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Zurck zur bersicht

13.08.2014

Schafft Japan die Energiewende?

Eindrücke einer Vortrags- und Studienreise im Land der aufgehenden Sonne. Über Energiezukunft und Energiewende wird viel geschrieben und erzählt – auch viel Irreführendes – insbesondere über die Energiepolitik Deutschlands. Über die Situation in Japan fliessen die Meldungen dagegen eher spärlich. Von Fritz Wassmann-Takigawa

In diesem verwirrlichen Informationsdschungel gibt es einige Lichtblicke, wie den deutschen Energiefachmann Bene Müller, Mitbegründer und CEO des BürgerEnergieUnternehmens solarcomplex in Singen am Hohentwiel. Seine Vorträge und Beratungen – hochkompetent, faktentreu, auf langer Praxiserfahrung gründend – stiessen anlässlich seiner Vortragsreise in Japan auf sehr grosses Interesse und lösten viel Begeisterung aus.

Eingeladen hatten verschiedene Gewerbeverbände und Handelskammern in den Präfekturen („Kantonen“), der Kleinbauernverband Nominren der Präfektur Fukushima, sowie das  Departement  für Gewerbe, Tourismus und  Arbeit  der Präfektur Shiga. (Bild 1)

Japan – eine gespaltene Nation

In der Folge des Reaktorunfalls in Fukushima-Daiichi hatte die japanische  Regierung verfügt, dass alle 48 verbliebenen AKWs schrittweise vom Netz genommen und erst nach bestandenen, strengen Tests wieder hochgefahren werden dürfen. Vor dem 11.3.2011  hatten alle Atomkraftwerke zusammen knapp 30% des Stroms der Industrienation geliefert.  Seit September 2013 befindet sich  kein einziges AKW mehr in Betrieb. Schon zuvor waren nur noch zwei Reaktoren  aktiv.  Die Lücke wurde mit  Effizienz- und Sparmassnahmen geschlossen, von der Bevölkerung, wie auch der Wirtschaft in vorbildlicher Weise umgesetzt . Ausserdem wurden fossile Energieträger: Erdgas, Kohle, Schweröl importiert.

Diese Importe belasten seither die Aussenhandelsbilanz Japans – auch eine Folge der jahrzehntelangen verfehlten Energiepolitik des Landes, welche die Nutzung der reichen einheimischen Energiequellen – Sonne, Wind, Wellen, Geothermie, Biomasse – sträflich vernachlässigt hat.

Der mächtige Industrieverband Keidanren, wie auch Premierminister Shinzo Abe und seine Regierung drängen auf ein baldiges Wiederhochfahren der Atommeiler. Dieses Vorhaben spaltet das Land. Schon Shinzo Abes Gattin und First Lady der Nation, Akie Abe, bekennt sich öffentlich zum Atomausstieg, ebenso wie vier der bisherigen Premierminister: Naoto Kan,  Junichiro Koizumi, Morihiro Hosokawa und Yukio Hatoyama.

Eine vom japanischen Staat im  Sommer 2012 durchgeführte Bevölkerungsanhörung zeigte ein ebenso kontroverses Bild: 87% der Befragten wollten den Atomausstieg.  Die im März 2014 von der grossen Zeitung Asahi Shinbun durchgeführte Umfrage zeigt in dieselbe Richtung, wenn auch etwas abgeschwächt: 59% wollen den Atomausstieg , 28% nicht. Eine flächendeckende Propagandawalze in den Medien  wirbt seit geraumer Zeit für das Wiederauffahren der AKWs, auch Alltagsprobleme und Verdrängung der Fakten zeigen Wirkung.

Japans (noch) ungehobene Schätze

Japan ist überaus reich an natürlichen Energieressourcen.  Tausende Kilometer Küstenlinie trennen das Land von zwei Meeren: dem Pazifik und dem Japanisch-Chinesischen Meer. Wellen schlagen  ohne Unterlass gegen die Ufer. Mancherorts wird ihre Kraft durch Wälle riesiger Betonanker gebremst – diese enormen Kräfte liessen sich genausogut  für die Gewinnung von Wellen-, Strömungs- wie auch Gezeitenenergie nutzen.   Wo Meere sind, ist auch Wind – Japan verfügt über ein riesiges Windpotential.

Das Land ist vulkanisch. Die  über 3000 „Onsen“ – Thermalbäder – werden von der Bevölkerung überaus geschätzt, sind wichtiger Bestandteil ihrer Kultur. Der enorme Reichtum an leicht erschliessbaren heissen Quellen und Erddampf wird aber nur  von  wenigen Kraftwerken oder Wärmeverbünden genutzt.

Die Sonne scheint grosszügig auf das Inselreich, die Winter – gerade auch im Grossraum Tokyo – sind sonnig und mild. Photovoltaikanlagen bringen in der Regel etwas höhere Erträge als im Schweizerischen Mittelland.

Wälder bedecken noch immer 68% der Landesfläche und sind nur zum kleinen Teil erschlossen und nach den Prinzipien  zeitgemässer Forstwirtschaft genutzt.  Forstwirtschaftliche Ausbildung und Infrastruktur wurden vernachlässigt.Verlassene  Felder in abgelegenen Regionen werden  im feucht-warmen Klima von Gestrüpp überwuchert – rasch nachwachsende Biomasse im grossen Mengen.

Und das Klima ist gerade im dichtbesiedelten Raum Tokyo-Nagoya-Kyoto-Osaka-Kobe die meiste Zeit des Jahres über sehr angenehm. Im Frühling und Herbst bewegen sich die Aussentemperaturen um 25-28 Grad – jede Innenraumkühlung wäre überflüssig, ja ausgesprochen kontraproduktiv – denn Klimaanlagen wirbeln Staub auf und verstreuen Krankheitserreger flächendeckend in die Räume. Sie sind zweifellos die Ursache zahlloser Erkältungen und anderer Krankheiten. Nur in der feuchtheissen Sommerzeit kann eine Kühlung angenehm und notwendig sein. . Im Winter müssen  Arbeits- und Wohnräume beheizt werden, auch deshalb, weil fast alle Bauten miserabel wärmegedämmt sind. (Bild 2 + 3)

Zurck zur bersicht

Quelle   Fritz Wassmann-Takigawa 2014E-Mail: fritz.wassmann@gmx.ch