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Erneuerbare Energien

PRO: Günther Oettinger

CONTRA: Franz Alt
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:: Atomkraft länger nutzen?

Deutschland benötigt für einen Ausstieg aus der Atomenergie länger Zeit, meint CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger und fordert, die Stilllegung der Kraftwerke hinauszuzögern. Der Journalist und Kern­kraftgegner Franz Alt hält dies jedoch für einen schweren Fehler.
PRO: Günther Oettinger
Ministerpräsident und Landesvorsitzen­der der CDU Baden-Württemberg

Beim Energiemix noch nicht zu ersetzen
Der Schlüssel für eine stabile, bezahl­bare und klimafreundliche Energieversorgung liegt in einem Energiemix. Als Brücke in den Energiemix der Zukunft ist Kernenergie derzeit unverzichtbar. Selbstverständlich müssen wir alles tun, um den Anteil an erneuerbaren Energien weiter zu erhöhen, also mehr Strom aus Wasserkraft, Biomasse, Geo­thermie, Sonne oder Windkraft, wo geeignet, zu gewinnen. Auf absehbare Zeit können wir in Deutschland die Kern­energie jedoch nicht durch erneuerbare Energien ersetzen, ohne Atomstrom aus dem Ausland zukaufen zu müssen.
 
Das kann aber ebenso wenig die Lö­sung sein wie eine vermehrte Energiegewinnung aus Kohle und Gas, wenn wir unser Ziel einer Verminderung des Kohlendioxidausstoßes nicht aufgeben wol­len. Denn selbst die modernsten Gas­ und, Kohlekraftwerke stoßen Kohlen­dioxid aus, Kernkraftwerke dagegen nicht. Ein Weiteres kommt hinzu: Die Turbulenzen um die Gaslieferungen Russlands an die Ukraine haben uns nicht unmittelbar berührt. Aber auch Deutschland ist auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. Wir sind des­halb gut beraten, die Importabhängig­keit nicht weiter zu erhöhen.
 
Und ein Drittes: Gerade angesichts der aktuellen Preisentwicklungen bei Gas und Strom sehe ich keine Alterna­tive zu einer Verlängerung der Laufzei­ten von Atomkraftwerken. Durch län­gere Laufzeiten gewinnen wir die Zeit, die wir brauchen, um Technologien wie erneuerbare Energien; oder, klimaneutrale Kohle- und Gaskraftwerke wirtschaftlich und technisch weiterzuentwi­ckeln. Einen Teil des. Gewinns, der durch die Laufzeitverlängerung ent­steht, müssten die Energieversorger da­für einsetzen. Ich halte es für denkbar, dazu Vereinbarungen mit den Unterneh­men zu schließen. Es ist auch in ihrem In­teresse, den Anteil an erneuerbaren Energien deutlich zu erhöhen. Denn es muss unser Ziel bleiben, im Rahmen der Energieversorgung den Anteil der Kern­kraft langfristig zu minimieren.
 
Zumindest in den kommenden vier Jahren sollte kein sicheres und wirt­schaftliches Kernkraftwerk abgeschal­tet werden. Um die 2008 drohende Ab­schaltung von Neckarwestheim I zu ver­meiden, muss deshalb mindestens die Übertragung von Restlaufzeiten von Neckarwestheim II ermöglicht werden, damit im Südwesten nicht bereits im Jahr 2009 eine Versorgungslücke ent­steht. Ich halte es für wichtig und rich­tig, im Interesse einer sicheren Energie­versorgung und des Erhalts von Arbeits­plätzen einen entsprechenden Antrag bei der Bundesregierung zu stellen.


CONTRA: Franz Alt
Fernsehjournalist und Autor zahlreicher Bücher

Umstieg bringt auch ökonomische Vorteile
Wir brauchen eine langfristige Energie­politik, keine Atomkraftwerke. Denn es gibt intelligentere Möglichkeiten, ener­gieautonom zu werden. Wie unsicher die heutige deutsche Energiepolitik ist, hat Wladimir Putins Willkürakt gegen­über der Ukraine soeben verdeutlicht. Wir hängen am Tropf von Russlands Gas und Arabiens Öl. Die Ölkriege im Nahen Osten und die Gas-Krise in der Ukraine verweisen auf unsere Verwund­barkeit.
 
Wir können und müssen ver­stärkt auf erneuerbare Energien setzen bis zum 100-prozentigen Umstieg in den nächsten Jahrzehnten. Deutschland ist verwundbar. Deutschland ist aber auch erneuerbar. Vor 20 Jahren erleb­ten wir den Super-GAU von Tscherno­byl. Das war mein Damaskus-Erlebnis. Vorher war auch ich für Atomenergie ge­wesen, danach nicht mehr.
 
 
Es gibt gute Argumente gegeneine Verlängerung der Laufzeiten von Kern­kraftwerken.
 
Erstens: Es gibt keine ein­zige hundertprozentig sichere Anlage auf der Welt. Das atomare Restrisiko ist, exakt jenes Risiko, das uns jeden Tag den „Rest geben kann. 17 Atomkraft­werke in Deutschland bedeuten 17 ato­mare Restrisiken. Jeder Reaktor ist eine potenzielle Einladung an Terroristen. Die Reaktoren gefährden das Leben von Millionen Menschen
 
Zweitens: Welt­weit gibt es kein einziges Endlager für die Atommüllberge. Der gefährliche Müll strahlt mehrere hunderttausend Jahre. So verbrecherisch hat sich noch nie eine Generation vor uns gegenüber hunderten Generationen nach uns verhalten.
 
Drittens: Auch Uran ist endlich. Die Natur hat dafür gesorgt, dass es ähnlich rasch zu Ende geht wie Öl und Gas.
 
Umsteigen auf, unendliche erneuer­bare Energien müssen wir eh. Warum also nicht so rasch wie möglich? Die Ge­sellschaft, die als erste den 100-prozenti­gen Umstieg auf klimafreundliche, preiswerte und gefahrlose Energiequel­len organisiert, hat auch ökonomische Vorteile. Sonne, Wind, Wasser und Erd­wärme stellt uns die Natur kostenlos und in jedem Land der Welt zur Verfü­gung. Und heimische Biomasseenergie ist schon heute preiswerter als die fos­sil-atomare Energieversorgung.
 
Wer wie Ministerpräsident Günther Oettinger den eben im Koalitionsvertrag bekräftigten Atomausstieg gleich wieder in Frage stellt, tut dem Investitionsstandort Deutschland keinen Gefallen. Denn tausende in- und ausländische Mittelständler  sowie viele  Stadtwerke und Privathaushalte investieren zurzeit im Vertrauen auf die Politik der großen Koalition in die Technologien der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz.
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