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Artikel 155 von 307
:: Die "Goldene Regel" des Mitgefühls
Weihnachten 2006: Kriege im Irak und Afghanistan, Bürgerkriege in Afrika und ein neues Bewusstsein für den Klimawandel. Wir registrieren wieder, dass der Meeresspiegel steigt, die Eisberge an den Polen schmelzen, die Wüsten täglich größer werden, das Artensterben dramatisch wird und Taifune sowie Hurrikans an Heftigkeit und Häufigkeit zunehmen. Wir spüren auch deutlicher als früher, dass wir die erste Generation der Menschheit sind, die darüber entscheidet, ob wir zugleich die letzte sein werden.
Kriege und Umweltkatastrophen bewirkten aber auch eine zunehmende Sensibilität für unsere Verantwortung gegenüber künftigen Generationen. Nur eine Erde im Gleichgewicht gibt Gewissheit über eine gute Zukunft. Was oder wer könnte uns helfen? Gibt es Vorbilder, die uns Auswege aus der Krise zeigen könnten?
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Ja, die gibt es! Eine neue Politik des Mitgefühls gegenüber der Natur, der Ehrfurcht vor allem Leben und der Liebe gegenüber Feinden lehren die alten Religionen und alle Weisheitslehren. Die berühmte "Goldene Regel" der Liebe und des Mitgefühls finden wir nicht nur in der Bergpredigt, sondern ebenso im Koran, im Alten Testament und in allen östlichen Religionen.
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Die nackte Not des Klimawandels und der Kriege, aber auch die Brutalität weltweit wachsender religiöser Fundamentalisten zwingen uns geradezu nach einem gemeinsamen Weltethos zu suchen. Nur Werte, die von allen Menschen aller Kulturen und Religionen gemeinsam verstanden und vertreten werden, können uns in einer sich immer mehr globalisierenden Welt noch retten.
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Auf die Frage, ob man mit der Bergpredigt regieren könne, sagte Richard von Weizsäcker: "In der heutigen Gefahrensituation kann man nur noch mit der Bergpredigt regieren." Das ist ein neuer Ton in der alten Politik.
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Die Bergpredigt und alle großen Religionen bieten einen Leitstern des Mitgefühls, eine Politik der Liebe bis hin zur Feindesliebe. Die Weisen unserer Geschichte laden uns seit Jahrtausenden dazu ein. Doch wir hatten sie bisher mehrheitlich nicht wirklich verstanden. Sonst sähe die Welt Ende 2006 besser aus.
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Der Irak-Krieg hat wieder einmal gezeigt, dass Gewalt kein Mittel der Problemlösung ist. Gewalt erzeugt Angst und damit Gegengewalt. Das Prinzip der Stärke erzeugt Angst und Unsicherheit. Der Zwillingsbruder der Angst ist immer die Unsicherheit. Aber der Zwillingsbruder des Mitgefühls ist Weisheit. Und Weisheit ist die Essenz der "Goldenen Regel" in allen Religionen.
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Ohne Mitgefühl gibt es keinen Frieden, weder Frieden zwischen Religionen, Kulturen, Gruppen und Völkern noch Frieden mit der Natur. "Nicht mitzuhassen, sondern mitzulieben" sind wir hier. Das wusste schon Antigone in der Antike.
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Erstmals in der Menschengeschichte hängt unser Überleben von einer radikalen geistigen und seelischen Umkehr ab, von einer ethischen Ökologie und einer ökologischen Ethik, von einer Politik des Friedens und einer friedlichen Politik. Wenn Liebe und Mitgefühl die Leitsterne der Politik werden, wird Politik wirklich zukunftsfähig.
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Die Basis dieser Politik heißt im Volksmund: "Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem andern zu." In der Sprache des Bergpredigers und aller Religionsstifter heißt derselbe Gedanke positiv ausgedrückt: "Was immer ihr wollt, dass euch getan werde, das tut ebenso eurem Nächsten" (Matthäus 7,12).
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Diese Worte meinen heute ganz einfach "Multilateralismus" anstatt Einzelgänge einer Großmacht! An die Adresse von George W. Bush: "Behandle andere Staaten so wie du von ihnen behandelt werden willst."
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Diese Erkenntnis enthält den ethischen Imperativ einer neuen Politik der Balance und des Ausgleichs. George W. Bush müsste dabei freilich verstehen, was ihm der Dalai Lama nach dem 11. September 2001 schrieb: "Lieber Herr Präsident: Auch Bin Laden ist unser Bruder." Oder in der einfachen Sprache der Weihnachtsbotschaft: Wir alle sind Kinder Gottes.
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Die Liebe zur Macht kann letztlich nur durch die Macht der Liebe überwunden werden. Das klingt vielleicht romantisch, in Wahrheit ist es unser Überlebensprogramm. Im Atomzeitalter und im Zeitalter der globalen Umweltkrise scheint durch diese uralte Erkenntnis ein neuer Pfad, wenn auch ein noch schmaler Pfad, für eine bessere Welt.
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Für das Überleben der Menschheit benötigen wir intelligentere Strategien als bisher. Mit immer raffinierteren Techniken haben wir bisher Strategien der möglichen Zerstörung allen Lebens entwickelt. Diese Phase der Geschichte müssen wir beenden. Wir können sie auch beenden.
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Europa hat nach dem Fall der Mauer 1989 bewiesen, dass mit klugen, sozialen und politischen Strategien die Zeiten der Kriege überwunden werden können. Europa hat gelernt und lernt noch, dass Kooperation klüger ist als Konfrontation. Jetzt sollten wir lernen, dass es klüger ist das Eis in den Herzen der Menschen zum Schmelzen zu bringen als das Eis an den Polen unseres Heimatplaneten.
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Die Techniken sind bereits vorhanden. Und das heißt: Noch besteht Hoffnung, dass wir das Schlimmste verhindern können - mit sanften, erneuerbaren Energien, die nicht den Planeten ruinieren.
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Und Hoffnung ist die wichtigste Zukunfts-Ressource überhaupt. Wir sollten die uns angeborene Intelligenz dafür verwenden, nach dem Prinzip Hoffnung, Vertrauen und Mitgefühl unser Leben und unsere Politik zu gestalten. Diese uralte gemeinsame Erkenntnis aller Religionsstifter und Weisheitslehrer ist nicht "Schnee von gestern", sondern Musik für eine bessere Welt.
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Ja, die gibt es! Eine neue Politik des Mitgefühls gegenüber der Natur, der Ehrfurcht vor allem Leben und der Liebe gegenüber Feinden lehren die alten Religionen und alle Weisheitslehren. Die berühmte "Goldene Regel" der Liebe und des Mitgefühls finden wir nicht nur in der Bergpredigt, sondern ebenso im Koran, im Alten Testament und in allen östlichen Religionen.
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Die nackte Not des Klimawandels und der Kriege, aber auch die Brutalität weltweit wachsender religiöser Fundamentalisten zwingen uns geradezu nach einem gemeinsamen Weltethos zu suchen. Nur Werte, die von allen Menschen aller Kulturen und Religionen gemeinsam verstanden und vertreten werden, können uns in einer sich immer mehr globalisierenden Welt noch retten.
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Auf die Frage, ob man mit der Bergpredigt regieren könne, sagte Richard von Weizsäcker: "In der heutigen Gefahrensituation kann man nur noch mit der Bergpredigt regieren." Das ist ein neuer Ton in der alten Politik.
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Die Bergpredigt und alle großen Religionen bieten einen Leitstern des Mitgefühls, eine Politik der Liebe bis hin zur Feindesliebe. Die Weisen unserer Geschichte laden uns seit Jahrtausenden dazu ein. Doch wir hatten sie bisher mehrheitlich nicht wirklich verstanden. Sonst sähe die Welt Ende 2006 besser aus.
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Der Irak-Krieg hat wieder einmal gezeigt, dass Gewalt kein Mittel der Problemlösung ist. Gewalt erzeugt Angst und damit Gegengewalt. Das Prinzip der Stärke erzeugt Angst und Unsicherheit. Der Zwillingsbruder der Angst ist immer die Unsicherheit. Aber der Zwillingsbruder des Mitgefühls ist Weisheit. Und Weisheit ist die Essenz der "Goldenen Regel" in allen Religionen.
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Ohne Mitgefühl gibt es keinen Frieden, weder Frieden zwischen Religionen, Kulturen, Gruppen und Völkern noch Frieden mit der Natur. "Nicht mitzuhassen, sondern mitzulieben" sind wir hier. Das wusste schon Antigone in der Antike.
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Erstmals in der Menschengeschichte hängt unser Überleben von einer radikalen geistigen und seelischen Umkehr ab, von einer ethischen Ökologie und einer ökologischen Ethik, von einer Politik des Friedens und einer friedlichen Politik. Wenn Liebe und Mitgefühl die Leitsterne der Politik werden, wird Politik wirklich zukunftsfähig.
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Die Basis dieser Politik heißt im Volksmund: "Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem andern zu." In der Sprache des Bergpredigers und aller Religionsstifter heißt derselbe Gedanke positiv ausgedrückt: "Was immer ihr wollt, dass euch getan werde, das tut ebenso eurem Nächsten" (Matthäus 7,12).
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Diese Worte meinen heute ganz einfach "Multilateralismus" anstatt Einzelgänge einer Großmacht! An die Adresse von George W. Bush: "Behandle andere Staaten so wie du von ihnen behandelt werden willst."
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Diese Erkenntnis enthält den ethischen Imperativ einer neuen Politik der Balance und des Ausgleichs. George W. Bush müsste dabei freilich verstehen, was ihm der Dalai Lama nach dem 11. September 2001 schrieb: "Lieber Herr Präsident: Auch Bin Laden ist unser Bruder." Oder in der einfachen Sprache der Weihnachtsbotschaft: Wir alle sind Kinder Gottes.
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Die Liebe zur Macht kann letztlich nur durch die Macht der Liebe überwunden werden. Das klingt vielleicht romantisch, in Wahrheit ist es unser Überlebensprogramm. Im Atomzeitalter und im Zeitalter der globalen Umweltkrise scheint durch diese uralte Erkenntnis ein neuer Pfad, wenn auch ein noch schmaler Pfad, für eine bessere Welt.
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Für das Überleben der Menschheit benötigen wir intelligentere Strategien als bisher. Mit immer raffinierteren Techniken haben wir bisher Strategien der möglichen Zerstörung allen Lebens entwickelt. Diese Phase der Geschichte müssen wir beenden. Wir können sie auch beenden.
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Europa hat nach dem Fall der Mauer 1989 bewiesen, dass mit klugen, sozialen und politischen Strategien die Zeiten der Kriege überwunden werden können. Europa hat gelernt und lernt noch, dass Kooperation klüger ist als Konfrontation. Jetzt sollten wir lernen, dass es klüger ist das Eis in den Herzen der Menschen zum Schmelzen zu bringen als das Eis an den Polen unseres Heimatplaneten.
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Die Techniken sind bereits vorhanden. Und das heißt: Noch besteht Hoffnung, dass wir das Schlimmste verhindern können - mit sanften, erneuerbaren Energien, die nicht den Planeten ruinieren.
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Und Hoffnung ist die wichtigste Zukunfts-Ressource überhaupt. Wir sollten die uns angeborene Intelligenz dafür verwenden, nach dem Prinzip Hoffnung, Vertrauen und Mitgefühl unser Leben und unsere Politik zu gestalten. Diese uralte gemeinsame Erkenntnis aller Religionsstifter und Weisheitslehrer ist nicht "Schnee von gestern", sondern Musik für eine bessere Welt.
Quelle:
Franz Alt 2006
Franz Alt 2006
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