Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

19.04.2020

Umfrage: Breite Unterstützung für die Energiewende

Mehr als zwei Drittel sind jedoch mit der Energiewendepolitik der Bundesregierung unzufrieden anders als beim Corona-Krisenmanagement. Fachleute warnen davor, die erneuerbaren Energien der Parteipolitik zu opfern.

Die Diskrepanz zwischen allgemeiner Zustimmung zur Energiewende und Bewertung der Umsetzung nimmt im Jahresvergleich weiter zu: Acht von zehn Menschen in Deutschland unterstützen die Idee der Energiewende als Gemeinschaftswerk und den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Das dritte Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Energiewende (Erhebungen in über 6500 Haushalten in 2017, 2018 und 2019) zeigt: Die überwiegende Mehrheit der  in Deutschland lebenden Bevölkerung unterstützt die zentralen politischen Ziele der Energiewende. Die Kritik an der Umsetzung nimmt jedoch im Vergleich zu 2018 erneut zu. Deutlich mehr  Menschen als vor zwei Jahren bezeichnen die Energiewende als teuer (78% aller Befragten; plus 3 Prozentpunkte), chaotisch (66%; plus 6 Prozentpunkte), ungerecht (56%; plus 5 Prozentpunkte) sowie elitär (51%; plus 4 Prozentpunkte).

„Dass die Diskrepanz zwischen der allgemeinen Zustimmung zu den Zielen der Energiewende einerseits und der Bewertung der Umsetzung andererseits so deutlich ist und über die Jahre sogar noch zunimmt, ist höchst überraschend“, sagt Ortwin Renn, wissenschaftlicher Direktor am Institut für Transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam. „Denn Vergleichbares erleben wir bei Befragungen sehr selten. Wir können uns dies nur so erklären, dass die Menschen zu den politischen Akteuren zunehmend geringeres Vertrauen haben.“

Gemeinschaftswerk Energiewende - nur ein leeres Versprechen?

Auffällig ist, wie gering die Menschen ihre eigenen Mitwirkungsmöglichkeiten einschätzen. Nur jeder Fünfte erkennt die Möglichkeit, bei der Energiewende Einfluss zu nehmen und mitzusprechen.

„Weil das so ist, droht das viel beschworene Gemeinschaftswerk Energiewende zu einem leeren Versprechen zu werden,“ sagt Stephan Muschick, Geschäftsführer der innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft“. „Die Politik wäre gut beraten, hier umzulenken, und die Energiewende wieder zu einem Projekt zu machen, zu dem sich die Menschen zum Mitmachen eingeladen fühlen.“

Das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer zeigt aber auch, dass  die Menschen mehrheitlich mehr Windenergie an Land wollen, fast zwei Drittel unterstützen den Kohleausstieg, und mehr als die Hälfte der Befragten ist prinzipiell bereit, für den Klimaschutz höhere Energiekosten zu tragen. Allerdings vertreten die Menschen klare Ansichten darüber, wie die Mehreinnahmen aus einem CO2-Preis zu verwenden seien. 60 Prozent lehnen es ab, dass die Mittel in den Bundeshaushalt fließen, aber auch eine Rückzahlung an die Bürgerinnen und Bürger wird skeptisch gesehen. Die deutliche Mehrheit spricht sich dafür aus, dass die Einnahmen für Investitionen in ein klimafreundliches Verkehrssystem und den Ausbau von erneuerbaren Energien investiert werden.

„Dies ist nur eines von mehreren Indizien dafür, dass viele politische Entscheidungen der Energiewende nicht den Präferenzen der Menschen entsprechen. Hier liegt wohl auch ein wichtiger  Grund für die große Unzufriedenheit der Menschen mit der Energiewendepolitik der Bundesregierung. Wenn mehr als 80 Prozent der Menschen einen Ausbau von Solardachanlagen wünschen, die Große Koalition aber aufgrund von parteipolitischen Erwägungen die Sonnenenergie weiter begrenzt, dann ist die herbe Kritik der Menschen absolut nachvollziehbar“, kommentiert René Mono, Vorstand der 100 prozent erneuerbar stiftung.  

Insgesamt zeigen die  Ergebnisse, dass die Menschen in Deutschland einen differenzierten Blick auf Energiewende haben. Ingo Wolf, Autor der Studie und Senior wissenschaftlicher Mitarbeiter am IASS, fasst zusammen: „Sie sind mehrheitlich bereit Mehrkosten zu tragen und Maßnahmen zu akzeptieren, die einen effektiven Beitrag zur Emissionsminderung und einem nachhaltigen Klimaschutz leisten. Gleichzeitig erwarten sie von den politischen Akteuren ein rasches, zielgerichtetes und sozial gerechtes Vorgehen sowie bessere Möglichkeiten der Mitsprache und Teilhabe an energiepolitischen Entscheidungen. Diese Erwartungen werden jedoch bislang noch nicht ausreichend erfüllt und tragen wesentlich zur aktuellen Unzufriedenheit in der Bevölkerung bei.“

Wie sich die unterschiedlichen Umfragewerte „lesen“ lassen, kann sich jeder selbst an seinem PC oder Laptop über ein interaktives Onlinetool anschauen (Deeplink: https://www.iass-potsdam.de/de/barometer/data-explorer/). Wer und in welcher Region Deutschlands hat beispielsweise vor in den nächsten zwei Jahren entweder alleine oder gemeinsam mit anderen  wie etwa Nachbarn, Freunden, einer Genossenschaft oder per Investitionsfonds in eine eigene Solar- oder Windanlage zu investieren? Dies kann an einer interaktiven Karte für verschiedene Haushaltsgrößen überprüft werden.

Zurück zur Übersicht

Das könnte sie auch interessieren