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:: "U.S. Mission Solar Energy Project"

Es ist höchste Zeit für eine gemeinsame und zukunftsfähige Energiepolitik von Amerika und Europa! Gastkommentar von Wolfgang Rehfus, SolarPeace.ch.
Am 31. August 2005 wurde in Genf ein Projekt mit weltweiter Vorbildfunktion eingeweiht. Das "U.S. Mission Solar Energy Project" wird weltweit alle U.S. Botschaften mit gebäudeintegrierten Solarsystemen ausstatten. Die U.S. Botschaft in Genf verfügt heute über 950 Quadratmeter Solarmodule zur Stromerzeugung auf Dächern, an Wänden und über Fenstern, produziert Strom für 37 Einfamilienhäuser und wird während der erwarteten Lebensdauer der Solarmodule während 30 Jahren rund 1800 Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 einsparen. Das Solarsystem kombiniert zukunftsfähige Stromerzeugung mit moderner Architektur.
 
"Dieses Solarenergieprojekt ist ein grossartiges Beispiel für die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten und der Schweiz und betont unsere gemeinsam eingegangene Verpflichtung zur Einsparung <fossil-atomarer> Energien durch die Nutzung erneuerbarer Energien" sagte Botschafterin Willeford bei der Einweihung. "Wir sehen dies als ein Vorzeigeprojekt der Anstrengungen des Aussenministeriums, damit die Botschaften der Vereinigten Staaten weltweit 'grüner' und zunehmend selbstversorgender werden." sagte General Williams. Die progressive Energiepolitik im Kanton Genf mit kostendeckenden Einspeisevergütungen wurde als Grundlage für dieses Projekt genannt. Bereits vor einem Jahr sagte Botschafter Moley “Die Förderung der steigenden Nutzung von Solarenergie und anderen Erneuerbaren Energien ist ein wesentliches Element von Präsident Bush's nationaler Energiepolitik". Nach dem Wirbelsturm «Katrina» hat Präsident Bush zum Energiesparen aufgerufen. Es ist zu hoffen, dass Präsident Bush das wesentliche Element nationaler Energiepolitik, also die Förderung der Erneuerbaren Energien, jetzt rasch und wirksam zur dominierenden nationalen und internationalen Politik ausbaut.
 
Die Deutsche Bundesregierung initiierte kürzlich einen Photovoltaik-Architekturwettbewerb mit einem Preisgeld von 100.000 Euro. Die Solaranlage der U.S. Botschaft in Genf hätte bei einem solchen Photovoltaik-Architekturwettbewerb gute Chancen. Die Schweiz sollte diesem Beispiel folgen und endlich mit einer Energiepolitik im heutigen Gesamtzusammenhang von Frieden, Wirtschaft, Sicherheit, Neutralität und Ökologie beginnen. Der Deutsche Umweltminister Trittin betonte bei der Auslobung zum Photovoltaik-Architekturwettbewerb, dass die Photovoltaik nicht nur Strom erzeugt, sondern z.B. auch als Sonnen-, Schall- und Sichtschutz dienen kann. "Jeder mit einem Photovoltaik-Modul genutzte Quadratmeter Fläche bringt uns im Klimaschutz ein Stück voran", so der Minister.
 
Die flächendeckende Ausnutzung der Solarenergie ist auch angesichts der Folgen des Wirbelsturms «Katrina» im Süden Amerika's dringend nötig. Der Chef der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Claude Mandil, befürchtet nach dem Wirbelsturm «Katrina» weltweite Energieprobleme und fordert mehr Investitionen für die Energiegewinnung: "von erneuerbaren Energien über fossile Brennstoffe bis hin zur Atomenergie". Der IEA-Chef hat die Priorität der Erneuerbaren Energien richtig erkannt. Unverständlich ist, dass er mit Rücksicht auf die Lobby der fossil-atomaren Energien diese auch noch nennt. Wie kurzsichtig Investitionen in diesem Bereich sind, zeigt ein Blick auf die weltweiten Rohstoffvorräte von Erdöl, Erdgas und Uran. Gemäss der IEA hat Atomenergie heute einen Anteil von nur 3.3% an der weltweiten Energieproduktion – bei Uranvorkommen für noch 50 bis 60 Jahre. Bei einem anteilsmässig vernünftigen Ausbau der Atomenergie auf 40% der weltweiten Energieproduktion (der schon wegen der langen Bauzeiten nicht realistisch ist) wären die Uranvorräte in 5 Jahren erschöpft!
 
Investitionen in Atomenergie sind nicht nur kurzsichtig, sondern aufgrund der Risiken und Nebenwirkungen grundsätzlich unverantwortlich. Dies gerade auch aus wirtschaftlichen Gründen, denn die Gesamtkosten für Stromproduktion, für Risikohaftung, für Sicherheit, für Atommüll während vielen tausend Jahren, sowie für Gesundheits- und Umweltschäden einschl. den Folgen der Niedrigstrahlung bei Normalbetrieb sind unbezahlbar. New Orleans hatte bei allem menschlichen Leid noch "Glück" gehabt, dass die Zerstörungen "nur" von einem Wirbelsturm verursacht wurden. Bei einem grossen Unfall im Atomkraftwerk, ausgelöst durch technisches oder menschliches Versagen, durch Terrorismus oder durch eine Naturkatastrophe, wäre keine Hilfe mehr möglich und an einen Wiederaufbau grundsätzlich nicht zu denken!
 
Sinnvoll und dringend notwendig sind auch massive Investitionen in die Produktion von Biogas und Biodiesel, sowie die Herstellung von modernsten Biogas /Biodiesel/Ethanol-Hybrid-Autos. Allein in der dicht besiedelten Schweiz mit vergleichbar geringer landwirtschaftlicher Fläche könnte mit Biogas und modernsten Hybrid-Autos bis zu 40% der Energie für die Mobilität produziert werden. Bereits 2004 bestätigte der damalige Direktor des Bundesamts für Energie, Hans Luzius Schmid, ein Potential von 25% als realistisch. In Amerika und anderen Ländern mit geringerer Bevölkerungsdichte und grösseren Landflächen ist dieses Potential entsprechend grösser. Diese Massnahmen könnten den Erdölmarkt schon in wenigen Jahren stark entlasten.
 
Die kurzfristige Unterstützung der Amerikanischen Wirtschaft durch Anzapfen der Erdölreserven ist ein Akt internationaler Solidarität, der aber die aktuellen Probleme der Verknappung des Erdöls nicht löst. «Das ist eine Schnapsidee, reiner Populismus», sagte Rolf Hartl, Direktor der Erdöl-Vereinigung (EV) in der Schweiz. Letztendlich nützen der Amerikanischen Wirtschaft nur massive Investitionen in Erneuerbare Energien – was auch für die Europäische Wirtschaft gilt. Nur dadurch können Innovation und neue zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen. Die Preisunterschiede für Benzin von 0.63 Euro/Liter in Amerika und rund 1.50 Euro/Liter in Europa sind dabei ein wirtschaftlich schädlicher Bremsklotz. Die jüngsten Ölpreisprognosen betragen bis zu 250 Dollar pro Fass. Die Benzinpreise in Europa und in Amerika könnten auf hohem Europäischem Niveau eingefroren werden, um weitere Spekulationen zu verhindern, um die Energiekosten der Wirtschaft wieder kalkulierbar zu machen und um eine wirtschaftliche Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs in Ballungsräumen zu garantieren. Die Welt ist in einer Situation angelangt, in der ein ansonsten gewünschter freier Benzinmarkt nicht mehr sinnvoll erscheint.
 
Amerika könnte seine Benzinpreise dem Europäischen Niveau anpassen und massiv in erneuerbare Energien investieren (mit Ausgleichen für finanziell schlechter gestellte Personen). Europa könnte die Tempolimiten von Amerika übernehmen, um die Benzinnachfrage zu steuern, so wie es die Schweizer Regierung derzeit überlegt. Längst überfällig ist eine gemeinsame Besteuerung des Flugbenzins, um zusätzliche Investitionen in Erneuerbare Energien zu finanzieren. Amerika und Europa sollten mindestens ein Prozent ihres Bruttosozialprodukts in den Aufbau einer zukunftsfähigen Energieversorgung investieren.
 
Die Versicherungen weisen darauf hin, dass die rein materiellen Folgekosten des alten fossil-atomaren Weges, der ohnehin bald zu Ende sein wird, weit höher sind – vom Leid und Elend von Millionen Betroffener und von den Kriegsfolgen ganz abgesehen.
 
Finanzierbar ist dies neben Bonus-Malus-Systemen auch durch entsprechende Kürzungen der zu hohen Militärbudgets. In der Schweiz wurde bereits vergangenes Jahr vom Verteidigungsministerium VBS die Halbierung der Armee vorgeschlagen. Die Potentiale der Erneuerbaren Energien, die notwendigen Technologien und die finanziellen Mittel sind mehrfach vorhanden. Es ist höchste Zeit für eine zukunftsfähige Zusammenarbeit zwischen Amerika und Europa!
 
Die alten Energieträger Erdöl, Erdgas und Uran gehen zu ende, sind viel zu riskant und durch ihre Neben- und Folgekosten auch viel zu teuer. Die Chancen für unsere Zukunft und die Bedeutung der Erneuerbaren Energien für Frieden, Wirtschaft, Sicherheit, Neutralität/Unabhängigkeit und Ökologie sind existentiell. Daher ist es so wichtig, dass Amerika und Europa endlich eine wirksame Energiepolitik beginnen.
Quelle:
SolarPeace.ch - Wolfgang Rehfus
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