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12.03.2018

Eon und RWE räumen im Markt auf

Die beiden Energiekonzerne Eon und RWE teilen sich offenbar den Markt neu auf. Die Essener Eon will von RWE das Ökostrom-Unternehmen Innogy kaufen. Darüber haben sich jetzt beide Konzerne "grundsätzlich" geeinigt. In der Folge räumen die ehemaligen Konkurrenten unter ihren Beteiligungen gründlich auf. Von Jörg Staude

Was mit einer Meldung der US-Nachrichtenagentur Bloomberg am Samstag in den Medien losgetreten wurde, wurde am Sonntag mit einer Mitteilung von Eon und RWE Gewissheit. Die beiden führenden deutschen Energiekonzerne planen nichts weniger als eine Neuordnung ihrer Geschäfte.

Als ersten Schritt dazu will Eon Innogy kaufen, das Ökostrom-Unternehmen von RWE. Eon soll dabei den gesamten 76,8-Prozent-Anteil an Innogy übernehmen, den RWE seit dem Börsengang der Tochter im Oktober 2016 hält. Darüber haben die beiden Konzerne jetzt "eine grundlegende Einigung erzielt".

Im Gegenzug erhält RWE dann eine Beteiligung am Eon-Konzern von knapp 17 Prozent sowie die Eon-Minderheitsbeteiligungen an dem RWE-Atomkraftwerken Emsland und Gundremmingen. Zudem soll, wie es kryptisch heißt, das Eon-Geschäft mit erneuerbaren Energien sowie Gasspeichern an RWE gehen.

Um die unterschiedlichen Werte der Beteiligungen auszugleichen, ist des Weiteren eine Barzahlung von RWE an Eon in Höhe von 1,5 Milliarden Euro geplant. Bis Sonntagnachmittag stand noch die Zustimmung der Aufsichtsräte beider Unternehmen aus.

Nach Abschluss der Transaktion ist der Mitteilung zufolge zunächst die volle Integration von Innogy in den Eon-Konzern vorgesehen. Ob damit auch der mit viel Aufwand seit 2o16 aufgebaute Marken-Name aufgegeben oder erhalten wird, ist, wie zu hören war, noch nicht entschieden.

Beobachter gehen aber davon aus, dass Eon von Innogy im Wesentlichen nur die Stromnetze und die gut 16 Millionen Strom-Kunden der RWE-Tochter behalten will. Die Netze tragen bislang zu zwei Dritteln zum Innogy-Gewinn bei. Betroffen von den Transaktionen der Konzerne sind mehr als 40.000 Beschäftigte bei Innogy, die vermutlich auf Eon und RWE aufgeteilt werden sollen.

Eon würde künftig also vor allem an Netzen (Strom und Gas) und am Vertrieb verdienen. Dazu kämen noch, wie es im Marketingdeutsch heißt, "kundenorientierte Lösungen". Damit ist die gesamte "smarte" private moderne Energiewelt gemeint, wie Smart Homes, persönlicher Direkthandel von Ökostrom oder die Kombination von Solaranlage, Speicher und E-Mobilität.

Der Strommarkt wird nicht von Grund auf umgewälzt

Die Erzeugung von Ökostrom – sowohl die, die derzeit bei Eon selbst stattfindet (um die 4.500 Megawatt, vor allem Offshore-Wind) als auch die, die durch Innogy hinzukäme (3.700 Megawatt, zu über 80 Prozent Windkraft) – würde am Ende bei RWE landen. Der Konzern bliebe aber in erster Linie ein Braunkohle- und Steinkohleverstromer. Mit den beiden fossilen Energieträgern erzeugte RWE 2016 mehr als das Zehnfache an Strom als aus Erneuerbaren, bei Atomstrom war es etwa das Dreifache.

Allerdings bekäme RWE mit dem Tauschgeschäft einiges an Ökostrom hinzu plus einem Speichergeschäft. Letzteres kann man als Ergänzung zu Wind und Sonne gut gebrauchen und die Chefetage rechnet sich damit in Zeiten eines dringlicher werdenden Klimaschutzes neue Chancen aus.

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Quelle   Der Hintergrund wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (Jörg Staude) 2018 verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden!

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