Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

14.03.2019

Die Zukunft der Nutztierhaltung

Berichte über grauenvolle Massentierhaltung und industrielle Fleischproduktion gehen uns unter die Haut. Die Nutztierhaltung hat deshalb nur dann eine Zukunft, wenn sowohl Haltungsbedingungen als auch Fütterung den artgemäßen Bedürfnissen der Tiere entsprechen. Der Ökologische Landbau geht hier wegweisend voran.

Mit gutem Gewissen genießen

Der Art des Wildschweins ist es angemessen, frei im Wald herumzulaufen und zu wühlen. Doch der Mensch hat einen Zaun um die Tiere gezogen, um ihnen nicht weiter im Wald hinterherrennen zu müssen, um sie gezielter füttern zu können und um sie daran zu hindern, die mühsam herangezogenen Feldfrüchte an seiner Stelle zu ernten. Durch eine gezielte Zuchtauswahl hat er die Tiere diesen neuen Lebensbedingungen angepasst. Die weitere Selektion nach schnellem Wachstum und magerem Fleisch hat das Schwein weit von seinem natürlichen Zustand entfernt. Um die Tiere nicht noch weiter von ihrem Ursprung zu entfernen, bleibt nichts anderes übrig, als Anforderungen für eine artgerechte Tierhaltung zu definieren.

Um beim Beispiel Schwein zu bleiben: Diese Tiere wollen wühlen. Lässt man sie’s tun, beschäftigen sie sich fast den ganzen Tag damit. Es muss ihnen deshalb wenigstens Stroh zur Verfügung gestellt werden, damit sie dieser Leidenschaft frönen können. Und: Schweine schlafen nie dort, wohin sie koten – auch das kann man beobachten, wenn man ihnen die Wahl­freiheit lässt. Es ist deshalb nicht artgerecht, Schweine auf Spaltenböden zu stellen, wo sie über den Ausdünstungen ihrer Exkremente schlafen müssen.

Dass sie – und das gilt für alle Nutztiere – Anspruch darauf haben, Tageslicht, Temperaturschwankungen, Regen und Sonne wahrzunehmen, klingt selbstverständlich, ist aber fast ausschließlich in der ökologischen Schweinehaltung der Fall. Dass Hühner flattern und scharren können sollten, dass Kühe sich im Wesentlichen von Raufutter (z.B. Heu, Stroh, und Spreu) ernähren müssen, wofür ihr Verdauungsapparat gemacht ist – all das sind weitere Beispiele.

Hochleistungstiere sind sensibel

Fast keine dieser Anforderungen wird von der „modernen" industriellen Tierhaltung erfüllt. Bei den Rindern etwa haben nur extensiv gehaltene Mutterkühe mit Nachzucht sowie ein geringer Teil der Milchkühe Zugang zu einer Weide. Mastbullen und ein Großteil der Milchkühe hingegen stehen im Stall. Für maximale Zunahmen oder Milchmengen erhalten sie eine überwiegend aus Getreide stammende Nahrungszufuhr die wenig artgerecht, aber im höchsten Maße gesundheitsschädigend ist. Die Folge: Milchkühe bringen im Schnitt weniger als drei Kälber zur Welt und werden dann nach vier bis fünf Lebensjahren bereits geschlachtet, obwohl sie eigentlich zehn Jahre Milch geben könnten.

Noch sensibler sind Schweine und Geflügel

Sie werden oft in einer Art Hochsicherheitstrakt von allen Einflüssen der Außenwelt ferngehalten. Zu instabil ist dieses Produktionssystem, als dass man es den Unwägbarkeiten von Keimen oder dem Außenklima aussetzen möchte. Damit die Tiere möglichst wenig Aufwand je Kilogramm Fleisch verursachen, werden sie in Stallsystemen, die die Handarbeit auf ein Minimum reduzieren, auf engstem Raum gehalten. Hier können Sie ihr Schlachtgewicht in sehr kurzer Zeit erreichen, beziehungsweise große Mengen an Eiern legen.

Damit das funktioniert, müssen die Tiere konditioniert werden, um sich nicht zu verletzen: Kühen werden die Hörner entfernt, den Schweinen Ringelschwänze und Eckzähne, dem Geflügel die Schnabelspitze. Und ähnlich wie der Hochleistungssportler, der seine Physiologie mit immer höheren Leistungen überfordert, müssen auch die Hochleistungs-Nutztiere intensiv mit Medikamenten – insbesondere Antibiotika – unterstützt werden.

Und das kommt dabei heraus

Um eine tierische Nahrungskalorie zu erzeugen, müssen zwischen drei und acht Kalorien als Futter eingesetzt werden. Das führt dazu, dass heute die Hälfte des in Deutschland erzeugten Getreides im Futtertrog landet. Und würden alle 7,4 Milliarden Erdenbewohner sich auch nur 60 Prozent unseres Fleischverbrauches angewöhnen, dann wäre bereits alles heute erzeugte Getreide (und alle Sojabohnen) im Futtertrog verschwunden!

Die Tierhaltung wird damit zum Treiber für zwei der gravierendsten Probleme unserer Zeit: den Zusammenbruch der biologischen Vielfalt und den Klimawandel.

Hier können Sie den Bericht weiterlesen

Zurück zur Übersicht

Quelle    Dies und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe von forum Nachhaltig Wirtschaften. Das Magazin mit 132 Seiten ist am Kiosk in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich und kann in der Printversion oder als PDF-Magazin direkt beim Verlag zum Preis von EUR 7,50 bestellt werden

Das könnte sie auch interessieren