Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

04.05.2017

Eine Mikroalge gegen den Welthunger

In der Kategorie Lifestyle wurde das Gewinnerprojekt ‚Thriving Green‘ mit dem GreenTec Award 2017 ausgezeichnet.

Auf Grundlage der Mikroalge Spirulina hat Thriving Green – ein Spin-Off an der Uni Regensburg – eine Lösung entwickelt, um der akuten Mangelernährung in Kenia entgegenzuwirken. Spirulina, die Mikroalge, weltweit bekannt als sogenanntes Superfood, ist ressourcenschonend und leicht anbaubar. Dadurch verspricht sie Hilfe zur Selbsthilfe in den unfruchtbarsten Gebieten der Erde.

Mit Algen Leben retten: Regensburger Studenten starten Hilfsprojekt in Kenia
Mit Hilfe einer Algenfarm wollen neun Regensburger Studenten den Hunger im Osten Afrikas bekämpfen. Das Ziel ist eine nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe, die den Einheimischen Zugang zu einem Superfood geben soll. Erste Versuche in Bayern sind vielverspechend. Doch der nächste Schritt erfordert Geld.

Die Region Turkana in Kenia
Die Region Turkana ist mit durchschnittlich 1,66 $ Tageseinkommen eine der ärmsten Regionen der Welt. Konstante Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius und lange Dürreperioden machen konventionelle Landwirtschaft unmöglich. Das Wasser des Turkana-Sees, dem größten Wasserreservoir der Region, ist aufgrund seines hohen Salzgehalts und des extremen pH-Wertes für Pflanzen und Nutztiere tödlich. Klimawandel, Überfischung und Umweltverschmutzung verschärfen die Situation drastisch. Somit sind Unterernährung und Hunger für hunderttausende Menschen in Turkana ein alltägliches Problem. Die Einwohner von Turkana leiden vor allem an den Folgen der Mangelernährung: Entwicklungsdefekte, gestörter Stoffwechsel, Muskelschwäche und Organversagen. Die Folge ist nicht selten der Tod. Leider ist sogar jedes 5. Kind in Turkana davon betroffen. Die vor kurzem eingetretene Dürreperiode spitzt die Lage weiterhin dramatisch zu: Der Ausfall der spärlichen Ernte führte zum Sterben des Weideviehs und damit zu akutem Nahrungsmangel.

Wo Landwirtschaft unmöglich scheint, sieht Biologiestudent Alexander Zacharuk eine Lösung: Die Mikroalge Spirulina. “Spirulina kann sich durch Zellteilung exponentiell schnell vermehren und gilt aufgrund des hohen Vitamin- und Proteingehalts als Superfood. Zudem wächst es am besten unter hohen Temperaturen in einem Wasserbecken mit hohem pH-Wert”, so Zacharuk. Er war davon überzeugt, dass sich Spirulina kostengünstig und ertragreich am Turkana-See anbauen lässt und man damit dem Mangelernährungsproblem entgegenwirken kann. Als Mitglied der gemeinnützigen Organisation enactus Regensburg e.V., einem Verein, der mithilfe von nachhaltigen, sozialen Projekten benachteiligten Gruppen eine wirtschaftliche Perspektive geben will, gründete Zacharuk gemeinsam mit Daniel Kotter, einem Studenten der Betriebswirtschaft, das Projekt “Thriving Green” (zu Deutsch: Grün, das gedeiht). Der Projektname ist Programm. Er spielt auf die Zielsetzung hinter Thriving Green an: Durch das Gedeihen der grünen Alge Spirulina sollen die Menschen vor Ort und die Region selbst prosperieren (aufblühen) können. Zacharuk selbst sieht die Spirulinazucht als die “Landwirtschaft von morgen um Hunger heute zu bekämpfen.”

Die Mikroalge Spirulina: gesund, billig, effektiv
Warum eignet sich Spirulina so gut? Der Grund ist das Nährstoffprofil: Der Proteingehalt liegt bei 60 Prozent und umfasst alle essentiellen Aminosäuren, der Energiegehalt beträgt etwa 290 kcal/100 g. Abgerundet wird das Ganze durch den hohen Anteil an Vitaminen, insbesondere Vitamin B und E, die für die Funktion des Stoffwechsels unabdingbar sind. Die Mikroalge Spirulina, die bereits seit Jahrhunderten bei Menschen im afrikanischen Tschad und in Mexiko auf der Speisekarte steht, wird seit einigen Jahren als sogenanntes Superfood in der westlichen Welt immer beliebter. So bestellen sich bereits einige Fitnessbegeisterte und Leistungssportler das Superfood als Pulver und verwenden es um ihre Nahrungsaufnahme zu optimieren. Als landwirtschaftliches Produkt ist Spirulina ebenfalls besonders interessant. Der Ertrag pro Hektar ist bis zu 25 Mal höher als bei etablierten Gemüse- oder Getreidepflanzen. Dies liegt allen voran an den extrem hohen Wachstumsraten, der hundertprozentigen Verwertbarkeit der Biomasse und den kurzen Erntezyklen von gerade einmal 25 Tagen. Der entscheidende Vorteil ist aber, dass Spirulina genau an die extremen Bedingungen des Turkana-Sees angepasst ist: Die Hitze, der Salzgehalt und pH-Wert, der für andere Agrarprodukte toxisch ist, garantieren gute Erträge.

AUS BAYERN FÜR KENIA - HILFE ZUR SELBSTHIFE
Das Projektteam ist mit Studenten aus den Fachrichtungen Biologie, Mikrosystemtechnik, Kulturwissenschaften, Betriebswirtschaft und Jura gut aufgestellt und hat mit Pater Avelino, dem Leiter der katholischen Mission in Nariokotome, einen Partner vor Ort an der Seite, der seit 25 Jahren humanitäre Unterstützung für die Region leistet. “Eines Tages - kurz nach Eintritt der Dürre in Nordkenia - schickte mir Pater Avelino ein Bild mit verendetem Vieh in der Wüste. Zum Glück ging es ihm persönlich gut, aber wir wussten, dass wir nun schleunigst handeln müssen”, erklärt Alexander Zacharuk. „Durch das Projekt Thriving Green soll Mangelernährung nachhaltig bekämpft werden. Wir setzen darauf, dass die Menschen es selber anbauen und verkaufen können. Die Folge besteht darin, dass mehr und bessere Nahrung erwirtschaftet und zudem Arbeitsplätze und Einkommen geschaffen werden. Dadurch werden sich wirtschaftliche Strukturen etablieren können, die es zur nachhaltigen Lösung machen“, so Kotter.

Die Studenten bewarben sich bereits bei einigen Nachhaltigkeitswettbewerben und erhielten jede Menge Zuspruch durch die Jury. Hervorragende Platzierungen erhielt das Projekt beim Bio-Gründer Wettbewerb 2016, Promotion Nordhessen und Start2Grow und sogar TÜV und WWF befürworten den Lösungsansatz.

Noch fehlen 7.000 Euro
Die erste Labor- wie auch Freiluftzuchtanlage wurde zwar schon letzten Sommer errichtet, jedoch fehlt dem Team der engagierten Studenten noch das Geld, um das Projekt groß zu machen. „Für den Bau der ersten Spirulinafarm, die aus zehn Zuchtbecken bestehen soll, wären insgesamt ca. 7.000 Euro notwendig“, so Daniel Kotter. Die 120qm großen Zuchtbecken werden von kenianischen Bauunternehmen errichtet und kosten je um die 700 Euro. Wichtig ist den Studenten der Projektgruppe „Thriving Green“, dass die Zuchtbecken allesamt vor Ort durch die Einheimischen unter Verwendung von stets nur lokalen Ressourcen selber hergestellt werden können. Sie wollen „Hilfe zur Selbsthilfe“ geben und so sicherstellen, dass sich das Projekt durchsetzt und langfristig erfolgreich wird.

Das Team will in Kenia die erste Algenzuchtanlage errichten und 400 Menschen regelmäßig mit dem Superfood Spirulina zu versorgen. Die Studenten hoffen, dass sich noch genug engagierte Sponsoren finden, die mithelfen wollen, dass sich ihr Projekt in Kenia zum Wohle der Einheimischen realisieren lässt. Die einfache Zucht und Zubereitung der Alge soll dann in weitere Dörfer getragen werden und die Lebensgrundlage von vielen Menschen entscheidend verbessern.

Wenn Sie das Projekt finanziell unterstützen möchten, können Sie dies am besten durch eine Spende an das Konto des gemeinnützigen Vereines enactus Regensburg e.V., welcher das Projekt beherbergt, tun: IBAN: DE72 7505 0000 0026 7328 75, BIC: BYLADEM1RBG, Verwendungszweck “Thriving Green” - online spenden!. Der Verein kann Spendenquittungen ausstellen, alle Projektmitglieder arbeiten ehrenamtlich und sorgen dafür, dass Ihre Spende sicher bei den Menschen in Kenia ankommt. 

 

Zurück zur Übersicht

Quelle   Projekt Thriving GreenDaniel Kotter 2017

Das könnte sie auch interessieren