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:: Wüsten schreiten voran, auch in Europa

Weit brauchen die Experten nicht zu schauen, um die fortschreitende Verwüstung festzustellen. Denn auch um die spanische Hauptstadt Madrid herum, kann die Wüstenbildung gut beobachtet werden, wo seit Montag Experten aus 191 Staaten darüber beraten, wie dem globalen Phänomen begegnet werden kann.
Etwa 2000 Fachleute und Politiker werden sich in dem Land noch bis zum 14. September mit dem Thema beschäftigen, das in Europa am Stärksten von der "Desertifikation" betroffen ist. Doch Spanien macht wieder einmal schönes Wetter, um tief in die Subventionskasse greifen zu können, denn tatsächlich ist das Land das Negativbeispiel, das die Experten analysieren könnten.

"Die Dürre ist ein langsamer Mörder, aber sie ist sehr effizient", erklärte der Stellvertretende Exekutivsekretär der "UN-Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation" (UNCCD). So eröffnete Gregoire de Kalbermatten die achte UN-Konferenz und warnte drastisch vor den Folgen, welche die Verwüstung ganzer Landstriche für etwa 1,2 Milliarden Menschen haben werden. Am stärksten Betroffen sind die ärmsten Regionen in Afrika, Südamerika und Asien.

Ein Drittel der gesamten Erdoberfläche droht zur Wüste zu werden, Spanien liegt damit genau im Durchschnitt, schätzt die UN. Deshalb würden alsbald 135 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen werden. Wichtigste Gründe für die Desertifikation sind die menschlichen Aktivitäten: Exzessive Landnutzung, exzessive Beweidung, Entwaldung, sowie und defekte und falsche Bewässerungssysteme. Die verstärkte Nutzung von so genannten Biosprit , wird die Tendenz weiter verstärken.

Die Klimaveränderungen, auch durch den Menschen erzeugt, seien nicht die Ursache, verstärkten den Vorgang aber. "Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem die internationale Gemeinschaft die notwendigen Werkzeuge finden muss, um dieser immer größer werdenden Herausforderung zu begegnen", forderte Kalbermatten.

Bisher wird das Problem nur wenig beachtet, obwohl es sich bei der UNCCD um eines der zwei Abkommen handelt, das aus dem Klimagipfel 1992 hervorgegangen ist. Viel wird zwar über Klimaschutz gesprochen, aber die damit verknüpften Phänomene, wie der Rückgang der Artenvielfalt und die Desertifikation, führen bisher nur ein Schattendasein.

„Jetzt müssen wir vom Wissen zur Aktion schreiten“, forderte auch die gastgebende spanische Umweltministerin. Die Sozialistin Christina Narbona will auch verstärkt die EU in den Kampf gegen die Wüstenbildung einbinden. Die soll sich auch hier an die Spitze stellen und ein Zentrum gegen Desertifikation schaffen, das in Spanien seinen Sitz haben soll. Reichlich Geld soll fließen, um auch gegen Sünderstaaten vorzugehen. Als Vorbild könne das Klima-Protokoll von Kioto dienen.

Doch Spanien müsste sich dann selbst bestrafen. Ist es nicht das Land, dass sich in der EU sich am weitesten von den Klimaschutzzielen entfernt hat?  Landesweit hat der Ausstoß von Klimagasen um 53 Prozent zugenommen. Zugebilligt wurden Spanien, wegen der nachholenden Entwicklung, einst eine Erhöhung um 15 Prozent über die Marke von 1990.

Narbonas Worte auf der Konferenz leiten wohl eher einen neuen Griff in den Subventionstopf ein. Denn Spanien, wo ebenfalls ein Drittel des Landes droht zur Wüste zu werden, kann als Negativbeispiel analysiert werden. So gibt es zum Beispiel im extrem trockenen Süden Hotels, die sich als "Golfparadies" preisen, weil gleich 16 der extremen Wasserschlucker im Umfeld angesiedelt sind. Trotze anhaltender Dürre stoppt die Regierung diesem Wahnsinn nicht. Die sich ausbreitenden Flächen für den Tourismus wurden oft über Brandstiftung von Wäldern befreit, um sie Umnutzen zu können.

Das führt genauso zur Erosion, wie die zumeist falsch eingesetzte Bewässerung, die auch die Wüstenbildung vorantreibt. Am Mittelmeer habe sich die bewässerte landwirtschaftlichen Flächen in 50 Jahren verdoppelt, stellte die Umweltorganisation WWF fest, Mitglied des Europäischen Netzwerk gegen Desertifikation (eniD). Spanien sei der "fehlgeleiteten EU-Subventionspolitik gefolgt" und deshalb hätten Bauern statt Oliven und Zitronen Zuckerrüben angepflanzt. Den steigenden Wasserbedarf für Tourismus und Landwirtschaft werde oftmals über illegale Brunnen gedeckt. Sogar Narbonas Ministerium rechnet damit, dass es im Land mindestens eine halbe Million illegaler Brunnen gibt. Doch statt dagegen vorzugehen, machte der WWF in einer Studie deutlich, dass dieser Wasserklau von der Regierung sogar weiter subventioniert wird.

Am Wochenende hatten sich 70 Vertreter aus 50 Ländern des Netzwerks in Madrid getroffen, um von den Verantwortlichen zu fordern, das Problem endlich ernst zu nehmen. Die Vertreter der Umwelt- und Entwicklungsorganisationen warnen, dass nicht viel Zeit bleibe. Werde nicht schnell reagiert, beraube der starke Verlust an fruchtbaren Boden zahllose Menschen ihrer Lebensgrundlage und zwingen sie zur Flucht.

Dass im letzten Jahr 32.000 Menschen die Flucht aus Afrika, trotz Frontex-Abschottung auf die Kanarischen Inseln gelungen ist, ist nur die Spitze des Eisbergs. Ohnehin haben Tausende das Leben dabei verloren. Angesichts der Entwicklung handelt es sich aber nur um die Spitze des Eisbergs.
Quelle:
Ralf Streck 2007
Indymedia Deutschland 2007
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