Ad

Anzeige

Zurck zur bersicht

03.06.2014

Sonnenstrahl Nummer 1 – Durchbruch geschafft

Noch immer sieht sich Strom von der Sonne ungerechtfertigten Angriffen ausgesetzt. So erschien in der Weltwoche unlängst ein Artikel, der Solarstrom zum Klimakiller stempelte! Und ein Beitrag des Schweizer Fernsehens über die steigende Zahl von Solaranlagen-BetreiberInnen führte zu einem Sturm der Entrüstung auf Seiten der unverbesserlichen Atombefürworter. Doch die Realitäten präsentieren sich anders – und eindeutig positiv zugunsten der Sonnenenergie. Von Guntram Rehsche

Man muss gar nicht auf die aktuelle Meldung des Massachusetts Institut of Technology MIT zurückgreifen, die eine neue Rekordsolarzellevermeldet. Auch bei der Menge verbauter Solarmodule gibt es einen ungebrochenen Boom. Allerdings geht es in Europa nicht so recht voran, was auf die schockartigen Politikwechsel zurückzuführen ist. Immerhin bildet die Schweiz eine löbliche Ausnahme – hier stehen die Zeichen auf ungebrochenem Wachstum. Weltweit werden es  2014 zwischen 45 und 50 Gigawatt Solarleistung sein, bei deren 15 im letzten Quartal.

Davon will hierzulande vor allem die Zeitschrift Weltwoche nichts wissen. Nach mehreren höchst skeptischen Artikeln über Erneuerbare Energien (bei gleichzeitig extremem Klimaskeptizismus) setzte der Beitrag «Solarstrom ist ein Klimakiller» (im Internet nicht frei zugänglich) dem Ganzen die Krone auf. Dazu schrieb der Autor von Solarmedia in einem Leserbrief an die Weltwoche: «Ausgangspunkt ist die an sich richtige Feststellung, dass keine Energieform ohne Emissionen zu haben ist. Zu berücksichtigen sind dabei aber nicht nur das zweifellos klimaschädliche CO2, sondern alle Schadstoffe. Wenn bei einem solchen Vorgehen eine Totalbilanz methodisch schwieriger zu erstellen ist (und immer bestritten bleibt), so ist gleichzeitig zweierlei plausibel: Atomstrom schneidet in einer solchen Gesamtbetrachtung viel schlechter ab als bei reiner CO2-Optik - insbesondere der nukleare Müll harrt ja seit Jahrzehnten einer menschenfreundlichen Entsorgung. Da hilft das Vertrösten auf künftige Technologien wenig (die die Millionen Jahre anhaltende Strahlung des Atommülls in ungewisser Zukunft mindern sollen).

Und zweitens schneiden die Erneuerbaren Energien in einer reinen CO2-Bilanz gegenüber allen fossilen  Energien deutlich besser ab. Das hat auch das Paul-Scherrer-Institut längst erkannt und in Berechnungen festgehalten. Auch Solarstrom weist demnach nur eine CO2-Belastung von 40 bis 80 Gramm pro Kilowattstunde. Eine Berechnung mit dem jeweils ungünstigsten Fall (wie im Artikel angenommen) ändert daran nichts. Solarstrom ist niemals der Klimakiller, als der er im Weltwoche-Artikel unterstellt wird. Das zeigt wohl nicht zuletzt die chinesische Energiepolitik, die unterdessen den photovoltaisch erzeugten Strom massiv fördert, den chinesischen PV-Markt letztes Jahr zum weltgrössten machte - und leistungsmässig unterdessen jährlich weit mehr Solar- als Atomstrom ans Netz bringt.». Der Text wurde stark gekürzt wiedergegeben, ein erneuter Abdruck allerdings in Aussicht gestellt.

Auch das Schweizer Fernsehen kriegte sein Fett weg, als es im Rahmen der St. Galler Energietage vor Wochenfrist von der praktischen Energiewende von Herrn und Frau Schweizer berichtete. Diese bauen nämlich Solaranlagen in grosser Zahl selbst und gehen dazu über, den Strom dank der neuen Eigenverbrauchsregelung gleich zu einem grossen Teil selbst zu verbrachen. Weil die Sendung noch untermauert war vom Ergebnis einer Umfrage der Hochschule St. Gallen zur Atomenergie (77 Prozent der SchweizerInnen befürworten demnach den Ausstieg auf mittlere Frist), entlud sich ein wahrer Shitstorm über der nationalen TV-Anstalt.

Was nicht sein darf, ist demnach einfach nicht – also dass zumindest einmittelfristiger Atomausstieg bei gleichzeitiger Energiewende mehrheitsfähig wird. Fazit – noch immer gibt es eine gewisse Anzahl lautstarker Zahl von Skeptikern, die an die Kraft der Sonne viel weniger glauben als an jene der Atomenergie. Dem steht gegenüber, dass auch in der Schweiz Grid Parity (Preisgleichheit mit dem Tarif für Haushaltsttrom ab Steckdose) unterdessen erreicht scheint - oder spätestens mit einer ab 2015 erneut gesenkten Kostendeckenden Einspeisevergütung, um die derzeit das Bundesamt für Energie mit den einschlägigen Kreisen ringen.

Die Absenkung der Vergütung um bis zu 20 Prozent steht dem Vernehmen nach zur Diskussion – was dann selbst bei Kleinanlagen Solarstrompreisen von höchstens 20 Rappen pro Kilowattstunde entsprichen wird. Weil nun Eigenverbrauch erlaubt ist und bei einem durchschnittlichen Haushaltstromtarif von 22 Rappen winkt je nach Höhe des Eigenverbrauchs ein Gewinn von mehreren hundert Franken jährlich. Solarstrom hat den Durchbruch geschafft.

Zurck zur bersicht

Quelle   Solarmedia | Guntram Rehsche 2014