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05.12.2017

Spanien trocknet aus

In ganz Spanien bleiben die Niederschläge aus. Davon ist besonders die Landwirtschaft im Süden des Landes bedroht. Politiker und Experten rufen deswegen die Bauern zu einem Umdenken und Abkehr von der wasserintensiven Bewirtschaftung der Felder auf.

Die Urlauber freut es. Selbst im Herbst zeigte sich Südspanien noch im besten Reisewetter. Bei Temperaturen von bis zu 30 Grad ließen es sich die Besucher an den Stränden des spanischen Mittelmeers bis in den November hinein gut gehen. Kein Regen störte das ausgiebige Sonnenbad. Doch der ausbleibende Niederschlag könnte Spanien in eine tiefe Wasserkrise stürzen. Bereits jetzt sind viele Flüsse und Lebensadern Spaniens zu kleinen Rinnsalen verkommen. Vor allem die so wichtige spanische Landwirtschaft ist bedroht.

Auf der knochentrockenen Landschaft verdorren vor allem die wasserintensiven Obstplantagen. Orangen, Zitronen und Mandarinen in der Region Valencia, Erdbeeren in Andalusien, Früchte, dessen Abnehmer unter anderem deutsche Supermärkte sind. Und während die Bauern über anstehende Ernteausfälle klagen, machen Umweltschützer sie mitverantwortlich für die extreme Dürre. Die Anzahl künstlich bewässerter Felder wächst immer weiter, während die Niederschläge weniger werden, zeigt ein Sprecher der Umweltschutzorganisation Ecologistas en Acción auf.

Ganz Spanien betroffen

Schon früher hatte Spanien immer wieder mit Wasserknappheit zu kämpfen, weswegen die Franco-Diktatur riesige Talsperren errichtete, um die Versorgung des Landes mit Süßwasser sicherzustellen. Dafür wurden ganze Dörfer überflutet. Die Dürre bringt diese verschollenen Orte nun wieder zum Vorschein. In der nordwestlichen Region Kastilien und León ragt seit einiger Zeit der Kirchturm des ehemaligen Dorfes La Muedra aus einem fast ausgetrockneten Stausee. Denn auch die nördlichen Regionen des Landes leiden unter Wasserknappheit. Das sonst so grüne und regenreiche Galicien hatte Ende Oktober mit schlimmen Waldbränden zu kämpfen, da die ausgetrocknete Landschaft keinen Schutz mehr vor den Flammen bot.

Immer wieder gab es Pläne, riesige Wasserpipelines vom ursprünglich wasserreichen Norden in den Süden zu legen, um die dortige Landwirtschaft und den Tourismus zu unterstützen. Die Pläne scheiterten jedoch an regionalen Zwistigkeiten. Die Obstbauern der Region Valencia fordern nun den Bau weiterer Meerwasser-Entsalzungsanlagen. Dabei stehen in Spanien bereits die meisten Anlagen Europas und deren ökologischer Wert ist umstritten. Die Anlagen sind sehr energieintensiv und laufen bislang unter anderem mithilfe fossiler Brennträger.

Ein Umdenken ist nötig

Zwar investiert Spanien massiv in den Ausbau Erneuerbarer Energien, vor allem der Windkraft, doch die aktuelle Wasserkrise erfordert tiefgreifende Veränderungen in der Landwirtschaft. Eine Abkehr vom wasserintensiven Anbau scheint nötig. Spaniens Umweltministerin Isabel García Tejerina mahnte bereits, bei möglichen Einschränkungen im Wasserverbrauch den Bauern als erstes den Wasserhahn abzudrehen. Und in Andalusien werden bereits die ersten Dörfer mit Wasser aus Tankwagen versorgt.

Vor allem deutsche Konsumenten müssen sich bei geringeren Ernteerträgen aus Spanien auf erhöhte Preise für Orangen und Mandarinen einstellen und könnten sich auf regionale Produkte zurückbesinnen. Auch bei Touristen, die sich bislang der vielen Golfplätze im Süden Spaniens erfreuen, müsste in Zukunft ein Umdenken stattfinden. So wird die Bewirtschaftung der wasserintensiven Golfparcours immer schwieriger. Ein nachhaltiger Lebensstil sollte auch im Urlaub möglich sein.

(Foto: © Pere Papasseit / flickr.com, CC BY-ND 2.0)

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Quelle   energiezukunft.eu | mf 2017 | energiezukunft Heft 23/2017Die aktuelle Ausgabe befasst sich insbesondere mit dem Thema Energiewende gestalten.

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