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08.06.2019

Finnland will bis 2035 klimaneutral werden

Finnland will die erste Industrienation werden, die frei ist von fossilen Energien. Das hat die neue sozialdemokratische Regierung mit ihren Koalitionspartnern vereinbart. 2035 soll das Land klimaneutral sein, eine wichtige Rolle spielt der Wald.

„Das ist ein guter Tag für die Finnen“, jubelte Greenpeace Finnland am Montag. Die Umweltschutzorganisation unterstützt die neue Regierung in ihrem Ziel, das Land bis 2035 in die Klimaneutralität zu führen. Gleichzeitig sei der Plan aus Sicht von Greenpeace „bei Weitem noch nicht perfekt“, aber eine gute Grundlage, um die noch vor dem Land liegenden „großen Kämpfe“ für den Klimaschutz zu führen.

Ebenfalls am Montag hatte die neue mitte-links Regierung bestehend aus Sozialdemokraten, Zentrumspartei, Grünen, Linksbündnis und Schwedischer Volkspartei ihr Regierungsprogramm vorgestellt. Der neue finnische Ministerpräsident und ehemalige Gewerkschafter Antti Rinne sagte, er wolle ein soziales, wirtschaftliches und ökologisch nachhaltiges Finnland bis 2030.

Negative Emissionen ab 2035

Bis spätestens 2035 wird Finnland klimaneutral sein, so steht es im Regierungsprogramm. Die Koalition will dafür das Klimagesetz ändern und das Ziel verbindlich festschreiben. Bislang sah das Gesetz die Klimaneutralität für 2045 vor. Doch auch nach 2035 soll nicht Schluss sein: Die Regierung strebt dann negative Kohlendioxidemissionen an.

Die Ankündigungen des Bündnisses kommen alles andere als überraschend. Die Klimakrise, und wie sie zu bewältigen ist, bestimmte den Wahlkampf. Vor der Wahl verlangten einer Umfrage zufolge 70 Prozent der Finnen von einer neuen Regierung stärkere Maßnahmen gegen den Klimawandel.  

Holz und Atom statt Kohle und Öl

Wie von Greenpeace angekündigt, dürfte die Aufgabe nicht gerade einfach werden. Der Anteil von Öl am Gesamtenergieverbrauch Finnlands betrug 2018 noch 22 Prozent, Kohle kam auf 8 Prozent, Gas und Torf auf jeweils 5. Diese 40 Prozent seines Energieverbrauchs muss das skandinavische Land also in den nächsten 16 Jahren ersetzen oder ausgleichen.

Helfen sollen dabei vor die anderen beiden großen Energieträger: Holz und Atomenergie. Bereits seit 2005 baut der französische Atomkonzern Areva am AKW-Standort Olkiluoto einen Europäischen Druckwasserreaktor (EPR). Bauzeit und Kosten haben sich mittlerweile verdreifacht, knapp unter zehn Milliarden Euro wird der Atomreaktor mit einer Leistung von 1.600 Megawatt kosten. Auch der Ausbau Erneuerbarer Energie, allen voran der Windenergie soll den Umbau beschleunigen.

Der Wald als CO2-Senke

Das von Holzwirtschaft geprägte Finnland setzt gleich in doppelter Hinsicht auf den Wald. Zum einen als Kohlendioxidsenke, denn Bäume binden beim Wachstum CO2. So kann Finnland schon 2035 klimaneutral werden und gleichzeitig noch Emissionen ausstoßen. Gleichzeitig dürfte vermehrt Holz als klimaneutraler Brennstoff eingesetzt werden, allerdings oft zulasten der Ökosysteme.

Im alten Klimaschutzgesetz war das Ziel festgesetzt, bis 2050 mindestens 80 Prozent der Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 einzusparen. Die restlichen 20 Prozent sollte der finnische Wald kompensieren. Ob es bei der Zahl bleibt, ist noch unklar.

EU-Klimapolitik vorantreiben

Im eigenen Land soll allerdings nicht Schluss sein: Das neue Bündnis verpflichtet sich dem Ziel, die durchschnittliche Erderwärmung unterhalb von 1,5 Grad zu halten und will die EU-Klimaziele verschärfen.

Der Zeitpunkt dafür ist günstig: Am 1. Juli übernimmt Finnland die EU-Ratspräsidentschaft bis zum Ende des Jahres. Das Ziel der Finnen: Die EU soll noch vor 2050 klimaneutral werden und das 2030er Ziel angehoben werden. Statt 40 Prozent weniger Treibhausgase strebt die Regierung 55 Prozent für Europa an.

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion “energiezukunft“ (cw) 2019 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 25 / Herbst 2018 | "Baustelle Energiewende - Was jetzt zu tun ist" | Jetzt lesen | Download

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