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10.11.2019

Die Auswirkungen des Rückzugs der USA aus dem Pariser Klimaabkommen

Noch bevor US-Präsident Donald Trump die Tage den Rückzug der USA aus dem Pariser Abkommen formell bestätigte, hatte CAT die Auswirkungen auf die US-Emissionen untersucht.

Climate Action Tracker“ (CAT) veröffentlicht unabhängige wissenschaftliche Analysen, welche staatlichen Klimaschutzmaßnahmen mit dem weltweit vereinbarten Ziel misst, die Erwärmung deutlich unter 2°C zu halten und die Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. CAT ist ein Zusammenschluss von Climate Analytics, Ecofys und dem NewClimate Institute.

Noch bevor US-Präsident Donald Trump die Tage den Rückzug der USA aus dem Pariser Abkommen formell bestätigte, hatte CAT die Auswirkungen auf die US-Emissionen untersucht. In dieser Veröffentlichung wird genauer darauf eingegangen, wir haben das Dokument für Sie frei übersetzt:

Zusammenfassung

  • Der beabsichtigte Rückzug der USA aus dem Pariser Abkommen und die Rücknahme nationaler Klimapolitik durch die Trump-Administration werden dazu führen, dass die Treibhausgasemissionen der USA im Jahr 2030, verglichen mit den heute noch geltenden Vorschriften, um mindestens 3% höher sein. Dennoch prognostiziert CAT, dass die US-Emissionen um 2% unter dem liegen werden, was noch im Zuge der Machtübernahme von Trump (ebenfalls von CAT) prognostiziert wurde. Insgesamt werden die Emissionen dann 13% unterhalb des Niveaus von 2005 sein.
  • Durch Trump konnte der schnelle Rückgang bei der Kohleverstromung und den Anstieg der Erneuerbaren Energien nicht gestoppt werden. Trotz der Schwächung des „Clean Power Plans“ dürfte der US-Stromsektor somit seine Emissionsminderungsziele übertreffen.
  • Die Aktivitäten der Regierung haben, insbesondere durch die verstärkten Gasexporte, jedoch auch erhebliche Auswirkungen auf die Treibhausgasemissionen außerhalb der USA. Die Befürchtungen, dass der Austritt viele andere Länder ebenso dazu animieren könnte sich aus dem Pariser Abkommen zurückziehen, haben sich jedoch als unbegründet erwiesen.


Nachdem von US-Präsidenten am 1. Juni 2017 verkündet wurde, dass die Vereinigten Staaten aus dem Pariser Abkommen aussteigen würden, war dies ein erster großer Schritt einer Kampagne, in der die Klimapolitik systematisch zurückgefahren werden sollte. Gleichzeitig begann man damit die Bemühungen der vorherigen Regierung zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu schwächen.
 
Nach den Regeln des Pariser Abkommens war der 4. November 2019 das früheste Datum, an dem die Trump-Administration offiziell einen Antrag auf Rücktritt vom Abkommen stellen konnte. Der nun getätigte Austritt selbst wird genau ein Jahr später, einen Tag nach den US-Präsidentschaftswahlen 2020, konkret in Kraft treten.

Diese Entscheidung fügt sich nahtlos in eine der Reihe von Rückschlägen in der Klimapolitik ein, welche alle zu einer Erhöhung der Treibhausgasemissionen führen könnte. Dies geschieht, obwohl die USA mit extremen Ereignissen zu kämpfen haben, welche durch den Klimawandel verschärft werden. Beispielsweise gab es verheerende Waldbrände in Kalifornien, Stromausfälle für über zwei Millionen Menschen wie auch Stürme an der Ostküste.

Auch wenn die momentane Bundesverwaltung die Rücknahme von mehr als 50 Maßnahmen, die zu einem Anstieg der Treibhausgasemissionen führen können, vorgelegt hat und einiges bereits durchgeführt wurde, werden die Treibhausgasemissionen im Jahr 2030 mit 186 Mt CO2eq nur um 3% höher ausfallen als zunächst prognostiziert, da viele der ursprünglichen Richtlinien noch immer in Kraft sind. Die Gesamtprognose des CAT für 2030, einschließlich der Berücksichtigung der implementierten Trump-Rollbacks, liegt nun 2% unter den eigenen Schätzungen aus dem Jahr 2016, als Trump sein Amt antrat. Insgesamt rechnet CAT für 2030 nun mit einer Reduzierung von 13% gegenüber dem Niveau von 2005.

Es sind zwei gegensätzliche Effekte zu beobachten, die sich nahezu aufheben: Die erhöhten Emissionen aus den Rollbacks wurden weitgehend durch eine geringere Emissionsprognose im Stromerzeugungssektor aufgrund eines sich ändernden Stromerzeugungsmixes mit verstärktem Einsatz von Gas und billigeren Erneuerbaren Energien kompensiert, die weiterhin Kohle verdrängen.
 
Die Marktkräfte der billigeren Erneuerbaren Energien und des Erdgases haben die Kohlekraftwerke unter wirtschaftlichen Druck gesetzt, in diesem Jahr mussten bereits acht Konkurs anmelden. Diese Marktkräfte spiegeln sich in aktuellen Prognosen wider, die zeigen, dass die Trump-Administration zwar den Clean Power Plan ersetzt hat, der Energiesektor aber immer noch das ursprüngliche Ziel, die Emissionen bis 2030 um 32% unter das Niveau von 2005 zu senken, übertreffen wird. Obwohl die Trump Administration versucht hat, diesen Trend umzukehren, ist es ihr nicht gelungen.
 
Weitere wichtige Rückschläge sind die Nichtdurchsetzung einer Verordnung über effiziente Beleuchtung, die Verordnung über fluorierte Treibhausgase, die Verschiebung von Energieeffizienz- und Emissionsnormen für Kraftfahrzeuge und die Nichtdurchsetzung der obligatorischen Reparatur von Gaslecks.
 
Export erhöhter Emissionen durch Gas
Es ist jedoch beunruhigend, dass die Emissionen außerhalb der USA aufgrund der erheblichen Unterstützung für die Produktion fossiler Brennstoffe und der Exporte in den USA zunehmen könnten. Hier ist vor allem das unkonventionelle Gas durch Fracking hervorzuheben. Die USA sind heute der weltweit größte Produzent von Erdöl und Erdgas. Die LNG-Exporte stiegen von 2017 bis 2018 um 53% und dürften sich bis 2020 mehr als verdoppeln. Die USA fördern die Entwicklung neuer gasbezogener Infrastrukturen (LNG-Häfen und -Pipelines) im Ausland, um ihren Exportmarkt zu erweitern.
 
Diese erheblichen Investitionen in die Gasinfrastruktur werden auch dazu führen, dass Länder mit großen Gasimporten bei ihrer Energieversorgung einen Pfad fossiler Abhängigkeit einzuschlagen werden, welcher mit dem Temperaturzielen des Pariser Abkommens nicht vereinbar ist. Die Abhängigkeit mit diesen Technologien wird auch sehr wahrscheinlich zu Ausfällen von Vermögenswerten (stranded assets) führen.
 
Die Absicht des zweitgrößten Verursachers der Welt, sich aus dem Pariser Abkommen zurückzuziehen, war zunächst Anlass zu großer Sorge und weckte die Befürchtung, dass viele andere Länder ebenso dazu animiert werden könnten sich auch aus dem Pariser Abkommen zurückziehen. Das hat sich jedoch glücklicherweise als unbegründet erwiesen. Brasilien hat zwar gedroht, das Pariser Abkommen aufzugeben, dies aber nicht getan. Nach mehr als zwei Jahren, seit die Trump-Administration zum ersten Mal ihre Absicht bekannt gab, sich aus dem Pariser Abkommen zurückzuziehen, hat sich die internationale Unterstützung hinter dem Pariser Abkommen als stark erwiesen. Kein anderes Land außer den USA hat sich bisher zurückgezogen. Selbst der letzte verbliebene große Emittent, Russland, trat am 7. Oktober dem Pariser Abkommen bei.

Hinweis Diesen Trump-Cartoon und viele weitere Zeichnungen des Pulitzer-Preisträgers Tom Toles finden Sie in dem Buch „The Madhouseeffect“, welches Toles zusammen mit dem Klimaforscher Micheal E. Mann veröffentlicht hat. Hier können Sie die deutsche Ausgabe erwerben.

Zitate von Geschäftsführern der CAT-Mitglieder

  • Prof. Niklas Hohne, NewClimate Institute: "Dass der zweitgrößte Emittent der Welt dem Pariser Abkommen absichtlich den Rücken kehrt und 2030 höhere Emissionen haben wird als heute, ist ein unverantwortlicher Akt in einer Zeit, in der die Klimakrise dringende Maßnahmen erfordert."
  • Bill Hare, Klimaanalytik: "Trotz seines Gelübdes, Kohle zu sparen und die Zölle auf Solarstrom zu senken, muss Präsident Trump den unaufhaltsamen Aufstieg der Erneuerbaren Energien in den USA akzeptieren. Länder, die Gasinfrastrukturen aus den USA importieren, sollten sorgfältig über ihre Vermögenswerte nachdenken."

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Quelle   Der Bericht wurde von der Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (Mattias Hüttmann) 2019 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von Matthias Hüttmann weiterverbreitet werden! | SONNENENERGIE 03/2019 | Das Inhaltsverzeichnis zum Download!

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