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26.12.2017

Klimawandel: Tödliche Hitze

US-amerikanische Wissenschaftler warnen davor, dass bei ungebremster globaler Erwärmung die Hitze in einigen Regionen tödliche Werte erreichen wird.

Es soll ja hierzulande Menschen geben, die insbesondere in der kalten Jahreszeit meinen, der globalen Erwärmung etwas abgewinnen zu können. Natürlich vergessen sie dabei gerne, was inzwischen vermutlich jeder schon mal gehört oder gelesen hat, dass nämlich eine wärmere Atmosphäre auch mehr Feuchtigkeit aufnimmt, was nicht nur zu heftigeren Niederschlägen führt, sondern auch die Intensität der Stürme verstärkt. Diese werden nämlich unter anderem von der Energie angetrieben, die Wasserdampf beim Übergang von der gasförmigen in die flüssigen Phase an die umgebende Luft abgibt.

Forscher an der Columbia University in New York weisen auf ein anderes, mit der steigenden Luftfeuchtigkeit verbundenes Problem hin: Sie macht Hitze wesentlich schwerer erträglich. Vermutlich haben die meisten diese Erfahrung schon einmal gemacht.

In einem trocken-heißen Klima, wie zum Beispiel im spanischen Binnenland im Sommer, ist die Hitze wesentlich besser zu ertragen, als wenn ein warmes Meer die Luft mit Feuchtigkeit schwängert. Bei großer Hitze ist es im Sommer schon am Mittelmeer eigentlich nur bei ablandigem Wind auszuhalten.

Das ist nichts Neues, aber was die New Yorker untersucht haben, ist etwas anderes. Ethan Coffel und seine Mitautoren haben ein Business-as-usual-Emissionsszenario für die Treibhausgase hergenommen und mit diversen Klimamodellen berechnet, wie häufig bestimmte extreme Hitzeereignisse vorkommen. Ihre Studie wurde am gestrigen Freitag allgemein zugänglich in den Enviromental Research Letters veröffentlicht.

Höhe der Feuchttemperatur zeigt, was eine Hitzewelle für Menschen bedeutet

Die Autoren haben sich dabei aber nicht wie sonst meist üblich auf die Lufttemperatur, sondern auf die sogenannte Feuchttemperatur konzentriert. Diese wird mit einem Thermometer gemessen, das mit einem nassen Stoff überzogen ist. Er bewirkt, dass das Thermometer durch die Verdunstung abgekühlt wird. Meteorlogen berechnen aus der Differenz zwischen der höheren Trocken-, das heißt, Luft- und der Feuchttemperatur die Luftfeuchtigkeit. Umgekehrt kann, wenn Luftfeuchtigkeit und -temperatur bekannt sind, aus diesen die Feuchttemperatur abgeleitet werden, was Coffel et al. gemacht haben.

Letztlich lässt die Größe Feuchttemperatur direktere Schlussfolgerungen darauf zu, was eine potenzielle Hitzewelle für Menschen bedeutet. Wenn diese zum Beispiel 32 Grad Celsius beträgt, dann heißt es, dass sich unsere Haut trotz Transpiration nicht unter diesen Wert abkühlen kann.

Eine Feuchttemperatur von 32 Grad gilt als der Grenzwert, über dem auch für gesunde Erwachsene Aktivitäten im Freien kaum noch möglich sind. Eine über mehrere Stunden anhaltende Feuchttemperatur von 35 Grad Celsius ist für Menschen tödlich. Bisher werden auf der Erde nirgendwo mehr als 31 Grad Celsius Feuchttemperatur gemessen.

Die Wissenschaftler von der Columbia University und vom Goddard Institut for Space Studies der NASA haben nun mit ihren Klimasimulationen herausgefunden, dass die gefährlichen Werte bei ungebremster globaler Erwärmung in der zweiten Jahrhunderthälfte in verschiedenen, zum Teil sehr dicht besiedelten Regionen auftreten werden.

Betroffen werden unter anderem das Indus- und das Gangestal im Norden Indiens, die Küstenregionen Westafrikas, größere Teile des Amazonasbecken oder der saudi-arabischen Westküste sein. 150 bis 750 Millionen Menschen könnten von Hitzewellen betroffen werden, die alles bisher gesehene übersteigen.

Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch, dass es noch nicht zu spät ist. Ein Teil der globalen Erwärmung ist zwar nicht mehr aufzuhalten, da das Klimasystem immer einige Jahrzehnte dem aktuellen Treibhausgasniveau in der Atmosphäre hinterherhinkt. Die extremen Hitzewellen könnten aber noch vermieden werden, wenn statt des Business-as-usual- ein Klimaschutzszenario zum Tragen kommt, in dem die Emissionen zügig reduziert werden.

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „TELEPOLIS“ (Wolfgang Pomrehn) 2017 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von Wolfgang Pomrehn 2017 weiterverbreitet werden! 

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