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:: "HÖRZU"-Serie: "Die Zukunft der Arbeit – Vollbeschäftigung ist möglich" - 4/4

Ein Gespenst geht um in der Bundesrepublik: das Gespenst der Massenarbeitslosigkeit. Beinahe fünf Millionen Menschen sind ohne Arbeit, so die offizielle Statistik.
Die Arbeitslosenquote ist in Deutschland etwa doppelt so hoch wie in den USA, 3-mal so hoch wie in Skandinavien, 4-mal so hoch wie in der Schweiz und weit höher als in England, den Niederlanden, Österreich oder in Japan. Neue Arbeitsplätze überall – nur nicht bei uns!

  • Am Beginn der siebziger Jahre hatten wir in Deutschland eine Arbeitslosenquote von etwa 1 Prozent;
  • Anfang der achtziger Jahre stieg diese Zahl auf ca. 3 Prozent;
  • 1990 gab es 5,5 Prozent Arbeitslose (etwa 3,5 Millionen); 
  • 1998 10 Prozent (4,5 Millionen) und
  • 2006 über 11 Prozent
Und diese Entwicklung scheint noch lange nicht zu Ende. In den letzten Wochen wurden weitere Massenentlassungen angekündigt: VW will 30.000 Arbeitsplätze streichen, Nokia-Siemens-Networks 9000, Daimler-Chrysler 8.500 und die Deutsche Telekom 32.000.
 
Diese dramatische Entwicklung zeigt, dass die herrschende Ökonomie und die Politik keine Instrumente mehr haben, um die Massenarbeitslosigkeit dauerhaft zu verringern.

Die soziale Marktwirtschaft war in den ersten vier Jahrzehnten der Bundesrepublik d i e ordnungspolitische Voraussetzung für das „deutsche Wirtschaftswunder“. Jetzt aber – in den Zeiten des Verfalls sozialer und ethischer Bindungen mit dramatisch zunehmender Armut im immer reicher werdenden Deutschland –, jetzt aber gleiten wir in einen Kapitalismus ohne Arbeit. Das offensichtlichste Symptom dieser Entwicklung: Die Aktien steigen, und die Zahl der Arbeitslosen steigt auch. Die Zahl der Millionäre steigt und die Zahl der Armen auch.

Das Fehlen von Perspektiven und Visionen innerhalb der großen Parteien gefährdet allmählich auch die Demokratie in Deutschland.
 
Die Arbeit der Zukunft
Den klassischen sozialpolitischen Weg für neue Arbeitsplätze zeigt eine Studie von Berliner Soziologen auf. Sie geht davon aus, dass in Deutschland ca. drei Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden können durch

  • eine 32-Stunden-Arbeitswoche,
  • mehr Teilzeitarbeit,
  • Halbierung der Überstunden,
  • bei Schichtarbeit mehr Freizeit statt mehr Geld,
  • mehr Fortbildung,
  • mehr Elternurlaub.
In Deutschland und Westeuropa gibt es zwar nicht genügend Arbeitsplätze, aber sehr viel Arbeit. Die Menge ungetaner Arbeit wird immer größer. Zum Beispiel im Bereich der Dienstleistungen, in der Pflege, im Umweltschutz, im Wohnungsbau, im Lernen von fremden Sprachen. Wir haben also überhaupt nicht zu wenig Arbeit. Was uns fehlt, ist die Arbeit für die Arbeit.
 
Halbe-halbe bei der Hausarbeit
Ein ganz wesentlicher Teil der Lösung heißt: kürzere Erwerbsarbeitszeiten für Frauen und Männer sowie halbe-halbe bei der Hausarbeit. Mit dem Slogan „Ganze Männer sind für halbe-halbe“ warb das österreichische Sozialministerium für Männerhausarbeit.
 
Deutschland ist am Beginn des 21. Jahrhunderts noch immer ein Teilzeit-Entwicklungsland – vor allem, was Männer betrifft. In Holland haben 6-mal mehr Männer und doppelt so viele Frauen einen Teilzeit-Arbeitsplatz. Längst haben Arbeitnehmer in Dänemark das Recht auf ein Sabbatjahr – ein Jahr Arbeitspause. Das bringt viele neue Jobs.

Die Arbeit der Zukunft wird flexibler. Das heißt: die Zukunfts-Arbeit wird weiblicher! Denn Frauen haben durch Schwangerschaft, Menstruation und Teilzeitarbeit schon immer flexiblere Vorstellungen von der Arbeitswelt als Männer.  
 
Ich schreibe diese Seiten in Japan während einer Vortragsreise. Hier gibt es etwas mehr als vier Prozent Arbeitslose, in Deutschland knapp 11 Prozent. Der japanische Arbeitsmarkt ist entschieden flexibler als der deutsche. In Japan ist es keine Schande, einen Arbeitsplatz anzunehmen, der weniger Einkommen bringt als der vorherige. Hier gilt wie in den USA das Motto: besser einen schlecht bezahlten Arbeitsplatz als gar keinen. Aber  deutsche Bauern, die für Saisonarbeit wie Spargel stechen oder Traubenernte heimische Arbeitslose suchen, berichten mir seit Jahren von ihrer ergebnislosen Suche. Deshalb machen Osteuropäer den Job auf dem Acker.
 
Neue Technologien – neue Arbeit
In meinem Buch „Das ökologische Wirtschaftswunder – Arbeit und Wohlstand für alle“ habe ich zusammen mit Wissenschaftlern aufgezeigt, dass wir in Deutschland langfristig bis zu vier Millionen neue Arbeitsplätze schaffen können, wenn wir lernen, ökologisch zu wirtschaften. 
 
Einige Beispiele:
  • Durch die solare Energiewende könnten in Deutschland mehr als eine Million Arbeitsplätze entstehen.
  • Durch eine ökologische Verkehrswende könnten eine weitere Million Arbeitsplätze geschaffen werden. Hauptsächlich im Baugewerbe und im Verkehrs-Service-Bereich.
  • Wenn wir lernen, unsere Altbauten besser zu dämmen und weniger Energie zu verbrauchen, könnten bis zu einer halben Million neue Arbeitsplätze geschaffen werden
  • Eine konsequente ökologische Agrarwende  könnte zu 200.000 neuen Arbeitsplätzen in einer zukunftsfähigen Landwirtschaft führen.
  • Professor Bernd Meyer hat an der Universität Osnabrück errechnet, dass durch eine ökologische Steuerreform (Lohnnebenkosten senken, Energiepreise erhöhen) über eineinhalb Millionen neue Arbeitsplätze in etwa 15 Jahren entstehen könnten. 
Die Revolution der Arbeit
Arbeit muss billiger und Energie teurer werden. Dann – und nur dann – sind wir wieder auf dem Weg zur Vollbeschäftigung.
 
Also: Umsteuern durch Energiesteuern ist das Gebot der Stunde und d i e Chance in der Krise. Dieses Umsteuern bringt Millionen neue Jobs und ist ein Segen für die Umwelt, weil nur teure Energie zu einem sparsamen Umgang mit Energie führt. Unternehmer werden dann Kilowattstunden entlassen, aber nicht mehr Menschen.
 
Sind wir noch zu retten? haben wir im ersten Teil dieses Zukunfts-Report gefragt. Ja, wenn wir es wirklich wollen und uns rasch von den alten Dinosauriern verabschieden, die jede Innovation verhindern wollen, und uns auf das Schmetterlings-Prinzip besinnen. Dinosaurier sind verliebt in die Probleme – wir sollten uns endlich in die Problemlösungen verlieben. Schmetterlinge zeichnen sich durch ihre Wandlungsfähigkeit aus: Ei, Larve, Raupe, Schmetterling.
 
Vielleicht werden wir bald lernen, dass die beste Gesellschaft die mit den wenigsten Arbeitslosen ist. Zum Heil des Menschen gehört Arbeit und zum Heil einer Gesellschaft Vollbeschäftigung. Nur gesunde Gesellschaften werden die Kraft haben, die Schöpfung zu bewahren. Wir Deutsche waren materiell noch nie so reich wie heute. Was uns fehlt, ist – Zeit! Zeit gewinnen wir wieder durch eine neue Kultur der Arbeit – Zeit zum Nachdenken; Zeit, um miteinander zu reden; Zeit zum Spielen und zum Faulenzen; Zeit zum Lieben und Zeit für Muse und Spiritualität. In einer Zeit, in der uns modernste Techniken viel bisherige Arbeit „abnehmen“, bekommen wir die große Chance, durch weniger Arbeitszeit mehr Lebensqualität und Zeitsouveränität zu gewinnen. Persönliche Lebensqualität über mehr Zeitsouveränität wird ein wichtiges Kriterium für ein gelingendes Leben im 21. Jahrhundert werden. Wenn wir Zeit-Unternehmer werden, kann die Arbeit auch Lust und Freude vermitteln.
Quelle:
Franz Alt 2006
"HÖRZU"-Serie
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