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Prof. Dr. med. habil. W. Huber ist Arzt für Innere Medizin, Nephrologie und Umweltmedizin. © Jörg Ladwig
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Interview 31 von 111

:: "Wenn die Umwelt krank macht, ... muss die Politik handeln"

Umweltmediziner Prof. Dr. med. Wolfgang Huber zum Thema Umwelterkrankungen.
Unsere Eingriffe in die Natur zeigen Folgen. Jeder redet von sterbenden Bienen, Klimawandel und Reduktion von Flora und Fauna. Was passiert mit uns Menschen?

Schäden durch Innenraumschadstoffe am Immun- und Nervensystem häufen sich. Krankheiten wie Entzündungs- und Stoffwechselerkrankungen, Allergien, Krebs, Neuro- und Encephalopathien, Fettsucht und Diabetes breiten sich immer mehr aus.

Patienten werden immer jünger
Die erste Frage, die sich daher stellt ist: Welche Ursachen hat dies? Multisystemerkrankungen wie z. b. chronische Erschöpfung (CFS) und organische Krankheiten in Folge von Vergiftungsgeschehen werden immer öfter diagnostiziert. Gehäufter als zuvor, klagen Menschen über Symptome einer gestörten Entgiftungskapazität, des Morbus Parkinson, des Morbus Alzheimer und chronischer Schmerzen. Sind das die Folgen für uns Menschen aufgrund einer Überbelastung mit Schadstoffen? Das Team der Umweltrundschau will es für SIE genauer wissen.


UR: Sehr geehrter Herr Prof. Huber, Sie sagen, dass es evident ist, dass Entzündungsprozesse nicht allein auf bakterielle und virale Erkrankungen begrenzt sind. Ebenfalls werden Sie bei Chemikalien- und Metallbelastungen, bei chronisch internistischen Erkrankungen wie Arteriosklerose, Diabetes mellitus, entzündliche Darmerkrankungen und rheumatischen Erkrankungen nachgewiesen. Was bedeuten diese Zusammenhänge für den aktuellen Wissensstand der niedergelassenen Ärzte?
Prof. W. Huber: Es bestehen Parallelen hinsichtlich der Entzündungsprozesse und internistischer Erkrankungen.

UR: Welche Auslöser spielen konkret bei Umwelterkrankten eine wesentliche Rolle?
Prof. W. Huber: Auslöser (Noxen), die vermehrt in Folge eine Erkrankung aus dem Fachbereich der Umweltmedizin nach sich ziehen sind: Pestizide, Schwermetalle, Lösungsmittel, Toner u. v. A.

UR: Wie sieht es ihrer Erfahrung nach mit der sozialen Gerechtigkeit für Schadstoffgeschädigte aus? Werden Berufserkrankungen aus Sicht der Umweltmedizin ausreichend vermieden?
Prof. W. Huber: Es bestehen eindeutige, erhebliche Gerechtigkeitslücken im Berentungsrecht und in den Berufskrankheiten- und Schwerbehinderungsverfahren. [5]

UR: Was kann jeder Einzelne tun, um sich vor einer Umwelterkrankung durch Schadstoffe zu schützen?
Prof. W. Huber: Das Primäre ist die Reduktion der Schadstoffbelastung.

UR: Im Vorfeld des Fachgespräches "Wenn die Umwelt krank macht, ... muss die Politik handeln" haben Sie sich mit anderen Medizinern und Rechtsanwälten in einer Stellungnahme [4] gegen die Antwort [3] der Bundesregierung zum Stand der medizinischen Versorgung in Deutschland eingesetzt. Wie ist der Stand der Umwelterkrankten aus ihrer persönlichen Sicht zu bewerten?
Prof. W. Huber: In der Regel steht den Patienten nur eine Privatärztliche Versorgung zur Verfügung. Erforderliche antioxidative Behandlungsverfahren werden meist von den Kassen nur mangelnd oder gar nicht bezahlt.

UR: Welche Möglichkeiten hat ein umweltkranker Mensch und welche Maßnahmen können helfen um eine gesundheitliche Verbesserung zu erzielen und werden diese von den Krankenkassen übernommen?
Prof. W. Huber: Diagnostik- und Therapie werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Die Privaten Krankenkassen übernehmen nur begrenzt die Kostenerstattung.

UR: Wie sieht die Arbeitsplatzsituation für Menschen aus, die im Alltag nicht mehr mit Duftstoffen oder Ähnlichem wie z. b. Chemikalien konfrontiert werden dürfen?
Prof. W. Huber: In der Regel werden sie arbeitslos.

UR: Nun sind Sie schon seit 43 Jahren als Arzt für Innere Medizin, davon 33 Jahre als Dialysearzt und 10 Jahre als Umweltmediziner, tätig. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für Ihre Patienten und die Umweltmedizin in Deutschland wünschen?
Prof. W. Huber: Anerkennung der Umwelterkrankungen als Entzündungserkrankungen.

UR: Wo sehen Sie einen politischen Handlungsbedarf um Schadstoffgeschädigte (Umwelterkrankte) zu unterstützen und ihnen ihre Rechte zukommen zu lassen?
Prof. W. Huber: Handlungsbedarf besteht in der Beweislastumkehr. Insbesondere ist sie erforderlich bei Rechtsverfahren im Berufskrankheitenrecht.

UR: Vielen Dank für dieses informative Gespräch. Wir wünschen Ihnen Alles Gute für die Zukunft und weiterhin viel Gesundheit und Kraft.


Links:
[1] Fachgespräch am 20.6.2008: www.gruene-bundestag.de/cms/termine/dok/235/235488._wenn_...
[2] Kleine Anfrage der Bundestags Grünen:
dip.bundestag.de/btd/16/046/1604657.pdf[3] Antwort der Bundesregierung vom 17.04.2007
Im Bundestag notiert: Umweltmedizin: www.bundestag.de/aktuell/hib/2007/2007_100/11.html[4] Stellungnahme zur Antwort der Bundesregierung:
www.umweltbedingt-erkrankte.de/downloads/kleine_anfrage_d...
[5] "Krank durch den Beruf - Stolpersteine zur Anerkennung Mehr als eine Gerechtigkeitslücke" (Autoren: Prof. Dr. med. Wolfgang Huber und Rechtsanwalt Wilhelm Krahn-Zembol: umwelt-medizin-gesellschaft/ 19/ 1: 62-66/2006)
www.umg-verlag.de/umwelt-medizin-gesellschaft/106_h_kz.html
[6] Deutscher Berufsverband der Umweltmediziner (dbu)
www.dbu-online.de/
Quelle:
Umweltrundschau | Aida Infante | Klaus Fenslau 2008
redaktion@umweltrundschau.de
openPR 2008
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