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:: "HÖRZU"-Serie: Hochwasser, Hitze, Hurrikans – Sind wir noch zu retten? - 1/4

Vor einem Jahr erlebten wir über schreckliche Fernsehbilder den Hurrikan Katrina in New Orleans, danach die Stürme Rita, Wilma, Alpha, Beta, Gamma und Delta. Tausende Menschen verloren ihr Leben, Zehntausende ihre Heimat. Geschätzte Schäden: Mehrere hundert Milliarden Dollar. Für 2006 wird eine ähnlich katastrophale Hurrikan-Saison vorhergesagt.
Die eigentlichen Naturkatastrophen passieren freilich ohne Fernsehkameras. Wenn es heute Abend eine ökologisch realistische Tagesschau gäbe, müssten meine Hamburger Kollegen zum Beispiel diese Meldungen publizieren:

Auch heute wieder
  • haben wir etwa 100 Tier- und Pflanzenarten ausgerottet
  • haben wir 30.000 Hektar Wüste zusätzlich produziert
  • haben wir 86 Millionen Tonnen fruchtbaren Boden verloren und
  • 100 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert.
Wir führen einen Dritten Weltkrieg gegen die Natur. Hauptursache ist unser alltägliches Energieverhalten. An e i n e m Tag verbrennen wir heute soviel Kohle, Gas und Öl wie die Natur in 500.000 Tagen geschaffen hat. 
 
Die Vorboten des Treibhaus-Effektes haben wir auch in Europa seit einigen Jahren schon kennen gelernt:
  • Frühlingswetter im November
  • Aprilwetter im Januar
  • zunehmende Gletscherschmelze
  • Sturm Lothar 1999
  • Hochwasser im Sommer 2002 und
  • Hitzesommer 2003
Sind wir noch zu retten? Auf diese zentrale Zukunftsfrage der Menschheit möchte ich mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in dieser Hörzu-Serie Antworten suchen.
 
Wir stehen heute vor der größten moralischen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Herausforderung der Menschheitsgeschichte. 
 
Dalai Lama: Ohne Menschen geht es der Erde besser
Entweder lernen wir, künftig mit der Natur zu leben, zu arbeiten und zu wirtschaften oder wir werden von diesem Planeten verschwinden. Die Natur ist unsere große Lehrmeisterin. Der Dalai Lama sagte in meiner letzten Fernsehsendung: „Ohne Menschen ginge es der Erde besser.“
 
Über die steigenden Öl- und Benzinpreise werden wir täglich daran erinnert, dass die Ressourcen, mit denen wir nach 1945 unseren Wohlstand aufgebaut haben, zu Ende gehen. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris schätzt, dass es in 30 bis 40 Jahren kein Öl, in 45 Jahren kein Gas und in 50 Jahren kein Uran zum Betreiben von AKWs mehr geben wird. Die Kohlevorräte reichen noch etwa 120 Jahre.

Da die alten Energieträger allesamt in den nächsten Jahrzehnten aufgebraucht sein werden, haben wir gar keine andere Wahl, als uns so rasch wie möglich und zu 100 Prozent auf neue und erneuerbare Energien umzustellen. Das ist möglich und noch aus einem weiteren Grund zwingend: 80 Prozent unserer heutigen Umweltprobleme gehen auf den Treibhauseffekt zurück. Im 20. Jahrhundert hatten wir eine globale Erwärmung von „nur“ 0.6 Grad Celsius. Im 21. Jahrhundert könnten es bis zu 5 Grad werden, wenn wir so weitermachen. Aber das müssen wir ja nicht. Allein die Sonne schickt uns jeden Tag 15.000mal mehr Energie wie alle Menschen heute verbrauchen.
 
Es gibt noch einen Fluchtweg aus dem Treibhaus. Noch gibt es ihn.
Wir können in den nächsten Jahrzehnten auf erneuerbare Energiequellen umsteigen und damit die Emissionen von Treibhausgasen reduzieren. Bisher haben die Ökonomen die Ökologen gefragt: Können wir uns Klimaschutz finanziell leisten? Wie teuer wird das? Jetzt müssen Ökologen die Ökonomen fragen: Wie teuer wird es, wenn wir das Klima nicht schützen? Sicher: Klimaschutz kostet, aber kein Klimaschutz kostet unsere Zukunft.
 
Folgendes Problem dürfen wir nicht verdrängen: Wenn alle sechseinhalb Milliarden Bewohner der Erde ihren Lebensstandard steigern wollten, hätte dies dramatische Konsequenzen für die Zukunft der gesamten Menschheit und für alles Leben auf unserem Planeten. Einerseits würde sich die Belastung der natürlichen Lebensgrundlagen gefährlichen Grenzen nähern, andererseits können wir den Armen das Recht auf ein besseres Leben nicht bestreiten. Die 800 Millionen Menschen in den Industriestaaten verbrauchen bereits heute pro Kopf 8-mal mehr Energie als die Bevölkerung der Entwicklungsländer.
 
 Wenn in etwa 50 Jahren neun Milliarden Menschen auf der Erde leben werden, können nicht alle 10-Liter-Autos fahren. Dennoch können alle mobil sein und ein gutes Leben führen, freilich unter anderen Voraussetzungen als heute. Um 2050 werden in China vielleicht 500 Millionen und in Indien 600 Millionen Autos unterwegs sein. Das sind mehr, als derzeit weltweit fahren. Wären es heutige Autos, könnten wir unseren Planeten vergessen. Er würde kollabieren. Aber zu unserem Glück setzt die Natur selbst Grenzen. Den heutigen Treibstoff wird es schon vorher nicht mehr geben, da die fossilen Energieträger verbraucht sind und zwar weltweit.
 
Ist die ganz große Katastrophe noch abzuwenden? Jede und jeder weiß aus dem privaten Leben, dass jede Krise auch ihre Chance hat. Politiker und Ökonomen haben auf die existenziellen Zukunftsfragen noch keine wirklichen Antworten. Aber Wissenschaftler und Forscher, Ingenieure und Visionäre in aller Welt haben längst Konzepte für eine bessere Welt entwickelt. Darüber wollen wir in dieser Zukunftsserie miteinander nachdenken.
 
Es geht um neue Arbeitsplätze und eine bessere Umwelt, um erneuerbare und umweltfreundliche Energien, um Gesundheit und Lebensmittelproduktion, um gesunde Böden, saubere Luft und reines Wasser, um die Zukunft des Bauens und unseres Bildungssystems, um eine ökologische Spiritualität und um unser Wohlbefinden im Alter, wenn künftig viele von uns hundert Jahre und älter werden. Und vor allem: Wie können wir den Welthunger überwinden?
 
Bei all unseren Überlegungen werden wir auch immer die Zukunft unserer Kinder und Enkel zu bedenken haben, für die wir mitverantwortlich sind.
Prognosen, die ich Ihnen in den nächsten Wochen vorstelle, sind mögliche Entwicklungen unter bestimmten politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen.
 
Wenn es allen gut gehen soll – was grundsätzlich möglich ist –, werden wir vieles ändern müssen. Dieser Planet kann nach einer UNO-Studie zufolge 12 Milliarden Menschen ernähren – übrigens ohne Gentechnik. Auf jeden Fall werden wir lernen müssen, anders zu leben, damit andere überhaupt leben können.
 
Ein ökologisches Wirtschaftswunder ist möglich
Die Welt, auch die heute noch reiche Welt, hat keine Zukunft, solange alle fünf Sekunden ein Kind verhungert. Klaus Töpfer nennt das, was heute weltweit läuft, ein „globales Selbstmordprogramm“.
 
In dieser Serie will ich aber aufzeigen, dass die Ökologie im 21. Jahrhundert die intelligentere Ökonomie werden kann und wir dadurch neue Chancen bekommen.  Wir werden viele positive und ermutigende Beispiele für diesen Transformationsprozess kennen lernen. Ich durfte sie auf der ganzen Welt sehen.
Der hundertprozentige Umstieg auf erneuerbare Energien ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch geboten. Der Ausstieg aus Öl, Gas und Atom beschert dem Staat ein kostenloses Innovations-, Beschäftigungs- und Konjunkturprogramm. Soeben hat eine Studie im Auftrag der Umweltverbände aufgezeigt, dass bis 2020 in Deutschland drei Millionen Arbeitslätze im Umweltschutz geschaffen werde können.

Die bisherige Entwicklung von Windrädern, Solarzellen, Pellets- und Biogas-Anlagen zeigt: Wer heute neue Technologien entwickelt, ist morgen Weltmarktführer. Wer Atomkraftwerke schließt wie Schweden und Deutschland oder gar keine gebaut hat wie Österreich, muss frühzeitig auf Alternativen umsteigen, denn Energien brauchen alle Industriestaaten zuhauf. Sonst gehen tatsächlich die Lichter aus. Und alle Räder stehen still. Sie stehen aber noch nirgendwo still. Keine Energie kann so rasch verfügbar gemacht werden wie erneuerbare Energien. Wenn wir nur wollen. Das Angebot ist immer und für alle Zeit vorhanden.
 
In dieser Situation wird sich der Atomausstieg als Motor für Innovationen erweisen. Die Branchen-Vertreter der erneuerbaren Energien haben allein in Deutschland ein Programm von 200 Milliarden Investitionen bis zum Jahr 2020 angekündigt. Das entspricht genau den Vorgaben von Angela Merkel. „Mehr Freiheit wagen“ – das heißt im Energiesektor: mehr Unabhängigkeit, mehr Autonomie, mehr Freiheit. Heute muss Deutschland noch beinahe 80 Prozent seiner Energierohstoffe importieren.
 
Jede Epoche hat ihre Schlüsseltechnologie. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts bildeten Kohle und Öl die Basis der Großproduktion in den Industrieländern. In den letzten Jahrzehnten hat die Informationstechnologie die Wirtschaft und die Wissenschaft verändert, in den nächsten Jahrzehnten könnten erneuerbare Energien in Kombination mit Energie-Effizienz unser Leben nachhaltig positiv beeinflussen, wenn jetzt die Weichen richtig gestellt werden. 
 
Klaus Töpfer: Quantensprung für erneuerbare Energien
Der frühere deutsche Umweltminister dazu: „Als amerikanische und britische Wissenschaftler die ersten Computer entwickelten, kosteten diese Hunderttausende Dollar und wurden als Luxusgüter ohne Chancen für den Konsummarkt gesehen. Tatsächlich glaubte man noch vor 60 Jahren, dass ein modernes, industrialisiertes Land vielleicht nur einen oder zwei Computer benötigen würde. Dieser Scheuklappenblick erscheint aus heutiger Perspektive lächerlich. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt arbeiten heute in der Computer- und Zulieferindustrie. Heute stehen wir kurz vor einem anderen, neuen industriellen Quantensprung, bei dem die ineffiziente Nutzung von fossilen Brennstoffen wie Kohle und Öl reduziert wird und ein Wettbewerb um alternative Technologien Raum gewinnt.“ Das Solarzeitalter beginnt.
 
Wir müssen nur unser Brett vor der Sonne entfernen. In der Kraft der Sonne und in der Kreativität der Natur spiegeln sich die göttliche Weisheit und die göttliche Intelligenz. Im Vertrauen auf die Weisheit der Schöpfung finden wir Wege aus der Krise. Ja, wir sind noch zu retten – wenn wir es wirklich, wirklich wollen.
 
 
Visionen? Ja natürlich – warum denn nicht? fragen wir im nächsten Artikel: "Bürger zur Sonne, zur Freiheit – das Solarzeitalter beginnt"
Quelle:
Franz Alt 2006
"HÖRZU"-Serie
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