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:: Jesus heute: Jesus und die Politik des Dalai Lama (Teil 2)

Obwohl die meisten Politiker bezweifeln, dass man im Geiste der Bergpredigt Jesu regieren kann, gibt es eine respektable Reihe von weltbekannten Politikern, die mit der Gewaltfreiheit der Bergpredigt erfolgreich Politik gemacht und dem Frieden gedient haben.
Martin Luther King hat in den USA ganz wesentlich zur Emanzipation der Schwarzen im Geiste Jesu beigetragen, Mahatma Gandhi hat in Indien ein Milliardenvolk mit einer Politik der Gewaltfreiheit in die Unabhängigkeit von der Großmacht England geführt und  Nelson Mandela sowie Bischof Tutu haben in Südafrika unter ausdrücklicher Berufung auf Jesu Bergpredigt die menschenverachtende Politik der Rassentrennung aufgehoben.

Und heute versucht der Dalai Lama eine Politik der Bergpredigt für Tibet. An seinem Beispiel wird freilich auch deutlich, dass der Erfolg einer Bergpredigt-Strategie niemals garantiert ist und schon gar nicht der schnelle Erfolg. Eine erfolgreiche Politik der Bergpredigt erfordert Geduld, Gottvertrauen und souveräne Beharrlichkeit. Jesus landete schließlich am Kreuz, Mandela war 28 Jahre im Gefängnis für seine Überzeugung und Gandhi wurde wegen seiner Politik der Gewaltfreiheit ermordet.

„Die acht Seligpreisungen der Bergpredigt sind wie der achtfache Pfad des Buddha ein Weg zum  Frieden und Glück“, sagte mir der Dalai Lama schon vor über 20 Jahren. Und als mein Buch „Der ökologische Jesus – Vertrauen in die Schöpfung“ erschienen war, meinte der „Papst des Ostens“ lachend: “Ihr nächstes Buch sollte „Der ökologische Buddha“ heißen, denn in zentralen Fragen der Menschheit waren sich unsere großen Vorbilder wie Buddha, Jesus, Laotse oder Gandhi völlig einig. Sie wollten vor allem, dass alle Menschen glücklich werden und in Frieden leben.“
Ausdrücklich stimmt der Dalai Lama der These des christlichen Theologen Hans Küng zu: „Ohne Religionsfrieden kein Weltfrieden“. Bei der Friedenssuche sollten Religionen Vorbilder, Vorreiter und Vorkämpfer sein, was sie freilich oft nicht waren.

Unter Frieden versteht der Dalai Lama keinen Frieden um jeden Preis. „Gerechtigkeit ist die Bedingung für Frieden“, meint er und verweist darauf, dass der Frieden zwischen China und Tibet vor allem deshalb so schwer zu erreichen sei, weil die chinesischen Besatzer in seiner Heimat im Himalaya seit bald 60 Jahren ein  verbrecherisches Unrechtsregime errichtet haben, das die Würde und Menschrechte der Tibeter brutal verletzt. Der sanft und - wie er ausdrücklich sagt – „der Bergpredigt Jesu verpflichtete“ Dalai Lama  findet sehr klare Worte, wenn es um die Menschenrechte in Tibet geht: „China betreibt in Tibet eine Art kulturellen Völkermord. Politische Gefangene werden gefoltert. Es gibt Zwangstötungen von Neugeborenen und Zwangsabtreibungen wegen der chinesischen Ein-Kind-Familienpolitik“.

Gewaltlosigkeit heißt für wirkliche Bergpredigt-Freunde nicht Feigheit vor dem Feind, sondern Klugheit, nicht Angst und Duckmäusertum, sondern Mut und Aufrichtigkeit. „Gewalt“, sagt der Dalai Lama, „ist einfach ein Zeichen von Schwäche und Dummheit.“

Wenn aber eine Politik der Gewaltlosigkeit 60 Jahre lang keine Erfolge bringt und ein Ende der chinesischen Gewaltherrschaft immer noch nicht abzusehen ist, hat der Dalai Lama Verständnis dafür, dass junge Tibeter ungeduldig werden und auch den bewaffneten  Kampf gegen China fordern? „Verständnis ja“, sagt der Friedensnobelpreisträger, der seit 50 Jahren im indischen Exil leben muss und der prominenteste Flüchtling der Welt ist. Er fügt jedoch hinzu:“Wenn junge Tibeter tatsächlich Gewalt anwenden würden, dann würde ich aus Protest dagegen von allen Ämtern zurücktreten.“

Noch immer hofft der Dalai Lama, dass eines Tages auch chinesische Politiker die Vorteile eines friedlichen und gerechten Ausgleichs in Tibet erkennen und nutzen. Der Dalai Lama bietet China schon lange an, dass Tibet im chinesischen Staatsverband bleibt, wenn es dafür mehr kulturelle und religiöse Unabhängigkeit bekommt. Tibet könnte eines Tages einen Status innerhalb Chinas erhalten wie heute Südtirol innerhalb Italiens, meint er. Ein Angebot an China, das ernsthaft geprüft werden sollte.

Jesu Botschaft heißt: „Selig sind die Friedensstifter“ und „Liebt auch Eure Feinde“. Auch für Martin Luther King ist die Feindesliebe der Bergpredigt der Schlüssel zum Frieden. King kurz vor seiner Ermordung: „Die Liebe auch zu unseren Feinden ist der Schlüssel, mit dem sich die Probleme der Welt lösen lassen. Jesus war kein weltfremder Träumer, sondern ein praktischer Realist.“

 Auch deshalb ist es gut und realpolitisch richtig, dass die Bundeskanzlerin vor kurzem den Dalai Lama empfangen hat. Das war ein wichtiges Zeichen für Frieden und humanitäre Außenpolitik. Schon nach seinem ersten Treffen mit Angela Merkel 2005 hatte mir der Dalai Lama gesagt: „Politikerinnen sind oft mutiger als Politiker.“
Die ganze Weihnachtsbotschaft des jungen Mannes aus Nazareth heißt: Frieden ist nur mit friedlichen Mitteln möglich. Frieden lässt sich niemals herbei bomben. Das beweist der Irak-Krieg erneut. Frieden entsteht durch Dialog, Verhandeln, Verständnis auch für den „Feind“ und durch fairen Interessenausgleich.

Auch die Gewalt von Terroristen besiegen wir erst an dem Tag, an dem wir der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen. Das ist der Tag, an dem auf dieser Welt kein Kind mehr verhungern muss. Das ist die eigentliche Frohe Botschaft des Kindes in der Krippe.

Jesus heute: Kann man mit der Bergpredigt regieren? (Teil 1)
Quelle:
Franz Alt 2007
Erstveröffentlichung
"HÖR ZU" Nr. 51/Dez. 2007
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