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Winfried Wolf "Verkehr.Umwelt.Klima - Die Globalisierung des Tempowahns"
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Buch-Tipp 257 von 410
:: Tempo-Wahnsinn – Kultur-Wahnsinn?
Zu einem gründlichen Lehr- und Lernbuch über die Folgen der Verkehrsglobalisierung.
35 Millionen Tote hat der Straßenverkehr von 1896 bis 2007 gebracht. Es gibt sogar genauere Statistiken und Hochrechnungen. 2005 sollen es weltweit 955.892 gewesen sein. Und der Wahnsinn wird in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten auf grund der Entwicklung in China, in Indonesien, und vielen anderen Dritte Welt Ländern noch stiegen.
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Der Rausch der Mobilität schafft neue Kathedralen und neue Tempel für die Autoanbetung. In Deutschland hat man 2005 schon 1,4 Mio. Geländewagen abgeschafft, die noch mehr Unfälle und Verletzungen produzieren. Offroads Parks gibt es mittlerweile in vielen gebieten Deutschlands, in denen man rasen kann. In Wolfsburg für VW, in Zuffenhausen für Porsche in München für BMW entstehen neue parakirchliche Empfangsräume, in denen hunderttausende von neuen Käufern in einer Art von geheimnisvoller Liturgie ihren Wagen in einer Form des Festes entgegennehmen, das „Ich taufe Dich“ fehlt noch als Versicherung der besonderen Sakralität und des Religionsersatzes.
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Der Autor Winfried Wolf hat wirklich für den Interessierten alles in einer großen und gut geliederten Fleißarbeit zusammengebracht. Er beschreibt die weltpolitisch uneinnehmbare Festung und Macht der Ölindustrie. Exxon Mobil ist die mächtigste und profitträchtigste Firma mit 2006 36 Milliarden Dollar Nettogewinn. Diese Firma aber sitzt in 124 Organisationen und Think Tanks, von denen wir als Medienkonsumenten immer die Gutachten hören und lesen, die wir zunächst für wissenschaftlich und neutral halten. Der Ölriese förderte nach eigenen Gutdünken in den USA so renommierte Institute wie das Cato Institute, die Heritage Foundation, das Centre for the Study of Carbon Dioxide and Global Warming sowie das Competitive Enterprise Institut. Besonders natürlich finanziert Exxon Think Tanks, die „den Einfluß der menschlichen Aktivität auf den Klimawandel leugnen“. Auch das „Centre for the New Europa“ und das „Corporate Europe Observatory“, Lobbygruppen in Brüssel, werden von Exxon mit gesteuert und mit gesponsert. Deshalb auch bekommen wir keine verlässlichen Informationen über die Begrenztheit der Ressource Öl. Noch in diesem Jahr gab es von der BP die Prognose, es könne noch satt für die nächsten 40 Jahre reichen. „Wir sind optimistisch“, so zitiert der Autor den stellvertretenden Chef Volkswirt von BP, Christoph Rühl, „dass es sich um eine konservative Schätzung handelt. Neue Technologien wie Ölsande werden die Zeitperiode strecken“. Das Öl dieser Ölsande ist mit Erdreich, Sand und Wasser gemischt. Während Shell und der französische Ölkonzern Total in großem Maßstab in diesem Bereich aktiv sind, lehnt der Ölkonzern BP ein Engagement mit Verweis auf die extremen Umweltbelastungen ab.
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Die vielfältigen Kapitel dieses großen Arbeits- und Lernbuches sind gut gearbeitet, haben immer prägnante, manchmal witzige Motti: „Ist etwas auf Erden schief und krumm, dann riecht es bestimmt nach Petroleum“. Dieser Zweizeiler von Kurt Tucholsky ist dem Kapitel Ölkriege und nachwachsende Biokraftstoffkriege vorangestellt.
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Das Buch hat mit 22 Kapiteln große fünf Hauptteile. Der Autor macht es ganz spannend, indem er die „Erste Globalisierung im 19. Jahrhundert“ ganz ausführlich schildert; die Globalisierung der Canal-Mania, der Kanäle und Wasserstraßen, der Eisenbahnen und ihrer damit einhergehenden Transportrevolution.
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Der zweite Hauptteil gilt dem „aufhaltsamen Aufstieg des Automobils“ und dem damit erzwungenen Niedergang der Eisenbahn. Der Dritte Teil nähert sich unserer Lebenszeit: Globalisierung und Verkehr 1950 bis 2005. In sechs  Kapiteln schreitet der Autor die Problemfelder ab: Bahnprivatisierungen – die er „Rolle rückwärts ins 19. Jahrhundert“ nennt; die Welt der Autos, die Welt der Standardcontainer mit Wallnuss Eis und HIS Jeans. Teil IV widmet sich den Kosten, die unsere Weltgesellschaft bei fortschreitender Auto Mobilisierung haben wird: Schlachtfeld Straße, Macho, Tempo Stau.
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Der letzte Hauptteil gilt dem Positiven: Den sieben Tugenden einer alternativen Verkehrsorganisation: Verkehrsvermeidung; Der Förderung des nichtmotorisierten Verkehrs. Dann dem Ausbau des lange Zeit vernachlässigten Personennahverkehrs. Den Pilotprojekten autofreie Stadtteile und Orte. Es gibt - wie man erfährt – schon autofreie Siedlungen, so in Freiburg, Wien, Amsterdam, Hamburg. Der Anteil der Haushalte ohne Auto werde größer. „Autofrei mag im Automeer auf den ersten Blick noch untergehen.“ Doch sei das praktisch autofreie Leben nicht die Demonstration (in erster Linie) eines Verzichtes, sondern der Beleg: Lebensqualität ist ohne Auto höher als beim Leben mit dem Auto.
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Als Alternative Fünf dann die Flächenbahn. Die sechste Tugend beinhaltet ganz dringend die Reduktion und Verlagerung von Flugverkehr. Und die siebten und letzte Tugend die Vermeidung und Verlagerung von Güterverkehr. Das Buch hat gewaltig gute Vorschläge, ist aber manchmal hart an der Abbruchkante der Utopie.
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Doch kann man es so mit Gewinn lesen und durcharbeiten wie das große Arbeitsbuch von Franz Nuscheler zur Entwicklungspolitik und Hilfe. Es sind doch nach dem schon in sich gut belegten Textteil ganze hundert engbedruckte Seiten mit gründlichen Anmerkungen, Verweisen und Zitat Belegen. Eine große editorische Leistung.
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Der Rausch der Mobilität schafft neue Kathedralen und neue Tempel für die Autoanbetung. In Deutschland hat man 2005 schon 1,4 Mio. Geländewagen abgeschafft, die noch mehr Unfälle und Verletzungen produzieren. Offroads Parks gibt es mittlerweile in vielen gebieten Deutschlands, in denen man rasen kann. In Wolfsburg für VW, in Zuffenhausen für Porsche in München für BMW entstehen neue parakirchliche Empfangsräume, in denen hunderttausende von neuen Käufern in einer Art von geheimnisvoller Liturgie ihren Wagen in einer Form des Festes entgegennehmen, das „Ich taufe Dich“ fehlt noch als Versicherung der besonderen Sakralität und des Religionsersatzes.
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Der Autor Winfried Wolf hat wirklich für den Interessierten alles in einer großen und gut geliederten Fleißarbeit zusammengebracht. Er beschreibt die weltpolitisch uneinnehmbare Festung und Macht der Ölindustrie. Exxon Mobil ist die mächtigste und profitträchtigste Firma mit 2006 36 Milliarden Dollar Nettogewinn. Diese Firma aber sitzt in 124 Organisationen und Think Tanks, von denen wir als Medienkonsumenten immer die Gutachten hören und lesen, die wir zunächst für wissenschaftlich und neutral halten. Der Ölriese förderte nach eigenen Gutdünken in den USA so renommierte Institute wie das Cato Institute, die Heritage Foundation, das Centre for the Study of Carbon Dioxide and Global Warming sowie das Competitive Enterprise Institut. Besonders natürlich finanziert Exxon Think Tanks, die „den Einfluß der menschlichen Aktivität auf den Klimawandel leugnen“. Auch das „Centre for the New Europa“ und das „Corporate Europe Observatory“, Lobbygruppen in Brüssel, werden von Exxon mit gesteuert und mit gesponsert. Deshalb auch bekommen wir keine verlässlichen Informationen über die Begrenztheit der Ressource Öl. Noch in diesem Jahr gab es von der BP die Prognose, es könne noch satt für die nächsten 40 Jahre reichen. „Wir sind optimistisch“, so zitiert der Autor den stellvertretenden Chef Volkswirt von BP, Christoph Rühl, „dass es sich um eine konservative Schätzung handelt. Neue Technologien wie Ölsande werden die Zeitperiode strecken“. Das Öl dieser Ölsande ist mit Erdreich, Sand und Wasser gemischt. Während Shell und der französische Ölkonzern Total in großem Maßstab in diesem Bereich aktiv sind, lehnt der Ölkonzern BP ein Engagement mit Verweis auf die extremen Umweltbelastungen ab.
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Die vielfältigen Kapitel dieses großen Arbeits- und Lernbuches sind gut gearbeitet, haben immer prägnante, manchmal witzige Motti: „Ist etwas auf Erden schief und krumm, dann riecht es bestimmt nach Petroleum“. Dieser Zweizeiler von Kurt Tucholsky ist dem Kapitel Ölkriege und nachwachsende Biokraftstoffkriege vorangestellt.
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Das Buch hat mit 22 Kapiteln große fünf Hauptteile. Der Autor macht es ganz spannend, indem er die „Erste Globalisierung im 19. Jahrhundert“ ganz ausführlich schildert; die Globalisierung der Canal-Mania, der Kanäle und Wasserstraßen, der Eisenbahnen und ihrer damit einhergehenden Transportrevolution.
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Der zweite Hauptteil gilt dem „aufhaltsamen Aufstieg des Automobils“ und dem damit erzwungenen Niedergang der Eisenbahn. Der Dritte Teil nähert sich unserer Lebenszeit: Globalisierung und Verkehr 1950 bis 2005. In sechs  Kapiteln schreitet der Autor die Problemfelder ab: Bahnprivatisierungen – die er „Rolle rückwärts ins 19. Jahrhundert“ nennt; die Welt der Autos, die Welt der Standardcontainer mit Wallnuss Eis und HIS Jeans. Teil IV widmet sich den Kosten, die unsere Weltgesellschaft bei fortschreitender Auto Mobilisierung haben wird: Schlachtfeld Straße, Macho, Tempo Stau.
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Der letzte Hauptteil gilt dem Positiven: Den sieben Tugenden einer alternativen Verkehrsorganisation: Verkehrsvermeidung; Der Förderung des nichtmotorisierten Verkehrs. Dann dem Ausbau des lange Zeit vernachlässigten Personennahverkehrs. Den Pilotprojekten autofreie Stadtteile und Orte. Es gibt - wie man erfährt – schon autofreie Siedlungen, so in Freiburg, Wien, Amsterdam, Hamburg. Der Anteil der Haushalte ohne Auto werde größer. „Autofrei mag im Automeer auf den ersten Blick noch untergehen.“ Doch sei das praktisch autofreie Leben nicht die Demonstration (in erster Linie) eines Verzichtes, sondern der Beleg: Lebensqualität ist ohne Auto höher als beim Leben mit dem Auto.
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Als Alternative Fünf dann die Flächenbahn. Die sechste Tugend beinhaltet ganz dringend die Reduktion und Verlagerung von Flugverkehr. Und die siebten und letzte Tugend die Vermeidung und Verlagerung von Güterverkehr. Das Buch hat gewaltig gute Vorschläge, ist aber manchmal hart an der Abbruchkante der Utopie.
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Doch kann man es so mit Gewinn lesen und durcharbeiten wie das große Arbeitsbuch von Franz Nuscheler zur Entwicklungspolitik und Hilfe. Es sind doch nach dem schon in sich gut belegten Textteil ganze hundert engbedruckte Seiten mit gründlichen Anmerkungen, Verweisen und Zitat Belegen. Eine große editorische Leistung.
Quelle:
Rupert Neudeck 2007
Grünhelme 2007
Rupert Neudeck 2007
Grünhelme 2007
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Buch-Tipp 257 von 410
















