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:: Ein weiser Radikaler

Der Begründer des Alternativen Nobelpreises sagt, was wir „unseren Kindern schuldig“ sind. Von Rupert Neudeck
Er sei nicht Optimist und nicht Pessimist, schreibt der Begründer des Alternativen Nobelpreises Jakob von Uexküll, er sei Possibilist. In einem schmalen, aber inhaltreichen Bändchen kündigt er uns vom Zustand der Welt und dass es möglich ist, sie zu ändern. Er ist jemand in der Nachfolge von Albert Schweitzer und Mahatma Gandhi, der die Vergeudung unserer Weltressourcen und unserer Gelder anprangert und immer gleich neue gute Ideen hat: Wir haben jetzt die Wahl, schreibt er: „Wir können uns gegenseitig umbringen im Kampf um immer knappere Ressourcen, oder wir können mit den nötigen Strukturanpassungen bei uns anfangen“. Jedes Projekt der Hoffnung werde von den globalen Spekulanten milde belächelt: Wer soll das bezahlen? Aber der Papst habe schon gewarnt vor der „besonderen Form der Tyrannei. Dem internationalen Imperialismus des Geldes“.
 
Die nächsten Generationen können sich nicht mehr Kinder leisten. Auch keine Eltern und Großeltern mehr, da die Renten zu teuer sind. Zu teuer ist auch „Mitmenschlichkeit“. Daher müssen die „Schulden der Armen eingetrieben werden.“ Der Respekt vor dem Leben sei unbezahlbar. Von den 250 Mio. Tieren, die jedes Jahr in Europa aus wirtschaftlichen Gründen hin und hergeschoben werden, kämen 25 Mio. tot an.
 
Es geht aber um eine kopernikanische Wende. Uexküll hat neue klare Worte, weil mit der Genauigkeit der Sprache fange ja alles an: Wir brauchen nicht mehr „Think Tanks“, wir brauchen „Do Tanks“. Es gäbe keine Alternative zum Primat einer globalen Ethik. Ob die politischen Ziele rechtzeitig dem Primat der Ethik untergeordnet werden, sei eine Machtfrage, die von uns allen abhänge. Er hält es mit einem seiner Alternativen Nobelpreisträger: „Was wir wollen, wird sehr schwierig sein, aber was die Vertreter der herrschenden Ordnung wollen, ist schlicht unmöglich!“ Er nennt die merkwürdigen NGOs, die von den großen Firmen in den USA gegründet werden BINGOs, d.h. „Business Initiated NGOs“.
 
Er hadert mit den alten ehrwürdigen Gruppen wie den Kirchen, die so wenig bereit sind, radikal für die Menschen und die Kinder zu kämpfen. „Warum  haben unsere Kirchen nicht darauf bestanden, dass im biblischen Erlassjahr 2000 die Schulden tatsächlich erlassen wurden?“ Ja, er geht einen Schritt weiter: Warum werden „christlichen“ Politikern (in Deutschland weiß man, wen er meint!) nicht die Exkommunikation angedroht, wenn sie diesem Gebot nicht folgen. Wenn er das im Kreise von Bischöfen und Kardinälen gefordert habe, sei helles Entsetzen die Folge gesehen. Die Kirche, sagte ihm ein Bischof, können nur „von hinten führen“ und müsse warten, bis eine Katastrophe die Menschen in den reichen Ländern aufwecke. Was er damit meine? fragt Uexküll nach. Antwort: Z.B. die „Überflutung Londons.“
 
Wir mögen den Kalten Krieg gewonnen haben, „aber unser Krieg gegen die Natur kann nicht gewonnen werden“. Deshalb fordert er eine öko-soziale globale Marktwirtschaft und Institutionen, die sie durchsetzen. Finanzieren kann man das mit Abgaben auf Währungsspekulationen und andere Missbräuche unserer Weltordnung. Wenn wir nämlich in dem gemächlichen Tempo so weitermachen bei der Erfüllung der Millenniums Ziele dann werden diese Ziele, wie der ex-Weltbank Präsident Wolfensohn erklärt habe, nicht 2015, sondern 2150 erreicht…
 
Uexküll hat den World Future Council initiiert, damit wir an unsere Verantwortung erinnert werden. Der Geist der Erneuerung braucht – so zitiert der Autor die große Hannah Arendt - seine eigenen Institutionen“. Die Frage sei immer, wie man den Rahmen des politisch machbaren erweitern kann. Al Gore hätte geklagt, als er Vizepräsident der USDA war: Nicht einmal das Minimum dessen, meinte er, was ökologisch notwendig wäre, sei politisch durchzusetzen. Man muss sich keine Sekunde beirren lassen: „Wir brauchen eine tiefgreifende ökologische Steuerreform, um die notwendige Steigerung der Energieeffizienz durchzusetzen.“ Bei den alternativen Energien lobt er das deutsche Energieeinspeisungsgesetz, „weil es weltweit das fortschrittlichste ist“.
 
Die beste Antwort, so schließt der große Reformer, habe ein kluges junges Mädchen (Anne Frank) geliefert, das sich in Amsterdam vor ihren Nazi Mördern versteckt habe: „Wie wunderbar ist es doch, dass niemand auch nur einen einzigen Augen blick warten muss, bevor man beginnen kann, die Welt zu verbessern.“
Quelle:
Grünhelme | Rupert Neudeck 2008
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