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12.11.2014

Energie aus dem Glashaus

Gewächshäuser gibt es in den Niederlanden reichlich.

Eine der größten Herausforderungen ist mittlerweile die Energiefrage: Wie kann der Gewächshausanbau vom Energieverbraucher zum Energielieferanten werden? Das Gewächshaus kann mittels kluger Technik zu einer nachhaltigen Energiequelle werden. 

Der niederländische Unterglas-Gartenbau ist dabei innovativ. Im Zuge der Anstrengungen zur Minimierung des Energieverbrauchs begannen wir um das Jahr 2000 herum auch über Gewächshäuser als nachhaltige Energiequellen nachzudenken“, erinnert sich Nico van Ruiten, Vorsitzender von LTO Glaskracht, dem Unternehmerverband des Unterglas-Gartenbaus. „Wir sind überzeugt, dass der Unterglas-Gartenbau längerfristig zu einem Lieferanten von Wärme und Strom werden kann.“ Um dieses Ziel zu erreichen hat die LTO Noord Glaskracht zusammen mit dem Umweltverband „Stichting Natuur en Milieu“ einen Aktionsplan ausgearbeitet, der den schrittweisen Umbau vorsieht. 

Auch von staatlicher Seite werden die Erforschung und Entwicklung energiesparender Maßnahmen im Gewächshausbau und -betrieb stimuliert, finanzielle Mittel in Höhe von rund acht Millionen Euro werden dafür bereitgestellt. So soll der Sektor Unterglas-Gartenbau von einem Großverbraucher fossiler Brennstoffe zu einem Erzeuger nachhaltiger Energie werden. 

Kontrollierter Kreislauf

Zum energieliefernden Gewächshaus führen mehrere Wege und Varianten. Beim geschlossenen Gewächshaus wird die überschüssige Sonnenwärme im Sommer nicht wie üblich über Belüftungsfenster abgelassen, womit wertvolle Energie verloren geht: Vielmehr wird die Wärme über Wärmetauscher als Warmwasser im Boden gespeichert. Nachts und im Winter werden die Gewächshäuser mit dem warmen Wasser beheizt. Das abgekühlte Wasser wird wiederum in einem kalten Brunnen gespeichert und lässt sich im folgenden Sommer zur Kühlung des Glashauses nutzen. Selbst bei geringer Sonneneinstrahlung kann mit diesem Verfahren mehr Energie gewonnen werden als ein Gewächshaus zum Betrieb braucht, vor allem dann, wenn man für die Stromerzeugung und Kohlendioxid-Düngung Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) einsetzt. 

Zur Perfektionierung des Systems gibt es unterschiedliche Technologien. So hat die Firma Priva beispielsweise ein System entwickelt, bei dem Umluftventilatoren, die an unterhalb der Pflanzen befindliche Luftschläuche angeschlossen sind, für eine optimale Luftverteilung sorgen. Neben der Energieeinsparung führt das auch zu einem besseren Wachstum der Pflanzen. 

Die Idee des energieliefernden Gewächshauses hat ein Rispentomatenzüchter aus Venlo in den südlichen Niederlanden bereits verwirklicht: Sein Energiespeichersystem wurde mit einer KWK-Anlage verbunden. So behält er Wärme übrig, mit der ein angrenzendes Pflegeheim, eine Schule und ein Schwimmbad versorgt werden.

Außer dem Wärmegewinn bringt es noch mehr Vorteile, dass im geschlossenen Gewächshaus die Fenster nicht geöffnet werden müssen: Somit steigt die Kohlendioxid-Konzentration im Glashaus, weniger Ungeziefer kann eindringen und der Wasserhaushalt lässt sich besser kontrollieren. Die Produktion in einem geschlossenen Gewächshaus lässt sich damit viel exakter steuern. 

Gemüse und Strom

Wenn ein geschlossenes Gewächshaus zum Wärmelieferanten wird, könnte es vielleicht auch Stromerzeuger werden? Diese Möglichkeit nach einer nachhaltigen Stromerzeugung wird ebenfalls geprüft. Die Universität und das Forschungszentrum Wageningen in Holland arbeiten an einem stromerzeugenden geschlossenen Gewächshaus. Es hat ein Dach aus gebogenem Glas, das mit einer Spezialfolie bespannt wird. Die Folie lässt das sichtbare Licht durch, das die Pflanzen für ihr Wachstum brauchen. Gleichzeitig wird Sonnenwärme reflektiert und auf eine Reihe Solarpaneele gelenkt, die neben Strom auch Wärme liefern. Weitere Untersuchungen werden im Bereich der Erdwärmenutzung und den Einsatzchancen von LED-Lampen als energieeffiziente Beleuchtung angestellt. 

Für das energieerzeugende Gewächshaus sehen Forscher und Unternehmer vor allem in städtischen Gebieten eine Zukunft: Mit der überschüssigen Wärme könnten Wohnhäuser beheizt werden. Zudem besteht gerade in Ballungsgebieten ein großer Bedarf an intensiver Lebensmittelproduktion, die Transportwege würden so kürzer. Das energiesparende System soll auch für den Export bestimmt sein. Nicht nur europaweit, ein Gewächshaus mit geschlossenem, kontrolliertem System wäre beispielsweise auch interessant für warme Länder, etwa den nahen Osten.

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Quelle   energiezukunft | Nicole Allé 2014

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