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31.08.2017

Schweiz muss sich an den Klimawandel anpassen  

In der Schweiz sind die Folgen der Klimaerwärmung bereits spürbar.

Die Gletscher schmelzen, Trocken- und Hitzeperioden werden häufiger, die Stabilität des Permafrosts nimmt ab. «Die Schweiz muss nicht nur ihre Treibhausgasemissionen senken, sondern sich auch an den Klimawandel anpassen, um die Risiken zu reduzieren», erklärte Marc Chardonnens, Direktor des Bundesamts für Umwelt BAFU in Bern.

Die Schweiz ist von der Klimaerwärmung besonders stark betroffen. Seit Beginn der Messungen im Jahr 1864 ist die Durchschnittstemperatur um 2 Grad Celsius angestiegen. Die Erwärmung ist damit mehr als doppelt so stark wie im weltweiten Durchschnitt (0,9 °C). Mit einer weltweiten durchschnittlichen Erwärmung von höchstens 2 Grad Celsius, wie es das Klimaübereinkommen von Paris vorsieht, könnte in der Schweiz bis 2060 die Temperatur zusätzlich um 1 bis 3 Grad Celsius steigen.

Die Folgen sind bereits spürbar: In den Städten entstehen Wärmeinseln, es gibt lokal Wasserknappheit, steile Bergflanken in Alpentälern werden instabiler, wie auch der kürzliche Bergsturz im bündnerischen Bondo zeigt (siehe Faktenblatt). 

Das wichtigste Instrument im weltweiten Kampf gegen die Erwärmung ist die massive Senkung des Ausstosses von Treibhausgasen. Im Rahmen des Klimaübereinkommens von Paris hat sich die Schweiz verpflichtet, ihre Emissionen bis 2030 um 50 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu verringern. «Da die Erwärmung nur begrenzt werden kann, kommt der Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels eine wachsende Bedeutung zu», erklärte Marc Chardonnens, Direktor des BAFU.

Herausforderung für die ganze Gesellschaft
Der Klimawandel muss als Herausforderung für die ganze Gesellschaft begriffen werden. Der Temperaturanstieg und die Veränderung des Niederschlagsregimes wirken sich nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf Wirtschaft und Gesellschaft aus. 

Der Bund koordiniert die Anpassungsmassnahmen und stellt die Grundlagen und das Wissen zur Verfügung, die für die Anpassung an den Klimawandel benötigt werden. Diese stammen beispielsweise aus dem Forschungsprogramm zu den Auswirkungen der Erwärmung auf den Wald oder aus der Analyse der Konsequenzen des Klimawandels für den Wasserhaushalt (CCHydro). 

«Da sich die Auswirkungen von Region zu Region unterscheiden, spielen die Kantone, die Regionen und die Gemeinden eine wichtige Rolle», sagt Marc Chardonnens. Das BAFU hat deshalb eine Risikoanalyse mit Fallstudien in acht Kantonen durchgeführt, um die regionalen Auswirkungen der Klimaänderungen zu umreissen. Die Ergebnisse werden Ende 2017 vorgestellt. 

Unter der Federführung des BAFU hat der Bund zudem im Jahr 2013 ein Pilotprogramm lanciert, das anhand konkreter Projekte aufzeigt, wie sich die Schweiz an den Klimawandel anpassen kann.

Heute handeln, um Risiken und Kosten zu senken
Diese Arbeiten haben eine Dynamik ausgelöst und die Behörden für die Notwendigkeit des Handelns sensibilisiert. Zahlreiche Kantone, Regionen und Gemeinden haben eigene Strategien ausgearbeitet und Anpassungsmassnahmen entwickelt. 

Diese Anstrengungen müssen verstärkt werden. Die Folgen des Klimawandels müssen in allen Bereichen - Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft - berücksichtigt werden. Es ist tatsächlich besser, sich bereits heute vorzubereiten, anstatt nachträglich die Schäden zu beheben, die durch den Klimawandel verursacht werden. Umso mehr, als der Anpassungsbedarf und die Kosten mit dem erwarteten Temperaturanstieg zunehmen werden. Dafür müssen sich alle engagieren - Kantone, Regionen, Städte, Gemeinden, Unternehmen und die Bevölkerung. «Die Folgen des Klimawandels betreffen uns alle. Nur gemeinsam können wir diese neuen Herausforderungen meistern», betonte Marc Chardonnens.

Wie sich die Schweiz an den Klimawandel anpasst
Das Pilotprogramm «Anpassung an den Klimawandel» wird vom BAFU koordiniert. Beteiligt sind die Bundesämter für Bevölkerungsschutz (BABS), Gesundheit (BAG), Landwirtschaft (BLW), Raumentwicklung (ARE) sowie für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV).

Die 31 Projekte decken die Themenbereiche Wasserknappheit, Naturgefahren, Ökosysteme, Landnutzung, Stadtentwicklung, Wissenstransfer sowie Koordination und Zusammenarbeit ab. Kantonale Fachstellen, Regionen, Gemeinden, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen haben sich daran beteiligt. Am 28. August 2017 hat das BAFU vier dieser Projekte vorgestellt.

Die Berner Fachhochschule – Departement für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL – zusammen mit der Stadt Bern die klimatischen Ansprüche verschiedener Baumarten im Stadtgebiet identifiziert und Empfehlungen für die Entwicklung von Grünflächen im städtischen Raum erarbeitet.

Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) hat aufgezeigt, dass die Folgen sommerlicher Hitzeperioden für sensible Bevölkerungsgruppen abgeschwächt werden können. Das Tessin und verschiedene Westschweizer Kantone haben nach dem Sommer 2003 kantonale Aktionspläne für Hitzewellen entwickelt. In Städten mit solchen kantonalen Aktionsplänen hat die hitzebedingte Sterblichkeit seither abgenommen. In Städten ohne solche Massnahmen wurde keine Abnahme beobachtet.

Der Kanton Basel-Landschaft befasste sich mit der haushälterischen Nutzung von Oberflächengewässern bei Niedrigwasser, bei steigenden Wassertemperaturen und bei hohem Wasserbedarf. Er hat 20 Empfehlungen ausgearbeitet, die namentlich das Versickern von Niederschlagswasser und die Revitalisierung von Fliessgewässern beinhalten.

Die Haute école du paysage, de l'ingénierie et de l'architecture de Genève (hepia) hat ein System entwickelt, mit welchem in der Stadt und in landwirtschaftlichen Kulturen das Auftreten von bislang unbekannten Schadorganismen, im Speziellen der Grünen Reiswanze, nachgewiesen werden kann. Es wurden Empfehlungen formuliert, wie insbesondere durch die Wahl von Kulturen die Ausbreitung von Schädlingen eingedämmt werden kann.

Die aktuellste Ausgabe des Magazins  «Umwelt» des BAFU, die heute, am 28. August 2017 erschienen ist, stellt weitere Projekte des Pilotprogramms vor. So haben beispielsweise die Gemeinden Guttannen und Innertkirchen, die von Murgängen im Grimselgebiet besonders betroffen sind, eine Strategie zur Anpassung an den Klimawandel erarbeitet. Die Stadt Sitten hat Massnahmen zur Bekämpfung von Wärmeinseln in der Stadt entwickelt.

Faktenblatt: Klimawandel und Bergsturz 

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Quelle   Bundeskanzlei, Bundeshaus, 3003 Bern | 2017

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