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:: "HÖRZU"-Serie: Auf die Zukunft bauen: Niedrigenergiehaus, Aktiv-Haus, Solarplus-Haus - 3/4

In der Deutschen Bauordnung steht der Satz: "Bauten sind so zu errichten, dass sie das Leben der Menschen und die natürlichen Lebensgrundlagen nicht gefährden." Doch außer Baubiologen kümmert sich kaum jemand darum.
Bis zu 95 Prozent unserer Zeit verbringen wir in Gebäuden. Dass Ölheizungen Rußpartikel und Feinstäube freisetzen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Die Luftqualität ist in unseren Häusern oft noch miserabler als auf den Straßen unserer Städte mit vielen Autos. Jedes zweite deutsche Kind leidet inzwischen an Asthma oder Allergien. Jeder vierte Deutsche hat ein beschädigtes Immunsystem. 67.000 Menschen – so eine Studie der EU – sterben in Deutschland jedes Jahr an Krebs, dessen Ursache Rußpartikel und Feinstäube sind.

Die Tatorte: Auto und Wohnung
Die meisten Leser und Leserinnen – auch der Hörzu -  wohnen in Häusern, die pro Quadratmeter noch 15 bis 18 Liter Heizöl pro Jahr verbrauchen. Wenn wir unsere Häuser besser dämmen und dichter einpacken, können wir mit einem Viertel der Energie und sogar noch weniger  auskommen. Das spart Geld und hilft der Umwelt. Und die Bundesregierung gibt Zuschüsse.
 
Was macht unsere Häuser krank?
Zum Beispiel:  Nichtökologische Baumaterialien, Elektrosmog, Feinstaub, Rußpartikel, Lärm und Strahlung. Dabei spielen unsere falschen Energiequellen eine zentrale Rolle. Mit dem Verbrennen von Öl und Gas ruinieren wir nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Gesundheit. Wer zum Beispiel Holzpellets statt Öl verbrennt, in dessen Wohnung stinkt es nicht mehr, es riecht vielmehr nach Tannenduft.

Ökologische Energieversorgung mit ökonomischen Vorteilen ist heute schon möglich und wird Jahr um Jahr attraktiver. Das Hauptproblem ist nicht mehr fehlende Technik. Das Hauptproblem ist fehlende Information über die neuen Möglichkeiten. Menschen, die informiert sind, bleiben nicht länger Teil des Problems, sie werden Teil der Lösung.

Ein Heizungsbauer im Allgäu empfiehlt seinen Kunden eine Kombination aus Sonnenkollektoren auf dem Dach und einer Pellet-Heizung im Keller: „Sie sparen dabei die Hälfte der Heizkosten und leisten einen Beitrag gegen den Klimawandel.“
Unser Vier-Personen-Haushalt in Baden-Baden erntet mit Sonnenkollektoren soviel Sonnenstrahlen, dass wir damit von April bis Oktober ausreichend und auch im Winterhalbjahr zum Teil mit Warmwasser versorgt sind. Das heiße Wasser reicht selbst dann, wenn wir alle nacheinander duschen. Außerdem produzieren wir mit Hilfe der Sonne doppelt soviel Strom wie eine durchschnittliche deutsche Familie verbraucht.
 
Wenn Architekten, Stadtplaner und Kommunalpolitiker endlich lernen, wo Süden ist, dann lassen sich in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten durch solares Bauen riesige Energiemengen einsparen. Es ist erwiesen, dass durch die passive Nutzung der Sonnenenergie in Gebäuden – viel Fensterfront in Richtung Süden, Lichtplanung, Baumaterialien zur Wärmespeicherung und zur Kühlung sowie durch Wärmeaustauschsysteme – sogar bis zu 90 Prozent der Heizkosten eingespart werden können. Die Restwärme kann künftig durch Solarkollektoren erzeugt werden. "Bauen mit Grips statt Energie vergeuden" sollte das Motto intelligenten Bauens werden.
 
 
Niedrigenergiehäuser kommen mit einem Fünftel der Heizenergie gegenüber unseren Altbauten aus. Nullenergiehäuser sind in Wirklichkeit Nullenergiekostenhäuser, weil sie keine herkömmliche Energie mehr verbrauchen. In Japan werden schon jedes Jahr etwa 20.000 Nullenergiekostenhäuser gebaut, die ausschließlich mit Solarenergie versorgt werden.

In Österreich gibt es eine starke Gruppe von Architekten, die nur noch Passivhäuser baut. In den letzten drei Jahren wurden in Österreich über 1.000 Passivhäuser errichtet. Das sind Häuser, die so gut gedämmt sind, dass sie keine herkömmliche Heizenergie mehr verbrauchen.
 
Die ARD sendet Anfang 2007 eine zweiteilige Dokumentation mit dem provozierenden Titel „ Tschüss Öl, ciao Gas“. 64 Altbauwohnungen in Karlsruhe werden dafür vom alten Gasnetz abgekoppelt und zu 100% auf erneuerbare Energien umgestellt. Zwei Holzpelletkessel und ein mit Pflanzenöl betriebenes Blockheizkraftwerk sollen die 40 Jahre alten Wohnungen komplett mit Strom und Wärme versorgen. Ein SWR-Kamerateam begleitet die gesamte Umbauaktion und die Mieter. Die spannenden Fragen: Geht das? Was kostet das? Wie reagieren die Betroffenen? Der preisgekrönte Dokumentarfilmer Rolf Schlenker ( „Schwarzwaldhaus 1902“)  zu seinem neuesten Projekt: „Wir probieren das Umstrittene einfach im Großprojekt aus und schaffen damit Fakten und Argumente“.
 
BASF hat schon im Herbst 2001 in Ludwigshafen ein „Dreiliter-Haus“ vorgestellt. Dieser Altbau, errichtet 1930, hatte früher etwa 30 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr verbraucht. Jetzt, nach der energetischen Umrüstung, hauptsächlich durch bessere Dämmung, bessere Fenster und Türen, braucht dasselbe Haus noch drei Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr. Ein Energie- und Geldgewinn um den Faktor 10. Was wollen wir mehr? Worauf warten wir eigentlich?

Mehr noch: der Solararchitekt Rolf Disch hat in Freiburg die ersten 50 Solarenergieplushäuser gebaut – das sind Häuser, die weit mehr Solarstrom produzieren, als in ihnen verbraucht wird. Der Strom wird auf der Basis des erneuerbaren Energiengesetzes verkauft und die Bewohner bekommen monatlich einen Scheck von etwa 200  bis 400 Euro. Sie verdienen Geld, weil ihr Solardach und die Sonne gut zusammenarbeiten.

Wenn der Energieausweis für Gebäude auch in Deutschland  2007 eingeführt wird, werden Heiz- und Warmwasserkosten sowie der Zustand der Gebäudehülle transparent. In Immobilienanzeigen kann dann so selbstverständlich mit Energieeffizienzklassen geworben werden, wie es bei Kühlschränken und Waschmaschinen längst Praxis ist.
 
Wer mit Holz baut, nutzt einen Baustoff, der mit weit weniger Energie hergestellt werden muss als zum Beispiel Aluminium oder Beton. 1990 betrug der Anteil des Holzes am gesamten Baumaterial in Deutschland unter 5 Prozent, im Jahr 2006 schon über 15 Prozent. Ein neues Holzzeitalter beginnt. Der Holzweg ist ein guter Weg.

Vor allem ökologisch orientierte Menschen bauen mit Holz und innovativen Dämm-Materialien und kombinieren ihre sparsame Haushülle mit erneuerbaren Energiequellen.

2005 wurden in Deutschland schon 4-mal mehr Erdwärme-Sonden installiert als 1995. Die Heizung aus der Tiefe erfordert zwar auch Energie für ihren Betrieb, spart aber dennoch insgesamt beträchtliche Energie ein – unterm Strich etwa 30 Prozent. Wer ökologische Baumaterialien benutzt, tut etwas für seine Gesundheit und spart später Entsorgungskosten. Er erzielt einen dreifachen Gewinn: Für seinen Geldbeutel, für seine Gesundheit und für seine Umwelt. Wir müssen gewinnen lernen! Dann haben wir weniger Grund zum Jammern.

Der nächste Artikel heißt: "Die Zukunft der Arbeit – Vollbeschäftigung ist möglich"
Quelle:
Franz Alt 2006
"HÖRZU"-Serie
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