Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

05.01.2018

Munich Re: 2017 war das Jahr der Naturkatastrophen

Naturkatastrophen-Jahresbilanz: Hurrikan-Serie machte 2017 zu Jahr mit höchsten versicherten Schäden.

Das Hurrikan-Triple mit den extremen Stürmen Harvey, Irma und Maria hat der Versicherungswirtschaft 2017 Rekordschäden eingebrockt: Voraussichtlich rund 135 Mrd. US$ müssen Versicherer für die Hurrikane und weitere Naturkatastrophen wie etwa ein schweres Erdbeben in Mexiko aufbringen, mehr als je zuvor. Die Gesamtschäden – also einschließlich der nicht versicherten Schäden – betrugen 330 Mrd. US$, die zweithöchste jemals registrierte Summe für Naturkatastrophen insgesamt. Schadenträchtiger war lediglich 2011 mit dem Tohoku-Erdbeben in Japan mit einem Gesamtschaden von 354 Mrd. US$ zu heutigen Werten.

Torsten Jeworrek, Vorstand von Munich Re für das weltweite Rückversicherungsgeschäft: „Die extremen Naturkatastrophen des Jahres zeigen die wichtige Rolle von Versicherung, nach schweren Katastrophen die finanziellen Belastungen abzufedern. Munich Re ist bereit, dieses Geschäft weiter zu entwickeln; wir haben die dafür nötige Kapazität und Expertise. Bemerkenswert ist für mich: Einige der Katastrophen wie die Serie aus drei enorm schadenreichen Hurrikanen oder die sehr schweren Überschwemmungen in Südasien nach außerordentlich starken Monsun-Regenfällen haben einen Vorgeschmack auf die Zukunft gegeben. Denn auch wenn einzelne Ereignisse nicht direkt auf den Klimawandel zurückgeführt werden können, erwarten unsere Experten künftig häufiger solche extreme Ereignisse.“

Die Schadendaten des Jahres im Einzelnen:
Die Gesamtschäden von 330 Mrd. US$ aus Naturkatastrophen aller Kategorien betrugen beinahe das doppelte des 10-Jahresdurchschnitts (inflationsbereinigt 170 Mrd. US$). Die Schäden aus Wetterkatastrophen erreichten einen neuen Rekordwert. Die versicherten Schäden lagen fast dreimal so hoch wie der Durchschnittswert von 49 Mrd. US$. 710 relevante Naturkatastrophen wurden in unserer Statistik verzeichnet, ebenfalls deutlich mehr als im Schnitt (605). Rund 10.000 Menschen kamen bei den Naturkatastrophen des Jahres ums Leben, mehr als im Vorjahr, aber zumindest deutlich weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (60.000). (Mehr Informationen)

Schäden in den USA dominieren die Statistik
Der Anteil der Schäden in den USA war 2017 noch erheblich höher als sonst ohnehin: 50 Prozent im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt von 32 Prozent. Bei der Betrachtung von ganz Nordamerika betrug der Anteil sogar 83 Prozent.

Die Besonderheiten der Naturkatastrophen, die die USA betrafen:

  • Hurrikan Harvey ging Ende August als Sturm der vierthöchsten Kategorie in Texas an Land. Danach verharrte das Auge des Sturms tagelang an der Küste und saugte so immer weiter Feuchtigkeit vom sehr warmen Golf von Mexiko an. Das Ergebnis waren sintflutartige Regenfälle in der Region um Houston, die sich statistisch gesehen bisher seltener als einmal in 1000 Jahren ereignen. Mit einem Gesamtschaden von rund 85 Mrd. US$ war Harvey die teuerste Naturkatastrophe 2017. (Mehr Informationen zur Hurrikansaison 2017 und zu Hurrikan Harvey)
  • Kurze Zeit später zog Hurrikan Irma mit der höchsten Kategorie 5 mit Windgeschwindigkeiten über 300 km/h eine Spur der Verwüstung durch die Karibik, bevor er am 10. September über den Florida Keys wütete und dann im Südwesten Floridas an Land ging. Gemessen an den Windgeschwindigkeiten blieben die Schäden in Florida vergleichsweise moderat. Durch den höheren versicherten Anteil der Sturmschäden war Irma mit versicherten Schäden von rund 32 Mrd. US$ allerdings die teuerste Naturkatastrophe für die Versicherer im Jahr 2017. (Mehr Informationen)
  • Hurrikan Maria verursachte extreme Schäden auf Inseln in der Karibik. So wurden auf Puerto Rico zahlreiche Produktionsstätten etwa von Pharmakonzernen beschädigt. Die Infrastruktur der zu den USA gehörenden Insel wurde in großen Teilen zerstört: Sechs Wochen nach der Katastrophe waren drei Viertel der Haushalte noch ohne Strom. (Mehr Informationen)
  • Eine Serie schwerer Gewitter im Frühjahr mit Tornados und Hagel trug ebenfalls zu den hohen US-Schäden bei. Gleich fünf dieser Unwetter verursachten versicherte Schäden jenseits der Milliardenschwelle.
  • Scheinbar ein Paradoxon: Starke Schnee- und Regenfälle in Kalifornien im vergangenen Winter befeuerten eine zerstörerische Buschfeuersaison. Der Grund: Nach langer Dürre hatten die Niederschläge Pflanzen wieder sprießen lassen. In der Sommerhitze wurde aus der stärkeren Vegetation förmlich eine Streichholzschachtel, die sich in starken Buschfeuern bis in den Dezember hinein entzündete. Wegen der hohen Versicherungsdichte in betroffenen Vororten lag alleine bei den Bränden im Oktober der Gesamtschaden bei 10,5 Mrd. US$, der versicherte Schaden dürfte etwa 8 Mrd. US$ betragen. (Mehr Informationen)


Tony Kuczinski, President und CEO von Munich Re, USA: “Die diesjährige Hurrikansaison ist ein gutes Beispiel für die wichtige Rolle von Munich Re, Menschen und Kommunen nach Katastrophen beim Wiederaufbau zu unterstützen. Wir haben aus den Ereignissen auch gelernt: dass Vorbeugung und besseres Risikomanagement - etwa bessere Baustandards in Florida - Schäden begrenzen und Menschenleben schützen können. Zweitens: Es bleibt eine erhebliche Versicherungslücke sogar in hoch entwickelten Märkten wie den USA, wo die Mehrheit von Hausbesitzern und Kleinbetrieben keine Überschwemmungsversicherung kauft. Risikowissen, Kapitalstärke und die Infrastruktur zur Schadenabwicklung der Versicherer sind entscheidend, um hier sinnvolle Lösungen zu entwickeln. Munich Re unterstützt aktiv eine Public-Private-Partnership-Initiative, die sich mehr Möglichkeiten zur Deckung von Hochwasserrisiken und deren stärkere Verbreitung zum Ziel gesetzt hat.“

Europa: Später Frost nach längerer Wärmeperiode verursachte hohe Schäden
Ungewöhnlich tiefe Temperaturen im April verursachten in Europa in der Landwirtschaft Milliardenschäden, da nach einem warmen Frühling die Pflanzen stark ausgetrieben hatten. Bei bestimmten Früchten fiel der Ernteertrag je nach Region um bis zur Hälfte niedriger aus als sonst. Ebenfalls auf den ersten Blick paradox: Solche Ereignisse könnten sich in der Zukunft durch den Klimawandel häufiger ereignen. Denn in bestimmten Regionen beginnt die Vegetationsphase deutlich früher. Die Frostgefahr nimmt aber oft nicht in gleichem Maße ab, so dass das Risiko steigt. Der Schaden durch den Spätfrost betrug 3,6 Mrd. US$ (3,3 Mrd. €), davon waren wegen der geringen Versicherungsdichte in der Landwirtschaft nur rund 650 Mio. US$ (rund 600 Mio. €) versichert.

Asien: Schwere Monsunniederschläge kosteten zahlreiche Menschenleben
Ein extrem starker Monsun hat in Südasien etwa 2.700 Menschen das Leben gekostet. Die jährliche Monsunzeit mit ihren eigentlich dringend benötigten Regenfällen dauerte 2017 rund vier Wochen länger als üblich. Besonders stark betroffen waren diesmal neben indischen Provinzen nahe des Himalaya die Terai-Ebene in Nepal, wo fast die Hälfte der nepalesischen Bevölkerung lebt. Manche Distrikte standen zu drei Vierteln unter Wasser. Teil der humanitären Katastrophe war auch, dass nur ein verschwindend geringer Anteil der Gesamtschäden von rund 3,5 Mrd. US$ versichert war. (Mehr Informationen)

Hermann Pohlchristoph, im Munich Re-Vorstand zuständig für die Region Asien/Pazifik: „In der Region Asien/Pazifik fielen die Schäden aus Naturkatastrophen erfreulicherweise geringer aus als in den Vorjahren: Mit 33 Mrd. US$ lagen sie sowohl unter dem Vorjahreswert von 96 Mrd. US$ als auch unter dem 10-Jahres-Durchschnitt von 85 Mrd. US$. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, wie erschreckend groß die Versicherungslücke speziell in Asien ist: Nur 8 Prozent der Schäden waren versichert. Dabei gibt es passende Versicherungslösungen, die erheblich dazu beitragen, dass Menschen und Volkswirtschaften nach Katastrophen finanziell schneller wieder auf die Beine kommen.“

Ernst Rauch, Leiter Climate & Public Sector Business Development: „Der überdurchschnittliche Anteil der weltweiten versicherten Schäden dieses Jahr verdeckt, wie groß die Versicherungslücke in weiten Teilen der Welt noch ist. In Entwicklungsländern sind Katastrophenschäden vielfach fast überhaupt nicht versichert. Und selbst in hoch entwickelten Ländern wie den USA wäre eine stärkere Verbreitung von Versicherung volkswirtschaftlich sehr sinnvoll. Einen kleinen Lichtblick gab es bei aller Tragik: Mit Irma und Maria hatten gleich zwei schwere Hurrikane viele karibische Inseln gleich doppelt getroffen. Nur wenige Tage danach zahlte die 2007 gegründete CCRIF (Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility), ein regionaler Versicherungspool mit Beteiligung von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, Nothilfegelder von rund 50 Mio. US$ aus. Munich Re unterstützt den Ausbau derartiger Poollösungen, um in einkommensschwächeren Ländern die Versicherungslücke zu verringern.“

Downloads Munich Re NatCatSERVICE

Zurück zur Übersicht

Quelle   Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft 2018

Das könnte sie auch interessieren