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27.02.2018

Vögel fressen sich Energie an und tanken Sonne gegen die Kälte

Nach einer eiskalten Nacht haben Gartenvögel morgens vor allem eines – Hunger. Da geht es ihnen genau wie uns. Bei Kälte verbrennt der Körper mehr Energie. So verlieren die Vögel bis zu zehn Prozent ihres eigenen Körpergewichts.

Eisige Luft strömt zurzeit nach Deutschland. Die Folge sind Minusgrade selbst am Tag und frostige Nächte bis in den März, auch im Südwesten. „Für unsere heimischen Vögel heißt das: zusammenrücken und einkuscheln“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Stefan Bosch. Der Körper der Vögel ist zwar dank wärmender Daunen und dem dazwischen entstehenden Luftpolster sowie wetterfesten Deckfedern hervorragend gegen Kälte isoliert. Doch auch sie greifen jetzt zu cleveren Überwinterungstricks. „Manche Vogelarten wie Gartenbaumläufer, Wintergoldhähnchen, Zaunkönig oder Schwanzmeise bilden bei Kälte Schlafgemeinschaften. Durch die Kälte brauchen die Vögel zwar deutlich mehr Energie. Doch so lange sie genügend Nahrung finden, ist die Kälte nicht weiter tragisch“, sagt der Ornithologe.

„In manchen Gegenden nimmt allerdings das Futterangebot für unsere heimischen Vögel seit Jahren ab. Hier müssen wir dringend gegensteuern und wieder mehr Früchte tragende, einheimische Gehölze und samenreiche Pflanzen setzen“, warnt Bosch. Ist zu wenig Futter da, bleibt auch der Bruterfolg aus. „Der Rückgang der Vogelzahlen bestätigt das leider.“

Derzeit kehren auch die ersten Starenschwärme bereits wieder nach Baden-Württemberg zurück. „Stare gehören zu den frühen Rückkehrern. Sie überwintern in Südeuropa und fliegen, angetrieben durch die länger werdenden Tage, in ihre Brutreviere zurück“, sagt Bosch. Besonders in der Rheinebene, am Neckar und in Oberschwaben kann man bereits Starenschwärme bei der Suche nach Nahrung und einem Brutrevier beobachten. „Den ‚Vogel des Jahres‘ hat es jetzt eiskalt erwischt. Doch auf Streuobstwiesen und in manchen Weinbergen finden die Tiere ausreichend Nahrung, sofern wir nicht alles abräumen. Über den Winter liegen gebliebenes Fallobst und abgetrocknete Samenstängel, die zwischen Weinreben wachsen, kommen beim Star gut an. Für unsere Vogelwelt wäre es sehr viel besser, nicht alles radikal kurzzuschneiden – im Weinberg und in den Gärten“, erklärt Bosch.

Nach einer eiskalten Nacht haben Gartenvögel morgens vor allem eines – Hunger. „Da geht es ihnen genau wie uns“, so Bosch. Bei Kälte verbrennt der Körper mehr Energie. So verlieren die Vögel bis zu zehn Prozent ihres eigenen Körpergewichts. Besonders für das kleine Wintergoldhähnchen sind strenge Frostnächte eine echte Herausforderung. Der winzige, fünf bis sieben Gramm leichte Waldbewohner sucht an Nadelbäumen nach Nahrung und verspeist täglich Kleintiere von der Menge seines Eigengewichts. „Um sich aufzuwärmen, können Vögel mit dunklen Gefiederpartien aber auch Sonne tanken.“ Zum Schlafen suchen sich die Vögel meist ein geschütztes Plätzchen, wo sie sich aufplustern. Meisen übernachten auch gerne in einem Nistkasten. „Wer noch keinen Nistkasten im Garten hat, kann dies jetzt nachholen“, rät der NABU-Vogelexperte.

Auch Wasservögel wie Schwäne und Enten haben ihre Tricks, um den kalten Winter gut zu überstehen. Dass die Vögel barfuß auf dem Eis laufen, macht ihnen wenig aus, weil ihre Beine und Füße mit einem raffinierten Wärmetauscher ausgestattet sind. Die feinen Blutgefäße liegen sehr dicht beieinander, so dass das warme Blut vom Körper und das kalte Blut von den Füßen sich gegenseitig erwärmt beziehungsweise abkühlt. „Dass Enten oder Schwäne in einem Wasserloch an den Federspitzen einfrieren und Hilfe brauchen, passiert selbst bei extremem Frost sehr selten“, sagt der NABU-Experte.

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Quelle   NABU Baden-Württemberg 2018

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