Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

02.10.2019

Neue Windkraft ab 2020 außerhalb des EEG?

Wenn ab 2020 für mehrere tausend Megawatt Windkraft die EEG-Förderung endet, sollen langfristige Stromlieferverträge, sogenannte PPA, möglichst viele der Altanlagen am Netz halten. Wirtschaftsforscher untersuchten jetzt, ob solche Verträge auch dem stagnierenden Neubau von Windkraft aufhelfen können.

Analyse von DIW-Forschern

Rund 260 Kilometer liegen zwischen der 1,5-Megawatt-Anlage von Johannes Bentfeld im Windpark Paderborn-Dahl und der 600-Kilowatt-Anlage von Dedo Behrends nahe dem Küstenort Carolinensiel bei Wittmund in Ostfriesland. In Betrieb sind die beiden Windräder seit 1999 beziehungsweise 1996 – und daraus folgt: Ab Ende 2020 fallen sie aus der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), wie bundesweit mindestens weitere 4.000 Megawatt.

Den Strom müssten die Betreiber dann selbst verkaufen – an der Börse oder direkt an Abnehmer aus Industrie, Gewerbe oder an Energieversorger. Dafür fehlen gerade Windkraftpionieren oft die Zeit und das Know-how.

Bei den beiden erwähnten Anlagen ist der Weiterbetrieb vorerst gesichert. Mit beiden Eignern hat das Ökoenergieunternehmen Naturstrom jetzt einen Langfrist-Stromliefervertrag geschlossen, ein sogenanntes Purchase Power Agreement (PPA). Damit schaffe man Sicherheit fürs Post-EEG-Zeitalter, heißt es bei Naturstrom, auch wenn das Unternehmen sich bei der genauen Laufzeit bedeckt hält.

Gerade den älteren Post-EEG-Anlagen sollen die Langfristverträge mit dem Kürzel PPA sichere Erlöse für bis zu fünf Jahren gewährleisten, vor allem, um die nötigen Investitionen in eine verlängerte Laufzeit zu finanzieren, schreiben Nils May und Karsten Neuhoff vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin in einer aktuellen Analyse.

Den Wind-Ausbau können PPA allein nicht stemmen

Aber, so fragen die DIW-Forscher weiter, könnten PPA nicht auch bisherige Vergütungsmodelle wie das EEG ersetzen, um ebenfalls massenhaft neue Windkraft-Anlagen zu bauen? Daran hapert es ja gerade in Deutschland.

Das sei keineswegs der Fall, sagen May und Neuhoff. Übernehme ein Versorger mittels langfristiger PPA das Strompreisrisiko, könne er dieses nicht immer weitergeben. Der Grund: Stromverträge mit privaten Haushalten liefen maximal zwei Jahre und solche mit Industriekunden drei bis fünf Jahre. Mehr Risiken ließen aber die Kapitalkosten steigen, was gerade bei den kapitalintensiven erneuerbaren Energien die Gesamtkosten deutlich erhöhe, so die DIW-Experten.

Auch für energieintensive Industrien, die sich gern direkt mit grünem Strom versorgen lassen wollen, sind PPA wenig brauchbar, heißt es in der DIW-Analyse. Setzten große deutsche Stahlunternehmen oder Versorger wie EnBW, RWE, Eon und Uniper allein auf privat abgesicherte PPA, um auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzusteigen, würde das ihre Finanzkraft weit übersteigen.

Alles in allem veranschlagt das DIW die Mehrkosten bei den privat abgesicherten langfristigen Stromverträgen auf etwa 29 Prozent gegenüber sicheren Vergütungen für Ökostrom wie durch das EEG. Für 2030 entspreche das einer Summe von rund drei Milliarden Euro pro Jahr.

Nach Ansicht von May und Neuhoff ist das Potenzial von PPA zu begrenzt, um den Ausbau der Erneuerbaren darauf aufzubauen. Sie berufen sich dabei auch auf die Berater von Aurora Energy Research, die kürzlich ausgerechnet haben, dass private PPA nur ein Zehntel des bis 2030 vorgesehenen Öko-Zubaus ermöglichen.

Hier können Sie den Bericht weiterlesen

Zurück zur Übersicht

Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Jörg Staude) 2019 verfasst - der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

Das könnte sie auch interessieren