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21.04.2018

Zu gut für den Abfalleimer

In Deutschland gehen pro Jahr mehr als 18 Mio. Tonnen Nahrungsmittel verloren. Eine Verschwendung mit enormen ökologischen Folgekosten. Bundesländervergleich zur Lebensmittelverschwendung.

Die Naturschutzorganisation WWF hat daher die Aktivitäten der Bundesländer gegen die Lebensmittelverschwendung verglichen. Laut der WWF-Analyse gibt es unter den 16 Bundesländern 5 Pioniere, die bereits seit längerem und in umfassender Weise das Thema angehen. Diese sind Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Zum Mittelfeld gehören Berlin, Brandenburg, Hessen, Saarland und Schleswig-Holstein. Ferner gibt es einige Nachzügler, die sich erst seit Kurzem auf den Weg gemacht haben oder bislang kaum aktiv geworden sind. Das sind Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Doch auch in den Pionier-Ländern gelingt es nicht, das mangelnde und unkonkrete Handeln der Bundespolitik im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung zu kompensieren. "Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung zu halbieren. Bisher ist es bei dieser vollmundigen Ankündigung geblieben. Wir brauchen ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen, um den Ländern einen Handlungsrahmen zu geben. Ohne dieses wird weiter gutes Essen kiloweise in der Tonne landen ", kritisiert Jörg-Andreas Krüger, Direktor Ökologischer Fußabdruck beim WWF Deutschland. Krüger sieht die neue Bundesregierung in der Pflicht. Noch in der ersten Hälfte der Legislaturperiode müsse eine Strategie zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten entwickelt werden.

Laut WWF ist es zudem ein Problem, dass sowohl die Bundesländer als auch der Bund vor allem die Verbraucher in die Pflicht nehmen und mit Aufklärungskampagnen adressieren. Industrie, Handel und Landwirtschaft müssen viel stärker in den Fokus rücken. "Über 60 Prozent der Verluste entstehen entlang der Wertschöpfungskette - vom Produzenten bis hin zum Großverbraucher. Hier braucht es ein stärkeres Engagement als bisher", so die Studienkoordinatorin Tanja Dräger de Teran vom WWF. Sie kritisiert zudem eine mangelhafte Überprüfung und Kontrolle der Wirksamkeit. "Es gibt auf Bundesländerebene inzwischen zahlreiche Aktivitäten. Allerdings ist nicht nachvollziehbar, wie effektiv diese Maßnahmen überhaupt sind und ob die Menschen und Unternehmen überhaupt damit erreicht werden. Es braucht endlich verbindliche und messbare Ziele." Hier sieht die WWF-Expertin auch bei den Pionieren noch erheblichen Nachholbedarf.

Hintergrund: In Deutschland gehen pro Jahr mehr als 18 Mio. Tonnen Nahrungsmittel verloren. Über die Hälfte wäre vermeidbar. Laut WWF-Berechnungen werden so jährlich 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet, nur um die darauf angebauten Produkte wieder wegzuwerfen. Hinzu kommen unnötig freigesetzte Treibhausgasemissionen in Höhe von 48 Mio. Tonnen. Über 60 Prozent der Verluste entstehen entlang der Wertschöpfungskette - vom Produzenten bis hin zum Großverbraucher (u. a. Gastronomie, Betriebsküchen etc.).

Der WWF-Bericht, erstellt durch das Institut für nachhaltige Ernährung der Fachhochschule Münster, erfasst und analysiert die Aktivitäten der Bundesländer zu dem Thema "Vermeidung von Lebensmittelverlusten" und stellt sie entlang verschiedener Handlungsfelder vergleichend dar.

Lebensmittelverschwendung Deutschland gesamt: 18 Mio. Tonnen

  • Nordrhein-Westfalen: 4 Mio. Tonnen
  • Bayern: 2,9 Mio. Tonnen
  • Baden-Württemberg: 2,5 Mio. Tonnen
  • Niedersachsen: 1,8 Mio. Tonnen
  • Hessen: 1,4 Mio. Tonnen
  • Sachsen: 914.000 Tonnen
  • Rheinland-Pfalz: 911.000 Tonnen
  • Berlin: 801.000 Tonnen
  • Schleswig-Holstein: 646.000 Tonnen
  • Brandenburg: 559.000 Tonnen
  • Sachsen-Anhalt: 501.000 Tonnen
  • Thüringen: 483.000 Tonnen
  • Hamburg: 405.000 Tonnen
  • Mecklenburg-Vorpommern: 361.000 Tonnen
  • Saarland: 223.000 Tonnen
  • Bremen: 152.000 Tonnen

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Forderungen des WWF an die Bundespolitik:

  • Die Bundesregierung initiiert 2018 einen nationalen Strategieentwicklungsprozess mit dem Ziel, bis 2020 eine nationale Strategie mit verbindlichen Zielen und Maßnahmen für die Branchen entlang der Wertschöpfungskette zu entwickeln - inklusive eines abgestimmten Vorgehens zur Erfassung, Monitoring und Berichterstattung. In den Strategieentwicklungsprozess sollten relevante Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eingebunden und die verschiedenen Perspektiven auf das Thema berücksichtigt werden.
  • Die Bundesregierung initiiert 2019 einen gesamtgesellschaftlichen Dialog. Die Vermeidung von Lebensmittelverlusten sollte als Teil des gesamten Ernährungssystems unter den derzeitigen Rahmenbedingungen beleuchtet werden mit dem Ziel, Wege zu einem zukünftig nachhaltigen und gesunden Ernährungssystem in Deutschland zu beleuchten. Dazu gehört beispielsweise auch die Perspektive der Krankenkassen, Versicherungen sowie der Bildung.
  • Die Bundesregierung etabliert eine personell und finanziell gut ausgestattete unabhängige Koordinierungsstelle, die die Strategieprozesse leitet, die Aktivitäten auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene sowie der Ebene der Bundesländer koordiniert sowie für die regelmäßige Berichterstattung zur Zielerreichung verantwortlich ist.

 

 

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Quelle   WWF Deutschland 2018

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