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Zurck zur bersicht

02.04.2014

Bewertung der EEG-Novelle - Teil III: Windkraft

Die Windkraft muss zusammen mit der Solarenergie volumenmäßig das Zugpferd auf dem Weg zu einer Vollversorgung mit Ökostrom sein. Etwa 40-50 Prozent unserer zukünftigen Stromversorgung werden aus der Windenergie kommen müssen. Heute sind wir in Deutschland davon noch weit entfernt. Der dritte Teil meiner Bewertung der EEG-Novelle widmet sich daher den geplanten Einschnitten bei der Windenergie. Teil III: Windkraft von Hans-Josef Fell

Die deutsche Stromversorgung wird etwa zu neun Prozent vom Windstrom abgedeckt. Bei diesen neun Prozent gibt es bereits heftige Diskussionen über die angeblich nicht beherrschbaren Schwankungen der Windstromproduktion: Es gäbe Abschaltungen von Windrädern, um die Überlastungen der Netze zu verhindern und viel mehr Windstrom könne man nicht integrieren, weil zum Einen der Stromüberschuss dem Netz Überlastungsprobleme bereite und zum Anderen in windschwachen Zeiten die Erzeugung nicht den Strombedarf decken könne.

Dänemark macht’s vor

Da überrascht Dänemark. Im letzten Jahr betrug der Anteil der Windenergie an der dänischen Stromversorgung schon rund ein Drittel. Das Nachbarland hat es sogar geschafft, seinen Strombedarf im Dezember 2013 zu mehr als 50 Prozent aus Windenergie zu decken. Damit ist das Land auf dem besten Weg, das offizielle Ziel von 50 Prozent Windenergie bis 2020 zu erreichen. Und in Dänemark schmelzen die Netze nicht, wenn dort viel Wind weht und dieser sie vollständig mit Windstrom versorgt. Dänemark zeigt auf, wie die hohen Volatilitäten innerhalb der Erneuerbaren Energien zukünftig sinnvoll ausgeglichen werden und sogar Problemlösungen in anderen Energiesektoren schaffen können.

Überschüssiger Windstrom in windstarken Zeiten wird nicht abgeschaltet, sondern dient zur Aufheizung der Nahwärmesysteme, womit teures Erdöl- und Erdgas vermieden werden können. In windschwachen Zeiten springen in den Nahwärmesystemen Blockheizkraftwerke an, die vielfach mit Biogas gespeist werden. Sie erzeugen den in windschwachen Zeiten fehlenden Strom- und Wärmebedarf. Diese Politik, die natürlich noch mit sinnvollem und intelligentem Netzmanagement ergänzt werden muss, wäre auch für Deutschland wegweisend.

Windstrom kann natürlich auch über große Netze teilweise ausgeglichen werden. Über die räumliche Verteilung können gerade starke Windangebote in einzelnen Regionen windschwache Regionen ausgleichen. Daher ist der Ausbau der Netze ein wichtiges Ziel. Zur Nutzung des starken Windstromangebotes in Deutschlands Norden sind aber nicht nur die Netze zum Transport des Stroms in den Süden erforderlich. Viel schneller kann der Windstrom im Norden auch dort genutzt werden, wenn endlich aktiver Klimaschutz geleistet wird und die vielen Atom- und Kohlekraftwerke im Norden schneller als vorgesehen abgeschaltet werden. Der fehlende Netzausbau im Süden muss einem schnelleren Windausbau im Norden nicht entgegenstehen. Das entscheidende Hemmnis für einen weiteren Windstromausbau offshore und onshore sind die Betreiber von Kohlekraftwerken, die darauf bestehen, das Klima weiter zu belasten.

Seehofer sollte Windkraftpotentiale fördern

Auch im Süden Deutschlands kann und muss die Windkraft einen großen Beitrag liefern. Für viele ist es überraschend, dass Bayern von allen Bundesländern das höchste Windpotential hat, obwohl die großen Windgeschwindigkeiten im Norden sind. Aber das Windpotential ergibt sich als Produkt aus Windangebot multipliziert mit der zur Verfügung stehenden Fläche. Um das große Windpotential der südlichen Länder zu nutzen, sind zwei Zielvorstellungen entscheidend: Zum Einen müssen die Vergütungssätze in den windschwächeren südlichen Regionen weiterhin Investitionen in die Windenergie möglich machen. Zum Anderen müssen die südlichen Bundesländer auch genügend Flächen für den Windausbau zur Verfügung stellen. Sowohl in der EEG-Novelle, als auch mit dem bayerischen Vorstoß zur Länderöffnungsklausel werden beide Ziele missachtet und die Investitionsbedingungen verschlechtert.

Die zehnprozentige Vergütungskürzung an windschwächeren Standorten (60-77,5% Referenzertrag) wird viele Projekte in den südlichen Bundesländern unter die Renditeschwelle schicken und damit den Ausbau der Windkraft behindern. Die Vorstellungen der bayerischen Staatsregierung, die Abstände auf die zehnfache Höhe eines Windrades hochzusetzen (was im Endeffekt auf 2.000 Meter Abstände hinausläuft) wird dem Windkraftausbau substanziell so viel Raum nehmen, dass er zum großen Teil nicht mehr stattfinden wird. Das ist nicht nur ein Problem Bayerns. Auch Sachsen hat im Bundesrat diese Initiative bereits unterstützt. Deshalb kann sich die bayerische Initiative schnell zu einem bundesweiten Flächenbrand ausbreiten.

Auch die Runde der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Merkel und Energieminister Gabriel hat keine entscheidenden Verbesserungen für die Windkraft gebracht. Es gilt weiterhin, die Vergütungsätze auch im Süden nicht nach den Vorstellungen Gabriels in der EEG-Novelle zuzulassen. Und zweitens gilt es über Klageverfahren dafür zu sorgen, dass der Windkraft ausreichend Raum zum Ausbau auf Länderebene zur Verfügung gestellt wird. Die Klagegemeinschaft Pro Windkraft sucht weiterhin Spendenkapital, um diese Klagen führen zu können.

Für die globale Energiewende brauchen wir auch die Offshore-Windkraft

Vielfach wird der Ausbau der Offshore-Windenergie kritisiert, weil dies nur die Großkonzern-Strukturen befördere und den Ausbau der Windenergie im Süden behindern könne. Dies ist eine kurzsichtige Betrachtungsweise. Es macht mehr Sinn, dass die Großkonzerne in Offshore-Windenergie statt in Kohlekraft investieren. Die Energiewende in Deutschland kann darüber durchaus beschleunigt werden. Zudem ist die Offshore-Windenergie eine zentrale Technik für die globale Energiewende. Angesichts der vielen Mega-Cities an den Küsten muss man das Meer zur Stromerzeugung nutzen, wo neben Windenergie auch die Wellenkraft die entscheidende Rolle spielt. Daher ist die Entwicklung der Offshore-Technik für die globale Energiewende unverzichtbar.

Neben vielen zu kritisierenden Punkten in der EEG-Novelle zum Thema Windkraft stechen besonders heraus:

Onshore-Windkraft

  • Vergütungen bei der Onshore-Windkraft werden gemäß dem Referentenentwurf vom März an ertragreichen Standorten (95-130% Standortqualität) um über 20 Prozent gekürzt. Für einen Teil der besonders windstarken Standorte scheint dies akzeptabel, um Überförderungen zu verhindern. Für die 100%-Standorte ist die Kürzung aber zu stark.
  • Schlechte Standorte (60-77,5%) sollen eine fast 10 Prozent niedrigere Vergütung erhalten als bislang. Inwiefern Energieminister Gabriel diese Einschnitte noch bis zum Kabinettsbeschluss zurücknehmen wird, ist aktuell nicht abzusehen. Würden sie umgesetzt, würde man der günstigsten Energieform in Süddeutschland viel Wind aus den Segeln nehmen.
  • Ein Ausbaukorridor von Windkraft an Land von 2.500 MW/Jahr ist nicht geeignet um das Ziel von 100% Ökostrom bis 2030 zu erreichen.
  • Die jüngste Einigung zwischen Merkel, Gabriel und Ministerpräsidenten, dass der Austausch alter durch neue Anlagen nicht auf den allgemeinen Deckel aufgerechnet wird, ist eine Verbesserung zu den Meseberg-Eckpunkten. Das gesamte Volumen reicht aber dennoch nicht, um in Deutschland schnell 100% Erneuerbare Energien zu erreichen.
  • Der „atmende Deckel“ ist gerade aufgrund der langen Planungszeiträume von Windkraftanlagen ungeeignet und wird bald als Investitionshemmnis wirken.
  • Die Streichung des Systemdienstleistungs-Bonus ist in Verbindung mit Vergütungskürzungen ein massiver Einschnitt, der an keiner anderen Stelle kompensiert wird.

Offshore-Windkraft

  • Offshore-Windkraft soll insgesamt nur im Umfang von 6.500 MW bis zum  Jahr 2020 ausgebaut werden. Dies ist eine starke Reduzierung der bisherigen Ausbauziele zu Lasten des Offshore-Ausbaus.

Bestandsanlagen

  • Die Stichtagsregelung macht die bisherigen Kalkulationen bei noch nicht genehmigten Projekten unbrauchbar.
  • Die plötzliche Einführung der Direktvermarktung ist gerade bei Projekten mit langem Planungszeitraum schwierig.

Zurck zur bersicht

Quelle   Hans-Josef Fell 2014Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG