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31.03.2018

Weltbiodiversitätsrat verabschiedet ersten Zustandsbericht für Europa & Zentralasien

Die Biodiversität in Europa und Zentralasien hat einen enorm hohen Wert für die Region, aber schwindet Jahr für Jahr. Immer mehr Menschen werden längerfristig in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.

Dies besagt der erste vom Weltbiodiversitätsrat IPBES erarbeitete Zustandsbericht für Europa und Zentralasien. Die Experten zeigen diverse Handlungsmöglichkeiten auf und empfehlen, die Biodiversität und die Leistungen der Natur für den Menschen künftig viel stärker zu berücksichtigen.

"Die biologische Vielfalt ist absolut wichtig für eine robuste Natur und Gesellschaft – doch sie schwindet. Ihr Rückgang bedroht auch unsere Lebensqualität und wirtschaftliche Leistung. Wer sich für die Erhaltung der Biodiversität engagiert, setzt sich also auch für den Menschen und die Ökonomie ein. Diese Zusammenhänge zeigt der neue Bericht zu Europa und Zentralasien detailliert mit Zahlen und Fakten", sagt Markus Fischer von der Universität Bern und Präsident des Forum Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz, der als Co-Chair die Erarbeitung des Berichtes leitete.

Der Wert naturbelassener Habitate und intakter Ökosysteme für die Biodiversität, Wasserregulierung oder Erholung für Einheimische und Touristen kann dabei sogar den Wert anderweitiger Landnutzungen wie jener der Landwirtschaft übersteigen. Diese intakte Natur ist allerdings stark gefährdet, alle Trends zeigen nach unten, sowohl für die biologische Vielfalt als auch für die Leistungen, die Ökosysteme erbringen. Flüsse, Seen und Tümpel gehören zu den am meisten bedrohten Lebensräumen. Arten, die in Süssgewässern leben, stehen unter enormem Druck. Gerade mal 16 Prozent der landbewohnenden Arten waren im Zeitraum 2007 bis 2012 in der Schutzkategorie "nicht gefährdet". Seit 1980 nahm die Häufigkeit verbreiteter Vogelarten in west- und zentraleuropäischen Landwirtschaftsräumen um 57 Prozent ab. Die meisten Länder in Europa und Zentralasien (bis auf die wenig dicht besiedelten skandinavischen Länder und Russland) konsumieren deutlich mehr natürliche Ressourcen als in der Region selbst produziert werden. Ein Großteil der Rohstoffe, der fossilen Brennstoffe, Nahrungsmittel und auch Erholung wird aus anderen Ländern bezogen.

Bisherige Erfolge beim Schutz der Biodiversität und Ökosystemleistungen zeigen, dass v.a. ein sorgfältig ausgewählter Mix verschiedener Politikinstrumente Verbesserungen bringt. Die Strategie Biodiversität Schweiz berücksichtigt dies, der bislang vorliegende Aktionsplan aber erst teilweise. Der IPBES-Bericht zeigt deutlich, dass in Abstimmung mit der bisherigen Biodiversitätspolitik auch in anderen Politikbereichen (z.B. Landwirtschaft, Raumplanung, Verkehr und wirtschaftliche Entwicklung) Massnahmen notwendig sind. Um diese gesamthafte Betrachtungsweise zu fördern, sollten die unterschiedlichen Werte der Natur und ihre Beiträge für das menschliche Wohlergehen in die Berechnung des Bruttoinlandprodukts integriert werden. Vielversprechend wäre auch eine stärkere Kennzeichnung umweltfreundlich produzierter Waren durch Zertifizierung.

Natur schützen

"Die biologische Vielfalt und die Beiträge der Natur für die Menschen klingen, für viele Menschen, akademisch und weit entfernt von unserem täglichen Leben", sagte der Vorsitzende von IPBES, Sir Robert Watson. "Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein - sie sind das Fundament unserer Nahrung, unseres sauberen Wassers und unserer Energie. Sie stehen nicht nur im Mittelpunkt unseres Überlebens, sondern auch unserer Kulturen, Identitäten und Lebensfreude. Die besten verfügbaren Beweise, die von den weltweit führenden Experten gesammelt wurden, zeigen uns jetzt eine einzige Schlussfolgerung: Wir müssen handeln, um die nicht nachhaltige Nutzung der Natur zu stoppen und umzukehren - oder nicht nur die Zukunft zu riskieren, die wir wollen, sondern auch das Leben, das wir derzeit führen", meint Watson. "Glücklicherweise zeigen die Beweise auch, dass wir wissen, wie wir unsere lebenswichtigen Naturschätze schützen und teilweise wiederherstellen können." 

Zustand und Trends zur Biodiversität und Natur in Europa und Zentralasien

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Quelle   NATURWISSENSCHAFTEN SCHWEIZ 2018

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