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16.02.2019

Warnung vor neuer Ölkrise

100.000.000 Barrel Öl an jedem Tag - Die Menschheit hat beim Ölverbrauch eine historische Marke erreicht. Die Internationale Energieagentur IEA drückt die Alarmtaste und warnt vor einem "Versorgungsschock". Ölexperten und Marktbeobachter reagieren erstaunt, von Konsequenzen in Wirtschaft und Politik ist nichts zu sehen.

Es ist ein Meilenstein in der Menschheitsgeschichte: Der weltweite Ölverbrauch hat die historische Marke von 100.000.000 Barrel Öl erreicht. 100 Millionen Fass mit je 159 Litern Öl. An jedem Tag. Das entspricht einem Güterzug aneinander gekoppelter Ölwaggons, der von Süditalien bis zum Nordkap reicht.

In ihrem letzten "Oil Market Report" vom 18. Januar hat die Internationale Energieagentur IEA, die weltweit einflussreichste Instanz in Energiefragen, die magisch anmutende Zahl bestätigt. Für das vierte Quartal 2018 wird die Ölnachfrage von der in Paris sitzenden Agentur auf "100,1 Millionen Barrel pro Tag" beziffert.

Im täglichen Nachrichtengewitter ist die Zahl bisher untergegangen. So hat die Menschheit vollkommen geräuschlos genullt und damit eine Marke erreicht, die gleichermaßen eindrucksvoll wie beängstigend ist. Wie soll diese gewaltige Ölnachfrage auf Dauer befriedigt werden?

Die bisher stets überoptimistische IEA hat angesichts des weiter steigenden Verbrauchs die Endlichkeit des Öls unmissverständlich thematisiert. In einem zum Jahresende veröffentlichten fünfseitigen Kommentar zur künftigen Ölversorgung werden in ungewohnter Schärfe künftige Versorgungslücken beschworen. Schon die Überschrift ist für eine auf Seriosität bedachte Organisation ziemlich drastisch: "Wenn wir auf die Zahlen blicken: Steht uns ein Öl-Versorgungsschock bevor?"

Die beiden Autoren, Tim Gould und Christophe McGlade, sind in der IEA für Zukunftsszenarien der Ölversorgung verantwortlich. Sie sagen einen weiteren Anstieg des Ölverbrauchs von täglich 7,5 Millionen Barrel bis 2025 voraus. Doch im selben Zeitraum – so ihre Befürchtung – könnte die Versorgung dramatisch einbrechen, wenn nicht in neue Felder und in die Ausbeutung existierender Felder massiv investiert werde. Bei einer Fortschreibung des gegenwärtig niedrigen Investitionsniveaus werde sich eine Versorgungslücke von 35 Millionen Barrel auftun.

Was die Autoren nicht sagen: Der dringend notwendige, zusätzliche Investitionsschub erscheint illusorisch, zumal in den vergangenen Jahren die Neufunde an Ölfeldern ein historisches Tief erreicht haben. 2018 wurde so wenig neues Öl entdeckt wie nie zuvor seit 1947.

Schon seit den 1960er Jahren nimmt die Rate der Ölfunde ab. Seit den 1980er Jahren sind die Neufunde deutlich geringer als der steigende Ölverbrauch. Der wird immer noch zu großen Teilen aus der Ausbeutung alter Felder gespeist, die teilweise vor mehr als 50 Jahren entdeckt worden sind.

Wie man auch rechnet – es bleibt eine Versorgungslücke ........

Es sei auffällig, dass dieser Kommentar nach der üblichen Jahrespräsentation des World Energy Outlook der IEA im November noch explizit nachgeschoben wurde, sagt der Münchner Energie-Wissenschaftler Jörg Schindler, Autor zahlreicher Fachbücher zum Öl. "Das zeigt die Dringlichkeit der Botschaft, eigentlich eine Sensation."

Hier können Sie den Bericht weiterlesen

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Manfred Kriener) 2019 verfasst - der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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