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10.12.2017

Der Erde droht der Systemkollaps

Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Erscheinen des Berichts "Die Grenzen des Wachstums" legt der Club of Rome einen neuen unter dem Titel "Wir sind dran" vor. Bei aller apokalyptischen Problemsicht schafft es das neue Werk immerhin, etwas Hoffnung zu erzeugen.

"Die Grenzen des Wachstums" erschienen 1972, kurz vor der ersten Ölkrise. Bis heute gibt es keine einflussreichere wissenschaftliche Studie. Der erste große Bericht des Thinktanks Club of Rome veränderte damals schlagartig weltweit das öffentliche Bewusstsein.

Die Prognose der Wissenschaftler rüttelte Bürger, Politiker und Industrie auf: Fortschreitende Industrialisierung, zunehmende Ausbeutung von Rohstoffen, Zerstörung von Lebensräumen, Abnahme der Bodenfruchtbarkeit und Bevölkerungswachstum würden bei Fortschreibung der Trends im Laufe des nächsten Jahrhunderts unweigerlich zum Kollaps der globalen Systeme führen. Der Report wurde in 30 Sprachen übersetzt, Gesamtauflage über 30 Millionen.

Das Buch war aber gleichzeitig ein politischer Appell. Denn es zeigte auch auf, dass es durchaus möglich ist, durch Maßnahmen wie effizientere Technologie, Umweltschutz, Rohstoff-Recycling und Stopp des Bevölkerungswachstums ein stabiles Welt-System zu erreichen. Ziel war ein Gleichgewichtszustand, der einen "guten materiellen Lebensstandard" für alle ermöglicht.

Nun aber sagt der Club: "Wir sind dran". Ein halbes Jahrhundert nach der Gründung des Thinktanks, der sich für eine nachhaltige und sozial gerechte Entwicklung einsetzt, und 45 Jahre nach dem Erscheinen des "Grenzen"-Reports liegt ein neuer Club-of-Rome-Bericht vor, verfasst von 35 Autoren um die beiden Club-Präsidenten Ernst Ulrich von Weizsäcker und Anders Wijkman.

Weizsäcker ist einer der renommiertesten deutschen Umweltforscher, Wijkman ein schwedischer Umweltpolitiker. Die Experten ziehen eine Bilanz des halben Jahrhunderts, das wie keines vorher unter dem ökonomischen Wachstums-Paradigma stand, und sie versuchen erneut, die Auswege aufzuzeigen.

"Gutes" Wachstum steht neben neuen Gefahren

Der Titel des 400-Seiten-Buchs hat daher, wie der einstige "Grenzen"-Bericht, zwei Bedeutungen – als Analyse und Appell. "Wir sind dran" (englischer Titel: "Come on") meint einerseits: Die Grundaussage von 1972 ist weiter richtig. Zwar haben sich einige ökologisch günstige Formen des Wachstums entwickelt, etwa der Boom von Windkraft und Solarenergie. Doch das gefährliche Wachstum geht kaum gebremst weiter. Und es sind Gefahren hinzugekommen, die der Club of Rome damals noch gar nicht auf dem Schirm hatte und die die globale Krise verschärfen.

Die Stichworte lauten: Klimawandel, Vernichtung fruchtbarer Böden, Schwund der Artenvielfalt. Die jährlichen CO2-Emissionen haben sich allein in den letzten 25 Jahren verdoppelt, der Biodiversitätsindex ist um über 50 Prozent gesunken und der "ökologische Fußabdruck" so groß geworden, dass eigentlich 1,7 Planeten nötig wären, um den täglichen Verbrauch zu decken. Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt laut der Diagnose der Experten bereits heute in unterschiedlichen Notlagen, darunter Hunger, Kriegsbedingungen, regelmäßig auftretende Dürren und Überflutungen.

 

 

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Quelle   Der Hintergrund wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (Joachim Wille) 2017 verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden!   

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