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11.08.2018

Welchen Anteil hat der Klimawandel an der aktuellen Hitzewelle?  

Daten zeigen in der glatten Klimakurve eine stetige Klimaerwärmung seit ca. 1980 um gut 2 °C.

Haben Sie inzwischen auch die Nase voll von der Hitze? Ich bin ja ein wärmeliebender Mensch und genieße heiße Sommer, aber inzwischen sehne ich mich nach etwas Abkühlung. Das warme Wetter hält nun schon viel zu lange nahezu ohne Unterbrechung an – und genau das ist auch das Ungewöhnlichste daran. Seit April ist es zu warm. Schon seit Mitte April war ich regelmäßig im See schwimmen. Etwas Vergleichbares habe ich noch nie erlebt, obwohl ich schon seit meiner Schulzeit jedes Jahr möglichst früh damit anfange – damals haben wir immer einen kleinen Wettbewerb in der Klasse daraus gemacht, wer schon am 1. Mai im See war. (OK, es gibt auch Eisbader, habe ich auch ab und zu gemacht, aber das ist etwas anderes als Schwimmen gehen.)

Doch werfen wir einen Blick auf die objektiven Daten. Der April war in Deutschland der wärmste April seit Beginn der Messungen, und der Mai war der wärmste Mai. Juni und Juli setzten zwar keine neuen Rekorde (die sind von 2003 und 2006), gehörten aber auch zu den wärmsten. Wie außergewöhnlich die gegenwärtige Hitzeperiode ist, sieht man am besten, wenn man den Zeitraum April bis Juli zusammen betrachtet

Potsdam ist hier natürlich kein Sonderfall; der Deutsche Wetterdienst hat eine sehr ähnliche Grafik für ganz Deutschland veröffentlicht.

Die Daten zeigen in der glatten Klimakurve eine stetige Klimaerwärmung seit ca. 1980 um gut 2 °C. Die läuft parallel zur globalen Erwärmung, nur doppelt so rasch. Das ist typisch für Kontinentalgebiete. Schließlich setzt sich der globale Mittelwert der Temperatur zu mehr als zwei Dritteln aus Ozeanflächen zusammen, die sich wegen der Wärmespeicherung und Verdunstung langsamer und weniger erwärmen als Landgebiete.

Die Daten zeigen weiter, dass 2018 um 4,3 °C über dem Mittelwert der ersten 30 Jahre liegt und damit nochmals knapp 2 °C über der Klimakurve. Das ist mit Abstand der größte Ausreißer nach oben (oder unten) relativ zur Klimakurve. Was ist da los? „Wir erleben diesen Sommer an vielen verschiedenen Orten der Welt zeitgleich ein gehäuftes Auftreten von Hitzewellen und extremen Starkniederschlägen. Genau eine solche Häufung von meteorologischen Extremereignissen wurde von uns als Folge des anthropogenen Klimawandels prognostiziert.“ Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes.

Hitzeextreme werden immer häufiger
Dass mit einer Klimaerwärmung auch die Hitzeextreme zunehmen, ist ein „no-brainer“, wie man im Englischen so schön sagt. Um das zu verstehen, muss man also nicht besonders schlau sein. Wie stark nehmen sie zu? Vor einigen Jahren haben wir gezeigt, dass Hitzerekorde in den Monatswerten inzwischen weltweit rund fünfmal häufiger auftreten als in einem stabilen Klima. Bis 2030 wird dieser Faktor im Mittel von fünf auf zehn gestiegen sein – und die neuen Rekorde noch wärmer sein als die alten. Auch der Anteil der Landfläche der Erde, der in einem gegebenen Monat um 2 oder gar 3 Standardabweichungen über dem Mittelwert liegt, nimmt seit Jahrzehnten massiv zu (Coumou und Robinson 2013, siehe unseren Artikel Extrem heiß!). Um festzustellen, ob Hitzeextreme zunehmen, muss man also nicht erst die nächsten Jahre abwarten, wie man von den üblichen Abwieglern mal wieder lesen konnte – diese Frage ist längst untersucht, wissenschaftlich geklärt und unumstritten.

Kleine Nebenbemerkung: auch Extremniederschläge werden weltweit häufiger. Das habe ich hier ausführlicher besprochen.

Lesen Sie den hier den vollständigen Beitrag von Stefan Rahmstorf

 

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