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HÖRZU Nr. 20 | 11.5.2007
© FOTOLIA – Gernot Krautberger
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Artikel 318 von 488

:: Wasser in Not 2/3

Auch im heute noch wasserreichen Mitteleuropa steuern wir auf einen Wassernotstand zu. Unser Wasser wird benutzt, verschmutzt, verschwendet. Gifte im Wasser, Chemiemüll, Düngemittel und Luftverschmutzung bedrohen unser wichtigstes Überlebensmittel.

  •  Die deutsche Industrie verbraucht jährlich 16 Milliarden Kubikmeter Wasser. Aus den Papier- und Chemiefabriken fließen täglich 230 Tonnen schädliche Kohlenstoffverbindungen, darunter Benzol, Xylol, Toulol, in den Rhein und ins Trinkwasser. Chlor ist Bleichmittel für Papier. Die Abwässer der Papierwerke vergiften Flüsse und Meere.
  • Die Landwirtschaft verseucht Grund- und Oberflächenwasser mit Gülle, Düngemitteln, Herbizide und Insektiziden. Nitrate und Ammoniak werden vom Wind in die Wälder und aufs Meer getragen. Allein der Ostsee muten die Anrainerstaaten jährlich über eine Million Tonnen Stickstoff und fast 80.000 Tonnen Phosphat zu.
  • Jeder von uns verbraucht heute 8-mal soviel Wasser wie seine Großeltern vor 80 Jahren.
  • Wasser wird weltweit bald zur knappsten natürlichen Ressource. Wir könnten Kriege ums Wasser erleben – sie drohen in Nahost und Afrika, aber auch auf dem indischen Subkontinent und im nachkommunistischen China. Öl können wir ersetzen durch Sonne, Wind und Biomasseenergie. Wasser aber bleibt unersetzlich – wir können es nicht vermehren.

Meerestiere ohne Nachwuchs

Vor 100 Jahren musste das Wasser einmal gefiltert werden. Heute setzen wir, um das verschmutzte Wasser wieder zu reinigen, zunehmend auf Großtechnologie und auf die Chemie. In Deutschland sind zurzeit bis zu acht chemische Behandlungsstufen notwendig, damit das Wasser wieder trinkbar wird. Wasser wird gechlort, gefiltert und bestrahlt.

 

 Die Washingtoner Zoologin und Toxikologin Thea Colborn weist darauf hin, dass Chemikalien im Wasser Fruchtbarkeitsstörungen nicht nur bei Fischen und Vögeln, sondern auch bei Menschen hervorrufen: „Leider entdecken wir gerade, dass einige dieser Schadstoffe die Gebärmutter durchdringen können. Sie sind also präsent, während das Baby im Bauch der Mutter heranwächst“. Es handle sich dabei nicht mehr um Einzelfälle, sondern um ein globales Problem. „Viele Chemikalien, die wir in  der Vergangenheit verwendet haben, liegen da draußen in der Natur noch lange, sehr lange herum. Sie sammeln sich im Gewebe von Tieren und Menschen an, bei jedem einzelnen, vom Nordpol bis zum Südpol, von Ost bis West. Und zu dieser Grundbelastung kommen neue Schadstoffeinflüsse hinzu, das addiert sich immer weiter“, analysiert die Wissenschaftlerin Colborn. Weltweit hat sich die Zahl der Spermien bei Männern in den letzten 50 Jahren etwa halbiert. Viele Tiere in Seen, Flüssen und Meeren haben schon heute keinen Nachwuchs mehr. Vielleicht müssen wir Menschen die biblische Botschaft „Wachset und mehret euch“ bald aktualisieren durch den Zusatz „solange ihr noch könnt“.  

 

 Die dramatisch abnehmende Fruchtbarkeit von Mensch und Tier ist eine noch weitgehend unbeachtete und wenig erforschte Konsequenz der globalen Umweltzerstörung – eine tickende Zeitbombe.

 

 Seit 1900 ist die Weltbevölkerung von 1,6 auf über sechs Milliarden Menschen angewachsen – doch die Wasservorräte sind gleich geblieben. Heute verbraucht jeder und jede von uns in Deutschland pro Tag 120 Liter Wasser. Wasser, das so rein ist, dass man es trinken kann. Aber fürs Kochen und Trinken benötigen wir nur vier Liter pro Tag. 40 Liter Trinkwasser spülen wir täglich pro Kopf die Toilette hinunter, 52 Liter Trinkwasser brauchen wir fürs Baden und Duschen, fürs Waschen und Spülen nochmals 25 Liter Trinkwasser. Amerikaner verbrauchen pro Tag durchschnittlich sogar 400 Liter Wasser, auch sie das meiste für Toilettenspülung und Autowaschen.

 

 In den letzten Jahrzehnten haben wir Menschen mit dem Wasser etwas angestellt, was Jahrmillionen undenkbar war. Wir haben die Natur so zerstört, dass sauberes Wasser immer knapper wird. Seen, Flüsse, Bäche, sogar das Regenwasser sind so stark belastet, dass wir nur über hoch komplizierte, mehrfache chemisch-technische Verfahren Wasser wieder trinkbar machen können.

 

 Ein schöner Sommermorgen am Wetterstein. Der Bergbach hinter Schloss Elmau führt noch klares, reines Wasser. Ich schöpfe das Wasser mit den Händen und trinke es. Es schmeckt köstlich und erfrischt. Zwei etwa fünf- bis sechsjährige Jungen, die hier bei Garmisch-Partenkirchen wohl in den Ferien sind, kommen an den Bergbach und können es nicht fassen: „Darf man Wasser einfach aus dem Bach trinken? Vergiftet man sich da nicht?“ fragen sie aufgeregt. Erst ihre hinzukommende Mutter kann sie wieder beruhigen: „Nein, nein, der Mann stirbt nicht.“

 

 Wie schlimm muss es um unser Lebensmittel Wasser bestellt sein, wenn Kinder sich nicht mehr vorstellen können, dass man es aus einem Bergbach einfach trinken kann! Und unter welch naturentfremdeten  Woher sollen Kinder die Kraft und Motivation haben, sich einmal für etwas einzusetzen, das sie gar nicht mehr kennen, nämlich natürlich reines Wasser!

 

Kriege um Wasser?

In vielen Ländern der Welt versuchen Politiker den Wassernotstand dadurch zu lösen, dass sie Konzernen die Wasserversorgung übertragen. Aber viele Beispiele zeigen inzwischen, dass weltweit operierende Wasserkonzerne eher am Profit als an der Gesundheit ihrer Kunden interessiert sind. Die UNO hat Wasser zum Menschenrecht erklärt: Deshalb ist für die Wasserversorgung in erster Linie die Politik zuständig.

 

 Im Frühsommer 2005 prügelten sich deutsche Urlauber und spanische Bauern an der Costa del Sol um Brunnenwasser. Und im Sommer 1995 stritten Ägypten und der Sudan so heftig um Nilwasser, dass sogar ein Krieg befürchtet wurde. Der Jordan führt heute nur noch ein Drittel seiner früheren Durchlaufmenge ins Tote Meer. In Syrien, Jordanien, Irak und in ganz Nordafrika trocknen weite Gebiete aus. Vor allem an den Flussläufen werden die Konflikte zunehmen. Denn

  • 40 Prozent der Weltbevölkerung leben an grenzüberschreitenden Flusssystemen;
  • 120 der 200 größten Ströme beziehen wesentliche Teile ihres Wassers  aus mehr als einem Staat;
  • Treibhauseffekt und Wassermangel führen zur Versalzung der Erde.  

Die Weltbank befürchtet, dass es bald Kriege ums Wasser geben wird und nennt drei Beispiele eines "Krisenszenarios, das ganz Asien bedroht": 

  • Thailands Hauptstadt Bangkok wird im Jahre 2025 nicht mehr in der Lage sein, den Trinkwasserbedarf seiner Einwohner sicherzustellen;
  • In Indonesiens Hauptstadt Jakarta ist schon heute das Wasser aus dem städtischen Wassernetz mit Fäkalbakterien und Ammoniak verseucht.
  • In der philippinischen Hauptstadt Manila werden in fünf Jahren alle Grundwasserreserven kontaminiert sein. Sind wir noch zu retten?

Nächste Woche: Wege einer neuen Wasserpolitik 3/3 mehr

Quelle:

Franz Alt 2007

Erstveröffentlichung

HÖRZU Nr. 20 | 11.5.2007

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