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Mikroplastikbelastungen in Seen und Gewässern reduzieren und vermeiden!

Was können Städte und Gemeinden oder die Zivilgesellschaft gegen Müllberge und Plastikverschmutzung tun? Wie bedroht sind Seen und Flüsse in Deutschland und Europa?

Surfrider Foundation Europe, Bodensee-Stiftung und Global Nature Fund kämpfen gegen Mikroplastik und Müllverschmutzung.

80 Prozent der im Meer gefundenen Abfälle stammen aus dem Landesinneren und werden zu einem großen Teil direkt über Flüsse transportiert! Täglich quillen öffentliche Abfalleimer mit Verpackungsmüll über. Plastikbeschichtete Pappbecher, Verpackungsmaterial aller Art oder falsch entsorgte Plastikflaschen häufen sich zu Müllbergen in Parks und an öffentlichen Plätzen. Dieser Müll landet oftmals in Seen und Gewässern und treibt erst an der Oberfläche und sinkt später auf den Grund ab. Besonders gefährlich für die Umwelt ist Plastikmüll, der sich mit der Zeit immer weiter zersetzt. Die Fragmente werden kleiner und sind schließlich sogenanntes Mikroplastik. Mikroplastik ist laut einer Studie der Universität Bayreuth bereits 2018 in süddeutschen Seen und Gewässern nachgewiesen worden. Die Belastungen sind unterschiedlich hoch. Wegen fehlender EU-Normen und Grenzwerte ist eine Vergleichbarkeit schwierig.

Problem nicht ausklammern – Kommunen können etwas tun!

Fehlende einheitliche Vorgaben oder Normen, wie Mikroplastik nachgewiesen werden kann, erschweren den Umgang mit der oftmals unsichtbaren Verschmutzung. Die Datengrundlage zu aktuellen Belastungen in Seen, wie z. B. dem Bodensee, sind noch lückenhaft. Forschungen haben Mikroplastik in diesen Gewässern nachgewiesen, wie die konkrete Belastung aussieht, ist jedoch unbekannt.

Das EU LIFE Projekt „Blue Lakes“, das die Bodensee-Stiftung gemeinsam mit dem Global Nature Fund, beide aus Radolfzell am Bodensee, und weiteren Partnern aus Italien bearbeitet, beschreibt Ursachen für Mikroplastikbelastungen in Seen und zeigt Wege auf, was Kommunen an Seen tun können, um die Verschmutzung zu reduzieren. „Kommunen können gestalten und Vorbild zugleich sein im Kampf gegen Mikroplastik und Müllverschmutzung,“ sagt Dimitri Vedel, Leiter des Blue Lakes Projekts bei der Bodensee-Stiftung. „Einfache Möglichkeiten wie Pfandsysteme, witterungsfeste Mülleimer oder kontinuierliche Aufklärungsarbeit helfen bereits,“ so Vedel weiter. Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer des Global Nature Fund, stellt heraus: „Erfahrungen, die im Kampf gegen Mikroplastik helfen, müssen bekannt sein und in die tägliche kommunale Arbeit einfließen. Das Projekt Blue Lakes und das Netzwerk Living Lakes setzen hier an und unterstützen langfristig Seenregionen und Kommune weltweit.“ Das internationale Netzwerk Living Lakes wird vom Global Nature Fund koordiniert und ist mit 130 Mitgliedern an 112 Gewässern in über 40 Ländern aktiv.

Bürgerinnen und Bürger können etwas tun!

Die Quellen von Mikroplastik sind vielfältig. Reifenabrieb, Zusätze in Kosmetika oder Auswaschungen bei Kunststoffsportplätzen sind nur einige Beispiel. Nach wie vor ist diffuser Plastikmüll, der sich immer weiter zersetzt, eine wesentliche Ursache. Viele NGOs beschäftigen sich mit dem Thema. Darunter auch die Surfrider Foundation Europe, die sich seit mehr als 30 Jahren für den Schutz der Ozeane einsetzt. Die europäische Nichtregierungsorganisation hat viele Projekte entwickelt, wie z. B. die Oceans-Initiative, ein Programm für Müllsammlungen, das es ihr ermöglicht, das Bewusstsein zu schärfen und Meeresmüll zu sortieren und zu zählen. Um eine Lösung zu finden, die das Problem des Plastiks und des Mikroplastiks, das durch den Fluss transportiert wird, auf wissenschaftliche Weise zu beleuchten, haben sie das Projekt „Plastic Origins“ ins Leben gerufen.

Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und einer App kann ein Überblick geschaffen werden, wie hoch die aktuelle Müllbelastung in Flüssen und Seen ist. Mit dem erfassten Müllaufkommen können Rückschlüsse zu Mikroplastikbelastungen erstellt und gezielt Müll eingesammelt werden. Das Besondere an dem Verfahren: Die Daten können von jedem/r Besitzer*in eines Smartphones erhoben und kartiert werden.

Die „Plastic Origins“ App kann in jedem App-Store heruntergeladen werden. Müll, der zum Beispiel bei einem Spaziergang nicht sofort im Wasser eingesammelt werden kann, wird erfasst und kann später mit Kanus oder Kajaks eingesammelt werden. Antoine Bruge, Mitentwickler der App und Projektleiter bei der Surfrider Foundation Europe aus Biarritz sagt: „Die App hat den Vorteil, einen kontinuierlichen Überblick über das Müllaufkommen in Seen und Gewässern zu bekommen und koordiniert sowie effizient bei der Entsorgung vorgehen zu können. Die Daten und die Ergebnisse sind offen verfügbar und Anwender*innen können sich aktiv im Kampf gegen Müll mit einbringen.“

Expedition entlang des Rheins

Das Verfahren wird von der Surfrider Foundation Europe in einer 14-tägigen Expedition mit zehn Etappen vorgestellt. Start war am 21. August 2021 an der Quelle des Rheins. Vom 25. bis 28. August 2021 ist das zehnköpfige Surfrider Europe Team auf dem Bodensee unterwegs. Die Bodensee-Stiftung und der Global Nature Fund unterstützen die Expedition. Begleitet wird diese auf jeder Etappe auch von lokalen Mitgliedern der Surfrider Chapter. Am Bodensee wird Chris Schorpp vom Chapter Bodensee mit dabei sein. Neben der Datenerhebung werden die erfassten Fragmente im Anschluss an die Expedition noch weiter vom Surfrider Team untersucht und nach der genauen Herkunft geforscht. Die Expedition endet am 5. September 2021 an der Mündung des Rheins in den Niederlanden.

Quelle

Surfrider Foundation Europe, Bodensee-Stiftung und Global Nature Fund 2021

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