Zukunft
Professor Eicke Weber © ise.fraunhofer.de
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Artikel 54 von 247
:: Globales Experiment mit ungewissem Ausgang
Eicke Weber beobachtet mit Sorge, dass das Erdklima nach 12000 Jahren aus der Balance gerät.
Die ersten Wettervoraussagen für diesen Sommer sind vielversprechend: Er soll warm werden, nach einem Winter, der hier in Freiburg wohl kaum seinen NaÂmen verdient hat. Ist dies ein Anzeichen von „global warming", der globalen Klimaveränderung? Niemand kann dies beÂweisen, aber alle Anzeichen deuten darauf hin, dass wir ein globales Experiment mit ungewissem Ausgang mit dem PlaneÂten Erde begonnen haben.
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Worin besteht dieses Experiment? Seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert, ausgelöst durch die Erfindung der Dampfmaschine und der Kontrolle des elektrischen Stroms, lässt sich eine Veränderung der Zusammensetzung der Erdatmosphäre nachweisen. Diese begann zunächst langsam, hat sich dann aber - besonders in den letzten 50 Jahren - rasch beschleunigt. Dabei geht es hauptÂsächlich um den Gehalt der Atmosphäre an Kohlendioxid, CO2. Auch andere Gase reichern sich an, besonders Methan, CH4 sowie Lachgas, N20. Da aber ihre Konzentration in der Erdatmosphäre mehr als hundertmal geringer ist als die von C02 wird besonders das Kohlendioxid beobÂachtet.
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Wir kennen die historische EntwickÂlung der C02-Konzentration in den verÂgangenen 800 000 Jahren sehr gut aufÂgrund der Analyse von Eisbohrkernen, die in Grönland und Sibirien gewonnen wurden. Das Eis hat sich an diesen Stellen über Hunderttausende von Jahren gebilÂdet, jeden Winter eine neue Schicht Schnee, die später zu Eis komprimiert wurde. Bläschen in diesen Schichten zeiÂgen uns die Zusammensetzung der ErdatÂmosphäre, aus der Konzentration einer besonderen Art des SauerÂstoffes, des SauerstoffisoÂtops 's0, lässt sich sogar die Temperatur der ErdatÂmosphäre in diesem lanÂgen Zeitraum bestimmen. So haben wir gelernt, dass während einer Eiszeit die CO2 Konzentration immer besonders niedrig war und während einer Warmzeit besonders hoch.
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Weiterhin haben wir geÂlernt, dass das Erdklima in diesem langen Zeitraum sehr ungemütlich war; es gab sehr plötzliche Erderwärmungen und Temperaturstürze. In den letzten 12.000 Jahren dagegen war das Erdklima außerordentlich stabil, mit fast konstanter Durchschnittstemperatur. Die Erdwissenschaftler nennen diese PeÂriode den Holozän. Während dieser Zeit lösten Ackerbau und Viehzucht das Jäger- und Sammlerdasein ab. Die auf der Erde verstreut lebende Menschheit organisierÂte sich in Siedlungen und Städten.
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Unser globales Experiment besteht nun darin, dass die C02-Konzentration der Erde in den vergangenen 150 Jahren weit über die maximalen Werte der davor liegenden 800 000 Jahre gestiegen ist. Dieser Vorgang geht unbestreitbar auf menschlichen Einfluss zuÂrück, nur über die Folgen streiten sich die Experten. Es besteht wenig Zweifel, dass dieses globale ExperiÂment den Holozän beenÂden wird, diese delikate und erstaunliche Balance des Erdklimas der letzten zwölf Millenia. Nur die FolÂgen sind im Prinzip unabÂsehbar. Es wird SprungÂpunkte geben, von denen ab gewisse KlimaphänomeÂne wie die Monsunzyklen, ozeanische Phänomene wie der Golfstrom, oder aber auch die Methanausdünstungen der auftauenden sibirischen Tundra sich plötzlich ändern. Die Klimaforscher könÂnen nur nicht sicher voraussagen, wann dies eintreten und wie genau dies das LeÂben auf der Erde verändern wird.
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Was ist zu tun? Zunächst sollten wir die völlig unnötige Debatte beenden, welche der von uns erlebten Klimaphänomene nun wirklich menschengemacht sind und welche sich auch durch natürliche PhänoÂmene erklären lassen. Kein KlimaforÂscher kann für ein einzelnes Ereignis wie einen besonders warmen Sommer oder Winter und auch für keinen besonders heftigen Sturm mit Sicherheit sagen, dass dies eine Folge der Veränderung der ErdÂatmosphäre ist. Nur in der Häufung solÂcher Phänomene, wie der heißesten Jahre des Jahrhunderts in den vergangenen JahÂren, können wir erste Anzeichen dieser Veränderungen erkennen.
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Der weltweite Ausstoß von Klimagasen muss drastisch verringert werden
Um das Experiment noch zu stoppen, müsste die Menschheit ihren EnergieverÂbrauch und den globalen Ausstoß von KliÂmagasen drastisch verringern. Ich beÂfürchte allerdings, dass wir dazu erst dann bereit sein werden, wenn sich ein erstes, wirklich unbezweifelbares Ergebnis dieÂses Experiments ereignen wird, eine noch nie da gewesene WetterkatastroÂphe. Man könnte dies einen 11. SeptemÂber des Klimas nennen. Ich fürchte, wir werden diesen Tag gemeinsam erleben.
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Worin besteht dieses Experiment? Seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert, ausgelöst durch die Erfindung der Dampfmaschine und der Kontrolle des elektrischen Stroms, lässt sich eine Veränderung der Zusammensetzung der Erdatmosphäre nachweisen. Diese begann zunächst langsam, hat sich dann aber - besonders in den letzten 50 Jahren - rasch beschleunigt. Dabei geht es hauptÂsächlich um den Gehalt der Atmosphäre an Kohlendioxid, CO2. Auch andere Gase reichern sich an, besonders Methan, CH4 sowie Lachgas, N20. Da aber ihre Konzentration in der Erdatmosphäre mehr als hundertmal geringer ist als die von C02 wird besonders das Kohlendioxid beobÂachtet.
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Wir kennen die historische EntwickÂlung der C02-Konzentration in den verÂgangenen 800 000 Jahren sehr gut aufÂgrund der Analyse von Eisbohrkernen, die in Grönland und Sibirien gewonnen wurden. Das Eis hat sich an diesen Stellen über Hunderttausende von Jahren gebilÂdet, jeden Winter eine neue Schicht Schnee, die später zu Eis komprimiert wurde. Bläschen in diesen Schichten zeiÂgen uns die Zusammensetzung der ErdatÂmosphäre, aus der Konzentration einer besonderen Art des SauerÂstoffes, des SauerstoffisoÂtops 's0, lässt sich sogar die Temperatur der ErdatÂmosphäre in diesem lanÂgen Zeitraum bestimmen. So haben wir gelernt, dass während einer Eiszeit die CO2 Konzentration immer besonders niedrig war und während einer Warmzeit besonders hoch.
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Weiterhin haben wir geÂlernt, dass das Erdklima in diesem langen Zeitraum sehr ungemütlich war; es gab sehr plötzliche Erderwärmungen und Temperaturstürze. In den letzten 12.000 Jahren dagegen war das Erdklima außerordentlich stabil, mit fast konstanter Durchschnittstemperatur. Die Erdwissenschaftler nennen diese PeÂriode den Holozän. Während dieser Zeit lösten Ackerbau und Viehzucht das Jäger- und Sammlerdasein ab. Die auf der Erde verstreut lebende Menschheit organisierÂte sich in Siedlungen und Städten.
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Unser globales Experiment besteht nun darin, dass die C02-Konzentration der Erde in den vergangenen 150 Jahren weit über die maximalen Werte der davor liegenden 800 000 Jahre gestiegen ist. Dieser Vorgang geht unbestreitbar auf menschlichen Einfluss zuÂrück, nur über die Folgen streiten sich die Experten. Es besteht wenig Zweifel, dass dieses globale ExperiÂment den Holozän beenÂden wird, diese delikate und erstaunliche Balance des Erdklimas der letzten zwölf Millenia. Nur die FolÂgen sind im Prinzip unabÂsehbar. Es wird SprungÂpunkte geben, von denen ab gewisse KlimaphänomeÂne wie die Monsunzyklen, ozeanische Phänomene wie der Golfstrom, oder aber auch die Methanausdünstungen der auftauenden sibirischen Tundra sich plötzlich ändern. Die Klimaforscher könÂnen nur nicht sicher voraussagen, wann dies eintreten und wie genau dies das LeÂben auf der Erde verändern wird.
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Was ist zu tun? Zunächst sollten wir die völlig unnötige Debatte beenden, welche der von uns erlebten Klimaphänomene nun wirklich menschengemacht sind und welche sich auch durch natürliche PhänoÂmene erklären lassen. Kein KlimaforÂscher kann für ein einzelnes Ereignis wie einen besonders warmen Sommer oder Winter und auch für keinen besonders heftigen Sturm mit Sicherheit sagen, dass dies eine Folge der Veränderung der ErdÂatmosphäre ist. Nur in der Häufung solÂcher Phänomene, wie der heißesten Jahre des Jahrhunderts in den vergangenen JahÂren, können wir erste Anzeichen dieser Veränderungen erkennen.
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Der weltweite Ausstoß von Klimagasen muss drastisch verringert werden
Um das Experiment noch zu stoppen, müsste die Menschheit ihren EnergieverÂbrauch und den globalen Ausstoß von KliÂmagasen drastisch verringern. Ich beÂfürchte allerdings, dass wir dazu erst dann bereit sein werden, wenn sich ein erstes, wirklich unbezweifelbares Ergebnis dieÂses Experiments ereignen wird, eine noch nie da gewesene WetterkatastroÂphe. Man könnte dies einen 11. SeptemÂber des Klimas nennen. Ich fürchte, wir werden diesen Tag gemeinsam erleben.
Quelle:
Eicke Weber 2008
Der Physiker Professor Eicke Weber leiÂtet das
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE Freiburg
Erstveröffentlichung Badische Zeitung | 01.03.2008
Eicke Weber 2008
Der Physiker Professor Eicke Weber leiÂtet das
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE Freiburg
Erstveröffentlichung Badische Zeitung | 01.03.2008
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