Ab 2020 soll sich das ändern. Dann gilt ein strengerer Grenzwert. Der zulässige maximale Schwefelgehalt in Kraftstoffen für die Schifffahrt sinkt dann auf nur noch 0,5 Prozent. Das hat die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO Ende 2016 beschlossen. Dadurch könnte die Zahl der vorzeitigen Todesfälle laut Studie pro Jahr um 150.000 sinken. Rund 7,6 Millionen Kinder-Asthmafälle könnten verhindert werden.

Auf der anderen Seite würde aber auch der kühlende Effekt der Schiffsabgase abnehmen, betonen die Forscher – und zwar um 80 Prozent.

Die Berechnungen gelten zwar nur dann, wenn sich alle Schiffseigentümer an die neue Regelung halten, was nach aktuellem Stand keineswegs sicher ist. Der Präsident des Expertennetzwerks Energy Watch Group, Hans-Josef Fell, weist aber darauf hin, dass auch bei vielen anderen Verbrennungsprozessen Schwefelverbindungen und Ruß entstehen, die das Klima kühlen.

In einem Gastbeitrag für klimaretter.info warnte Fell am Freitag vor einem "Teufelsdilemma", wenn die fossilen Brennstoffe ausgemustert werden, um die Pariser Klimaziele zu erreichen und die Luftverschmutzung zu beenden. Als Konsequenz fordert der Energieexperte die sofortige Umorientierung auf weltweit 100 Prozent erneuerbare Energien. Zusätzlich sollen degradierte Flächen begrünt werden, um das Treibhausgas CO2 zu binden.

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (vk) 2018 verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden!   

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