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PETER SPIEGEL | Leiter des GENISIS Institute for Social Business and Impact Strategies © peterspiegel.de
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:: Warum uns ausgerechnet Social Business aus der Weltfinanzkrise führen kann

Warum sollte ausgerechnet Social Business einen vielleicht entscheidenden Ausweg aus der gegenwärtigen Weltfinanzkrise darstellen? Von Peter Spiegel

Nach dem Vertrauens-Totalschaden der in den vergangenen Jahren dominanten Wirtschaftsphilosophie– selbst keine Bank traut darin mehr der anderen – muss und wird es zu einem Paradigmenwechselkommen, also zu einem neuen Fundament für eine neue Art von Vertrauen. Zum Fundamentder gegenwärtigen Wirtschaftsphilosophie wurde viel zu sehr die Gier. Die Vertrauenslogik auf diesemFundament lautete: Je mehr Gier wir für „die Fittesten“ zulassen, desto mehr blühe die Wirtschaft aufund desto mehr Reichtum würde dann von oben nach unten durchträufeln. „Trickle-down“ nennen diesdie Wirtschaftstheoretiker. Heute wissen wir nun: Gier führt stattdessen zu noch mehr und zu immerwaghalsigerer Gier mit immer größeren Risiken und Nebenwirkungen für die Gemeinschaft.

 

Social Business bedeutet demgegenüber: Unternehmen folgen nicht mehr der Maxime der Gewinnmaximierung.Der Zweck von Unternehmensgründungen ist die Lösung von gesellschaftlichen Problemen,der Dienst für individuellen, gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. Social-Business-Unternehmen arbeiten dabei sehr wohl ebenfalls gewinnorientiert, aber der Hauptteil desGewinns bleibt im Unternehmen - und wird zur Ausweitung von dessen sozialem Zweck eingesetzt.

 

Wenn sich in der jetzigen Krise die Wirtschaftsphilosophie von Social Business durchsetzen würde,käme eine gründlich andere ökonomische Logik zum Tragen. Das Fundament von Social Business istSinnhaftigkeit. Die daraus sich ableitende Vertrauenslogik lautet: Je mehr Sinnhaftigkeit sich mit wirtschaftlichenTätigkeiten verbindet, desto besser werden die menschlichen Kräfte aller Menschen zumWohle aller entfaltet. Das logische Ergebnis wäre mehr und ganzheitlicherer Wohlstand für alle.

 

Sollte das Wirtschaftsparadigma Social Business nicht nur nette Traumtänzerei sein, würde es einevöllig neue Qualität wirtschaftlicher Dynamik freisetzen, die der Gier-Ökonomie weit überlegen ist. Undes würde gravierend mehr Sinnhaftigkeit, sprich ökologische, gesellschaftliche und individuelle Nachhaltigkeithervorbringen, denn dies wäre ihr unmittelbarer innerer Treibstoff. Die entscheidende Frageist also: Wie realitätsnah ist Social Business? Hierzu einige Fakten:

  • Finanzpolitische Innovationskraft. Die Gier-Ökonomie führte weit mehr als zwei Drittelder Menschheit in ein Gefängnis aus Almosen, Sozialhilfe oder unwürdige Arbeits- undAbhängigkeitsverhältnisse. In ihr wurde der weitaus größte Teil der Menschheit beispielsweiseals kreditunwürdig erklärt und damit von der Chance ausgeschlossen, ihr Lebenselbst in die Hand zu nehmen. Die Social-Business-Ökonomie kreierte währenddessenein Bankensystem, das bis heute bereits 130 Millionen „Kreditunwürdigen“ Kredite gab –die sie pünktlich zurückzahlten und die bereits Abermillionen aus dem Teufelskreis derArmut befreiten. Das „Wirtschaftswunder von unten“ ist in Bangladesh längst eine sehrbelastbare Realität. Und das Kleinkreditsystem hat sich als skalierbar auf alle Armutsregionender Welt erwiesen.
  • Ökologische Innovationskraft. Die Gier-Ökonomie hat chronische Probleme, den überlebensentscheidendenökologischen Erfordernissen gerecht zu werden. Vor allem in denweiten Armutsregionen der Welt bleibt hierfür fast kein Freiraum. Die Social-BusinessÖkonomiekreierte währenddessen durch „Grameen Shakti“ beispielsweise ein System,das Armutshaushalte mit ausreichend Solarenergie versorgt – ohne Subventionen vonaußen und zu Tarifen, die weit unter dem liegen, was die Armen bisher für Energie bezahlenmussten. Und dieses System ist skalierbar auf nahezu alle Armutshaushalte weltweit.
  • Weltwirtschaftliche Innovationskraft. Immer mehr mittelständische bis große Unternehmenerkennen derzeit, dass die Zukunft der Weltwirtschaft und ihre eigene Zukunft inder Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen für die heute noch wenig oder nichtentwickelten Märkte in den bisherigen Armutsregionen der Welt liegt. Immer mehr SocialJoint Ventures wie jenes zwischen Grameen und Danone entstehen aus diesem Grund.Gerade exportorientierte Ökonomien wie die deutsche wachsen in der Zukunft vor allementsprechend ihrer Leistung für die globale Überwindung der Armut.
  • Innerbetriebliche Innovationskraft. Selbst innerhalb der Rahmenbedingungen der GierÖkonomieerweisen sich immer mehr gerade jene Unternehmen als die erfolgreichsten,die ihre Mitarbeiter besser behandeln als ihre Konkurrenten. Auch hier erweist sich Sinnhaftigkeitals Antrieb für individuelle und gemeinschaftliche Leistungen der Gier weit überlegen.Solche Unternehmen sind gesellschaftlich nützlicher, ökonomisch profitabler sowiesinnerfüllender für die Mitarbeiter.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg erwies sich die Soziale Marktwirtschaft als ein höchst wirkungsvoller undbelastbarer Turbo eines großen Wirtschaftswunders. Verantwortlich für die Sicherstellung des Sozialenwar hier vor allem der Staat. Die Social-Business-Ökonomie bedeutet demgegenüber ein neuesParadigma. In ihr sind nach wie vor klare, von der Gesellschaft und unserer staatlichen Gemeinschaftbestimmte Rahmenbedingungen unabdingbar. Aber das Soziale ist hier nicht mehr so sehr eine staatlicheAusgleichsleistung, sondern unmittelbarer Leistungsantrieb für die Menschen in ihrer ökonomischenTätigkeit. Überall dort, wo sich bisher die neue Social-Business-Ökonomie entfaltete, werdenimmer neue Zusammenhänge zwischen individueller Sinnhaftigkeit und sozialer Qualität auf der einenSeite und ökonomischem Erfolg auf der anderen Seite entdeckt.

 

Die Social-Business-Ökonomie ist nicht nur in jeder – auch wirtschaftlicher – Hinsicht die wesentlichbessere Ökonomie als die Gier-Ökonomie. Sie ist zugleich auch die wesentlich sozialere Marktwirtschaftim Vergleich zur bisherigen Sozialen Marktwirtschaft. Sie ist eine Soziale Marktwirtschaft einerhöheren Ordnung. In ihr wird nicht nur der Staat, sondern werden wir sozialer, weil wir dies als persönlichund ökonomisch weitaus intelligenter und sinn-reicher erkennen.

 

Der VISION SUMMIT 2008 führt viele Pioniere der Social-Business-Ökonomie am 1. und 2. Novemberin Berlin zusammen. Nutzen wir dies zu einem Durchbruch für eine grundlegend neue Wirtschaftsphilosophieund für eine neue Vertrauensbasis für unsere gemeinsame Zukunft.

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