Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

20.10.2019

Deutschland bleibt in Sachen Tempolimit der Geisterfahrer

Mehrheit des Bundestages blendet Sachargumente völlig aus

Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) bedauert die Entscheidung des Bundestages gegen ein generelles Tempolimit auch auf Autobahnen. Weniger Treibhausgase, weniger Unfallopfer, flüssigerer Verkehr – alle Sachargumente sprechen für ein generelles Tempolimit. Der LNV kritisiert den Bundestag scharf für diese Entscheidung, die zeige, wie ernst er den Klimaschutz nehme. „Während quasi auf der ganzen Welt ein Tempolimit gilt, gebärdet sich Deutschland als Geisterfahrer und rast in die entgegengesetzte Richtung. Das ist Irrsinn“, sagt LNV-Chef Gerhard Bronner.

In fast allen Ländern der Welt gilt ein Tempolimit

In Europa ist Deutschland das einzige Land ohne. International befindet es sich in Gesellschaft mit einer Handvoll Länder wie Nordkorea, Somalia und Afghanistan. Angesichts der verbohrten Ablehnung durch die Verkehrsminister Scheuer und vorher Alexander Dobrindt erinnert der LNV an die Fakten:

Bei Tempo 120 würden sich die Kohlendioxid-Emissionen auf den Autobahnen, auf denen 40 Prozent der Verkehrsleistung stattfindet, um neun Prozent reduzieren. Das entspricht drei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Um dieselbe Umweltentlastung in anderen Sektoren zu erreichen, müsste der Staat viele Milliarden investieren – ein Tempolimit würde dagegen Folgekosten sparen. Zudem wären Autos, die für eine geringere Maximalgeschwindigkeit ausgelegt sind, generell sparsamer.

Tempolimits führen zu weniger Staus, vor allem weil die hohen Geschwindigkeitsdifferenzen wegfallen. Selbst wenn nur 10 bis 15 Prozent der Pkw schneller als 150 fahren – oft sind es mehr –, beeinträchtigen diese einen gleichmäßigen Verkehrsfluss und führen zu dem Phänomen des Staus aus dem Nichts.

Vorher-Nachher-Vergleiche bei der Einführung von Tempolimits belegen zudem, dass die Zahl der getöteten und verletzten Personen sinken würde. Bei langsameren Geschwindigkeiten entstehen weniger Unfälle mit weniger schlimmen Folgen. „Hätten wir das französische oder das Schweizer Tempolimit, gäbe es in Deutschland jedes Jahr etwa 400 bis 500 Tote weniger im Straßenverkehr“, sagt Bronner. In Frankreich gilt Tempo 80 auf Landstraßen und 130 auf Autobahnen, in der Schweiz 80 auf Landstraßen und 120 auf Autobahnen.

.................................................................................

Der Tagesspiegel: Unfallforscher: 80 Tote weniger pro Jahr bei Tempolimit

Würde ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen eingeführt, gäbe es rund 80 Unfall-Todesopfer pro Jahr weniger. Zu dieser auf der offiziellen Unfallstatistik beruhenden Schätzung kommt der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. "Im Jahr 2017 kamen schätzungsweise 80 Menschen auf Autobahnabschnitten ohne Tempolimit zu Tode, weil sie mit nicht angepasster Geschwindigkeit unterwegs waren", sagte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) dem "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe).

Insgesamt kam es nach seinen Angaben 2017 zu 277 tödlichen Unfällen auf Autobahnstrecken ohne Tempolimit, 114 davon waren geschwindigkeitsbedingte Unfälle, rund 80 davon waren Brockmann zufolge auf zu hohes Tempo zurückzuführen. © Der Tagesspiegel (Bundestag lehnt Vorstoß für Tempolimit auf Autobahnen ab)

Zurück zur Übersicht

Quelle   Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) 2019

Das könnte sie auch interessieren