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:: Almosen sind die größte Beleidigung der Armen

27 Dollar, dafür gibt es in New York gerade mal ein Abendessen. Für die Ärmsten der Armen hingegen ein Leben in Würde und Selbständigkeit: Geliehene 27 Dollar reichen für den Sprung zum Kleinstunternehmer.
Kaum jemand hat für die Ärmsten der Armen mehr getan als er. Der Wirtschaftswissenschaftler, geboren 1940, promovierte in den USA und kam 1972 in seine Heimat Bangladesch zurück. Konfrontiert mit dem Elend seines Landes, zog er daraus die Konsequenzen für sein Engagement gegen die Armut.

Seine „Erfolgsstory" als Banker begann mit einem Startkapital von nicht einmal dreißig Dollar. Nachdem er jahrelang vergeblich versucht hatte, Kreditinstitute davon zu überzeugen, Kleindarlehen an Bedürftige ohne Rückzahlungsgarantien zu vergeben, gründete er 1976 die Grameen-Bank für Arme. Inzwischen wurden rund 6,6 Millionen sogenannter Mikrokredite (meist zw. 50 und 100 Dollar) an arme Menschen zur Förderung deren Existenzgründung vergeben. Nach Yunus Modell wird den Kreditnehmern damit ein realer Ausweg aus dem Teufelskreis der Armut geebnet.

Seine Überzeugung: Almosen sind die größte Beleidigung der Armen. Ob Gemüseanbau, Tierzucht, Nähen oder Weben - die Grameen-Kunden (97% Prozent davon sind Frauen) finden je nach Begabung ihre Verdienstmöglichkeiten.

Der Friedensnobelpreis würdigt Muhammad Yunus Kampf gegen die Armut. Aus diesem aktuellen Anlass hat Peter Spiegel die Biografie dieses faszinierenden Mannes geschrieben. Es ist ein Buch über die Macht der Würde, über Phantasie und Zivilcourage angesichts von Profitgier und Hoffnungslosigkeit.


Ein Artikel von Gundula Englisch in changeX:
"Kredite statt Almosen, mit dieser Idee hat Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus Millionen von Menschen aus Armut und Abhängigkeit befreit. Heute erscheint seine Lebensgeschichte - ein hinreißendes Porträt eines der radikalsten Querdenker unserer Zeit, meint changeX-Autorin Gundula Englisch, die den Banker der Armen interviewt hat. Hier ihre Rezension - zusammen mit einem Videostream ihres Interviews.

Gelegentlich gibt es Begegnungen, die den eigenen Blick auf die Welt schlagartig verändern. So eine Begegnung war das Interview, das ich vor einigen Jahren mit Muhammad Yunus führen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt betrachtete ich die unternehmerische Selbständigkeit als Befreiungsschlag aus dem goldenen Käfig der abhängigen Erwerbsarbeit und als Königsweg der individuellen Selbstverwirklichung. Kurz: als maßgeschneidertes Lebenskonzept für die veränderungshungrige Avantgarde der Wissensgesellschaft.

Jetzt aber saß ich einem Mann gegenüber, der mir mit einer Mischung aus milder Freundlichkeit und scharfer Logik darlegte, dass gerade die Ärmsten der Armen dieser Welt die besten, kreativsten und erfolgreichsten Unternehmer sind. Wenn sie die Chance haben, ihre Fähigkeiten und Talente zu entfalten. Und wenn man ihnen dafür statt Almosen Mikrokredite gibt. Yunus tut das mit seiner Grameen Bank seit über 25 Jahren, durch seine visionäre Idee wurden bislang weltweit Millionen Besitzlose, vor allem Frauen, zu Unternehmern.

Für seine Pionierarbeit ist der Ökonom aus Bangladesch vor einigen Wochen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Peter Spiegel, Leiter des Bundesverbands für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft, der seit einigen Jahren mit Yunus zusammenarbeitet, hat aus diesem Anlass ein Buch über den „Banker der Armen" geschrieben. Es ist eine eindrucksvolle Dokumentation jener Energien, die freigesetzt werden, wenn Menschen ihre Existenz selbst in die Hand nehmen können. Und zugleich das hinreißende Porträt eines der radikalsten Querdenker unserer Zeit."
Den ganzen Artikel können Sie hier lesen

Quelle:
Gundula Englisch
Herder spektrum 2006
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