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:: Wege einer neuen Wasserpolitik 3/3

Sind wir noch zu retten? Ich will die Frage in der "HÖRZU" mit Hilfe von zwei Wasser-Szenarien für das Jahr 2015 und das Jahr 2030 beantworten.
 
WASSER 2015
Eine Vision für die Zukunft: Wenn der Bundestag ein Wasserspargesetz beschließt, das Bauherren vorschreibt, sparsame Armaturen zu installieren, private Nachrüstungen wie Sparduschen, Wasserspartoiletten, Wasserspar-Waschmaschinen und Wasserspar-Spülmaschinen fördert und Großverbrauchern einen Wasserpfennig abverlangt, dann werden wir bald nur noch halb soviel Wasser verbrauchen wie heute.
 
Jedes Jahr würde so pro Kopf 25.000 Liter Wasser gespart. In zehn Jahren also 250.000 Liter. Das wären bei einer vierköpfigen Familie eine Million Liter Wasserersparnis ohne Komfort-Einschränkung.
 
Die Industrie wird – durch politische Bestimmungen – lernen, Wasser zu recyceln. Gebrauchtes Wasser kann zehn- und mehr als zehnmal verwendet werden. Wir brauchen Wasserkreisläufe, wie es die Deutsche Bahn im ICE 3 bei der Toilettenspülung schon heute vormacht. Die Landwirtschaft könnte durch unterirdische Bewässerung ihren Wasserverbrauch um zwei Drittel, die Industrie gar um 90 Prozent senken.
 
Die Chemiewerke werden in zehn Jahren nur noch Stoffe einsetzen, die sie in ihren Klärwerken abbauen können. Chlor ist in unserem Zukunftsmodell verboten. Durch Kreislaufsysteme wird der Wasserverbrauch bei der Produktion eines Kilogramm Papier auf ein Zehntel gegenüber heute reduziert. Das Kühlwasser der Großkraftwerke darf keine Schwermetalle mehr enthalten. Dezentrale und erneuerbare Energien sorgen dafür, dass die wasserschluckenden Großkraftwerke überflüssig werden.

 
WASSER 2030
Landwirte verwenden Gülle, Jauche oder Stallmist als Dünger. Wird Gülle nicht mehr wie früher verspritzt, sondern direkt über dünne Schläuche in die Böden eingebracht, kann der Wind das giftige Ammoniak nicht mehr auf Meere und Wälder tragen. Nitrat kann nicht mehr in Boden und Grundwasser gelangen, wenn der Dünger sparsam dosiert wird. Den Dünger liefern übrigens in 25 Jahren nicht mehr die Chemiekonzerne, sondern die eigenen Kühe.
 
Die chemische Industrie produziert heute 116.000 verschiedene Chemikalien, deren langfristige Auswirkungen auf Wasser und Böden wir zum großen Teil noch gar nicht kennen. Eine Wasserschutzpolitik wird bis 2030 dafür sorgen, dass nur noch Stoffe produziert werden dürfen, die biologisch abbaubar sind oder in die Produktion neu integriert werden können. Wasserkreisläufe müssen sich schließen.
 
Wenn diese alternative Wasserpolitik konsequent umgesetzt wird, dann ist die Wasserwende bis zum Jahr 2030 vollendet.
 
Alle technischen Mittel für diese Vision sind vorhanden. Was fehlt, ist ein neues Wasserbewusstsein von unten und eine neue Wasserpolitik von oben. Die Münchner Stadtwerke haben bewiesen, dass es geht und wie es geht. Noch vor 15 Jahren musste die Hälfte des Münchner Trinkwassers aus solchen Tiefen geholt werden, wo das Wasser nur langsam fließt und sich deshalb nur alle 10.000 Jahre wieder reinigt. Verantwortlich für das chemisch stark belastete Oberflächentrinkwasser war die Chemielandwirtschaft. Die Stadtwerke haben vielen Bauern im Münchner Umfeld finanzielle Anreize für den Umstieg auf Biolandwirtschaft geboten.
 
Jetzt wirtschaften hier überwiegend Biobauern ohne Kunstdünger. Die Qualität des Trinkwassers hat sich entschieden verbessert. Und die Stadtwerke, zu Recht mit dem Wasserpreis der Hundertwasser-Stiftung ausgezeichnet, sparen auch noch Geld. Denn die chemische Reinigung des Münchner Trinkwassers war teurer als die Finanzhilfe für die Biobauern. Das Rezept heißt sparen, schützen, sanieren.
 
 
Wasserschutzgebiet oder Wasserschmutzgebiet? 
Ganz Deutschland ist ein Wasserschmutzgebiet. Wie können wir wieder zu einem Wasserschutzgebiet werden? Eine wertvolle Hilfe ist die Rückbesinnung auf die Vorbilder der Natur. Dort, wo früher natürliche Landschaften mit funktionierenden Gewässersystemen zu finden waren, war in aller Regel auch eine hohe Ästhetik und Harmonie spürbar. Viele Städte verdanken dem Wasser die Qualität und Originalität ihres Stadtbildes: Venedig, Amsterdam, Bergen, Freiburg, Rio de Janeiro, San Francisco, Chikago, Detroit, Aachen, Friedrichshafen, Konstanz, Hamburg und Baden-Baden – zum Beispiel.
 
Wasser hat einen großen Einfluss auf das Stadtklima und damit auch auf das Wohlbefinden und die Psyche seiner Bewohner. Architekten werden wieder verstehen lernen, dass abfließendes Regenwasser nicht versteckt werden muss. Sein Perlen, sein Strömen kann als natürliches Kunstwerk begriffen werden. Wellenspiele und Lichtreflexionen ermöglichen Stadtbewohnern eine emotionale und bewusste Beziehung zum Naturelement Wasser.
 
In unseren Stadtbildern der Zukunft sollten Wasserkunstwerke wieder öffentliche Plätze, Gärten und Parks bereichern, offene Rinnen, die mit Regenwasser betrieben werden oder auch Teile des Abwassersystems sind, können –wie in Freiburg schon lange – der Verkehrsberuhigung dienen. 
 
Eine verantwortliche Wasserpolitik muss so konzipiert sein, dass wir unseren Kindern einmal guten Gewissens sagen können: Kinder, das ist euer Wasser! Ihr könnt wieder in den Flüssen baden und schwimmen. In den Flüssen gibt es wieder viele Fische. Und die Fische sind auch nicht mehr krank. Denn wir haben inzwischen gelernt, dass das, was die Fische krank macht, auch die Menschen krank macht.  
Wir sollten mit unseren Kindern symbolisch einen Wasser-Generationenvertrag schließen. Wir haben das Wasser nicht von unseren Eltern geerbt – wir haben es von unseren Kindern geliehen.
 
Für alle Menschen aller Generationen gilt die Erkenntnis: Wasser ist Glück, Wasser ist Wohlstand. Wasser ist aber auch Freiheit, Gerechtigkeit und Geborgenheit.
„Stirbt der Fluss, stirbt das Volk“, sagt ein brasilianisches Sprichwort. Genauso gilt aber auch: Lebt der Fluss, lebt das Volk. Wir haben die Wahl. 
Quelle:
Franz Alt 2007
Erstveröffentlichung
HÖRZU Nr. 21 | 18.5.2007
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