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09.01.2019

Stickoxide: Betroffen sind vor allem die Ärmsten

Die besonders stark befahrenen und belasteten innerstädtischen Straßen werden von den ärmeren Bevölkerungsschichten bewohnt. Rechte Parlamentarier finden es nicht repräsentativ, dort die Luftschadstoffe zu messen.

Die nun in den meisten Landesparlamenten vertretene extreme Rechte präsentiert sich ja gern als Sprachrohr des kleinen Mannes. Ein Blick auf die Anträge der AfD vermittelt allerdings ein ganz anderes Bild.

So haben die Rechten im schleswig-holsteinischen Landtag Mitte Dezember beantragt, die Kieler Station für die Messung von Luftschadstoffen zu verlegen. Es ging um die Debatte über Dieselfahrverbote und andere Maßnahmen gegen die zum Teil extrem hohe Stickoxid-Belastung der Atemluft an Hauptverkehrsstraßen.

Kiel gehört zu den Städten, in denen 2019 Maßnahmen gegen die hauptsächlich von Diesel-PKW und -LKW verursachten Emissionen greifen müssen, aber die AfD war offensichtlich der Meinung, man solle einfach woanders messen.

Die in den überregionalen Medien oft erwähnte Station liegt am Kieler Theodor-Heus-Ring, einer extrem stark befahrenen Stadtautobahn. Dort steht auf der einen Straßenseite eine lückenlose Bebauung mit Mehrfamilienhäusern nur wenige Meter vom Fahrbahnrand entfernt. Bewohnt werden die Häuser von Menschen, die sich kaum etwas anderes leisten können.

Angesichts der dort sehr hohen Verkehrsdichte, sind die Werte nicht weiter verwunderlich. (2017 wurden im Jahresmittel 56 Mikrogramm Stickoxide je Kubikmeter Luft festgestellt. Der Grenzwert beträgt 40 Mikrogramm.)

Natürlich würden die Werte geringer ausfallen, wenn die Station in eine Nebenstraße versetzt oder auch statt am Boden zehn Meter über dem Grund stehen würde. Aber es geht ja schließlich um die Belastung, der die Anwohner rund um die Uhr ausgesetzt sind, und für die Kinder und Asthmatiker unter diesen sind selbst die 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt noch gesundheitsschädlich.

Welche Unterschiede der Standort machen kann, zeigt sich ganz gut im Vergleich mit den zwei anderen Kieler Messstationen. Die aktuellen Messwerte aller drei Stationen sind – als Rohdaten – hier einsehbar.

Neben der erwähnten Station am Theodor-Heuss-Ring zeigt auch die Station in der Bahnhofstraße auffallend hohe Werte. Bei dieser handelt es sich um eine enge aber viel befahrene Straßenschlucht, die eine Ausfallroute aus der Innenstadt darstellt. Auch hier befinden sich viele Mehrfamilienhäuser direkt an der Straße, in denen Familien mit niedrigem Einkommen unter sehr belastenden Umweltbedingungen leben.

Die dritte Station liegt in einer ruhigen Wohnstraße mit vielen Gärten und sehr lockerer Bebauung. Allerdings verläuft in einiger Entfernung eine vielbefahrene mehrspurige Straße. Das dürfte die Erklärung dafür sein, dass auch hier die Werte zwar einerseits erheblich niedriger als an den direkt an Hauptverkehrsadern stehenden Stationen aber andererseits zumindest gelegentlich noch immer hoch im Vergleich zum ländlichen Hintergrund sind.

(Bild:  Trinsath / gemeinfrei)

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „TELEPOLIS“ (Wolfgang Pomrehn) 2019 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von Wolfgang Pomrehn 2019 weiterverbreitet werden! 

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