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24.08.2017

Zu hohe Sulfatbelastung als Folge der Braunkohle

Kohlekraft hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Luftqualität und das Klima, sondern der Kohleabbau belastet auch die Gewässer mit Sulfaten. Die Brandenburger Grünen kritisieren erneut die Verharmlosung des Problems durch die Landesregierung.

Die Gewässer Berlins und Brandenburgs weisen weiterhin erhöhte Sulfatwerte auf – entlang der Spree sei das mittlerweile zum Dauerzustand geworden, ohne dass eine nennenswerte Verbesserung der Lage stattgefunden habe, kritisiert die bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky und warnt die Brandenburger Landesregierung davor, die Sulfatproblematik auf die leichte Schulter zu nehmen. Berlin gewinnt zu einem großen Teil das Trinkwasser aus der Spree.

„Nur weil öffentlich über die Folgen des Braunkohleabbaus diskutiert wurde und Probleme zutage getreten sind, ist die Debatte noch lange nicht dramatisiert worden, so Schinowsky. Der Abteilungsleiter für Wasser und Boden im Brandenburger Umweltministerium Kurt Augustin hatte zuvor laut Medienberichten die Debatte um sauberes Wasser und der Sulfatbelastung als „dramatisiert“ bezeichnet. Sulfat solle wesentlich unbedenklicher sein, als noch vor Jahren angenommen wurde. Doch gleichzeitig warnt das Brandenburger Umweltministerium auf seiner Webseite: „Sowohl Erwachsene als auch Säuglinge bekommen bei zu hohen Sulfatgehalten des Wassers osmotische Durchfälle, Erwachsene bei weit über 1200 mg/l, Säuglinge bereits bei über 500 mg/l.“

Sulfat wirkt laxierend, abführend. Der Gesetzgeber hat daher 250 Milligramm als Grenzwert festgeschrieben. Das Sulfat entsteht durch die Tagebaue wie den Kohleabbau in der Lausitz. Um Braunkohle zu gewinnen, muss der Grundwasserspiegel abgesenkt werden. In den Bodenschichten sind Verbindungen aus Eisen und Schwefel enthalten, die bei der Absenkung des Wasserspiegels mit der Luft reagieren – es entsteht Sulfat. Das landet dann wieder in den Flüssen und Gewässern.

Offenlegung der Fakten gefordert

Die Grünen fordern die Landesregierung daher auf, alle Fakten auf den Tisch zu legen und an Lösungen zu arbeiten anstatt weiter zu „mauern“. Bereits im Frühjahr 2016 wurde von der Landesregierung – unter Federführung des Brandenburger Landesbergamtes – die Erarbeitung eines Sulfatprognosemodells in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse aber unter Verschluss gehalten werden, bemängelt Schinowsky: „Es ist ein Unding, dass die Öffentlichkeit bis heute über die Untersuchungsergebnisse der Sulfatentwicklung im Unklaren gelassen wird.“

Einer Studie des bundeseigegen Bergbausanierers LMBV zufolge stammen etwa 64 Prozent des Sulfats aus dem aktiven Bergbau und 36 Prozent aus den alten DDR-Tagebauen. Bislang weigere sich die Landesregierung jedoch beharrlich, dem Bergbaubetreiber Auflagen zur Sulfatreduzierung aufzuerlegen.

Gesundheitsgefahr, Umweltschaden und hohe Folgekosten

Nicht nur wegen möglicher Gesundheitsbeeinträchtigungen sollten die Sulfatfrachten eingedämmt werden, mahnen die Bündnisgrünen. Eine zu hohe Sulfatbelastung kann auch schnell finanzielle Kosten nach sich ziehen. Wasserwerke, die Trinkwasser aus dem Uferfiltrat der Spree beziehen, wie Berlin und Frankfurt (Oder), stünden bei zu hohen Sulfatwerten Umbaumaßnahmen ins Haus. Die Kosten dafür würden dann den Kunden auferlegt werden. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) warnen zudem, dass bereits Sulfatkonzentrationen von 200 Milligramm pro Liter die aquatischen Lebensgemeinschaften empfindlich stören können. 



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Quelle   energiezukunft.eu | na 2017

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